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Verspieltes Vertrauen

Eine Zeit lang kam es dem geneigten Beobachter fast so vor, als hätte Microsoft mit Erscheinen des zweiten Service Packs für Windows XP Lehren aus einer über Jahre hinweg katastrophalen Produktpolitik in sicherheitstechnischer Hinsicht gezogen. Würmer, Viren und SPAM, die neuen, biblischen Plagen des Informationszeitalers, werden zu vorderst von schlecht gewarteten Windows Dialups auf ein für viele aus diesem Grund immer unbrauchbarer werdendes Netz losgelassen. Während der private Netzbürger zunehmend genervt ohne martialische Filterprogramme kaum mehr seines virtuellen Briefkastens Herr wird, summieren sich die volkswirtschaftlichen Schäden in bis dato immer ungeahntere Höhen. Nicht immer ist Microsoft ein direkter Vorwurf zu machen - oft stehen die benötigten Sicherheitspatches schon lange bereit, werden aber schlicht vom unbedarften Endanwender ignoriert. Konzeptionelle Schwachpunkte und undurchsichtiges Flickwerk strafen dennoch einen Konzern Lügen, der den Massen ein einfach und problemlos zu handhabendes System verkaufen will.

Sicherheit bedeutet immer auch ein Stück weit Administrationsaufwand und Komfortverlust, zumindest bei Systemen, die flexibel und für viele Aufgabenbereiche anpassbar sein sollen. Es ist kaum verwunderlich, dass sich technisch notwendige Restriktionen dem weniger vorgebildeten Käufer schlechter vermarkten lassen als ein Produkt, das “Out Of The Box” läuft und kaum Konfigurationsaufwand verursacht. Es bedurfte einigen netzweiten Erdbeben, um den Kundenkreis zumindest etwas für diese Belange zu sensibilisieren. Microsofts Verdienst allerdings war das nicht - zu lange gaukelte man eine heile Welt vor und schob alle Schuld auf den Endanwender, konzeptionelle Schwächen wurden mit immer fadenscheinigeren Argumenten abgetan.

Service Pack 2 sollte das ändern, mit restriktiveren Voreinstellungen und anpassbareren Sicherheitsmechanismen, selbst bei möglichem Komfortverlust oder zu erwartenden Kompatibilitätsproblemen. Ein Schritt in die richtige Richtung, von vielen lange erwartet und mit entsprechendem Wohlwollen honoriert. Niemand wird ernsthaft angenommen haben, das eine solche Umstellung reibungslos und fehlerfrei von statten geht - dazu ist ein solches Vorhaben zu komplex. Verwundern mag nur die Art und Weise, wie Microsoft mit Hinweisen auf offensichtliche Schwachstellen ihres neuen Konzepts reagiert. Der neue, frische Wind scheint schon jetzt wieder abzuflauen: Wo eben noch verlorenes Vertrauen zurück gewonnen werden konnte, wird es durch altbekannte Verhaltensweisen schnell wieder verspielt.

Einen kurzen Erfahrungsbericht dazu liefert heise Security.

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