Wardriving ain't no crime!
Kristian Köhntopp zitiert in diesem Zusammenhang intern.de, welche die hochgegriffenen Straftatsbestandskonstruktionen[tm] der Paderborner Gesetzteshüter anzweifeln:
Nonetheless: Ein Strafverfahren ist mittlerweile eingeleitet worden, die Polizei Paderborn spricht im Kontext ihrer Pressemitteilung von “Datenräubern”, die auf “Kosten der Besitzer” “Datenspionage” betrieben. In Zeiten weit verbreiteter Flatrates und grosszügiger Volumentarife dürfte zumindest der pekuniäre Aspekt hier immer seltener zutreffen, alles andere sind bloße Vermutungen frei jeden Anhaltspunktes.
Prinzipiell ist ein offenes Netzwerk ein offenes Netzwerk - solche Dienste werden mittlereile von interessierten Privatpersonen, aber auch von Vereinen und Städten grosszügig angeboten, eine Suche oder ein Einloggen in diese intendiert ungeschützen WLANs sollte also kaum strafbar sein. Die Diskussion, ob eine WEP-Verschlüsselung bei den bekannten Schwächen und Unzulänglichkeiten einen “besonderen Schutz” darstellt, ist in meinen Augen dagegen akademischer Natur - der Wille des Betreibers, die Nutzung des eigenen Netzes durch Fremde zu unterbinden, ist offensichtlich und zu respektieren, wenn auch auf Seiten des Verschlüsselnden optimaler umzusetzen.
Etwas bitter stößt mir als potentiell Betroffener die sofortige Beschlagnahmung des “Tatwerkzeugs” auf, das nicht selten eben auch benötigtes Arbeitswerkzeug ist, und sei es nur für studentische Programmierübungen und Projekte. Hier geht jede Verhältnissmässigkeit verloren - die meisten Wardriver schliesslich sind nicht an persönlichen Daten oder einer Schädigung Dritter interessiert, sondern schmunzeln lieber über kreative Netzwerknamen oder die Blauäugigkeit schlecht beratener WLAN-Betreiber - und die erschreckende Anzahl derer.
Nachtrag:
Udo Vetter gibt in seinem Lawblog einige Anstöße für mögliche Verhaltensweisen bei drohender Beschlagnahmung des geliebten Rechenknechtes, yamb hatte ebenfalls schon vor einiger Zeit berichtet.
Paderborn ist überall?
Auch in Karlsruhe scheint die Polizei wenig zimperlich zu sein. So berichtet ka-news.de über einen ählichen Fall:
Das doritge Funknetzwerk war ebenfalls unverschlüsselt, was die Beamten wiederum nicht von einer Beschlagnahmung des Notebooks abhielt.

Sven
2 Mär 2005
In einer Phase haben wir oben am Turmberg einige Evaluationen gemacht bezüglich Antennengain von so selbstgebastelten Kabeln, Biquads und Waveguides, dabei waren wir auch kurz vor einem Schrebergarten oder Hausgrundstück. Zufällig kam der Besitzer vorbei, hat uns beschimpft (obwohl wir ganz klar auf öffentlichem Grund und Boden VOR seinem Grundstück waren) und er hat die Polizei gerufen. Was den geritten hat, kann ich bis heute nicht sagen, schien ein komischer Kauz zu sein. Die Polizei allerdings war ganz lustig, sie hat uns nur gebeten bisschen auf den Verkehr aufzupassen (sprich nicht zu nah am Rand der Straße zu stehen) und gewitzlet wie denn der Doom ping über so ein Netzwerk wäre und so und ist dann wieder weggefahren.
Ich hatte (vor allem Nachts) in der Polizeihauptstadt Deutschlands - die Karlsruhe ja sicher ist - schon sehr oft “Kontakt” mit der Polizei und ich muß ganz ehrlich sagen normalerweise sind sie guten Argumenten sehr zugänglich und auch sehr nachsichtig. “Ich geh jetzt einfach ruhig nach Hause” scheint auch im schlimmsten Fall Wunder zu wirken.
Was WLAN-Sniffing / Wardriving jetzt angeht, kann ich nur vermuten, dass entweder eine neue Direktive herausgegeben wurde oder der Herr, dessen Notebook beschlagnahmt wurde sich besonders dumm verhalten hat / besonders blöde Aussagen gemacht hat. Oder er hat wirklich Pech gehabt und einfach die völlig falsche Streife erwischt.
Großes Pech gehabt hat er auf jeden Fall, denn die Wahrscheinlichkeit, daß ihn ein Zeuge entdeckt und auch noch der Polizei meldet ist ja eigentlich wirklich gering, wenn man sich nicht direkt mit einem Anwohner anlegt, wie wir damals - hätten wir zu dem Zeitpunkt wirklich Daten ausgespäht und nicht Antennentests gemacht, wären wir sicher auch schnell abgedampft.
Ich muß aber ehrlich sagen, trotzdem ist es interessant von dem Vorfall zu erfahren, denn ich hätte nicht gedacht, daß die Polizei mittlerweile doch schon so weit ist, daß sie bei sowas überhaupt Probleme macht.
Für die Zukunft werde ich entsprechende Vorsichtsmaßnahmen bereithalten, denn selbst wenn man im Recht ist - Vorsicht ist besser, als Nachsicht und kann Ärger sparen.
Lang lebe cryptfs.