/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Gedankensplitter

Es rumort allerorten, und so trägt Andreas zur allgegenwärtigen Debatte per IRC folgende Sätze bei, die ich so nicht hätte treffender formulieren können:
“Brauchen wir mehr Intoleranz?” heißt das heutige Thema bei Maischberger. Was ein Blödsinn. Es müsste eigentlich heissen: “Können wir uns noch mehr Intoleranz leisten?” - in Hinblick auf Intoleranz gegenüber der freien Meinungsäußerung, der freien Wahl der Weltanschauung, des Lebenspartners, der sexuellen Orientierung, dessen, was man als Beleidigung empfindet und gegenüber dem Leib, Leben, Eigentum und Werten anderer.

Passend dazu polemisiert Lars einige Thesen zusammen, die ich im Zitierten dennoch soweit teilen möchte, bis hin zum romantisierenden und sich doch immer klarer abzeichnenden Feindbild des Staates als purem Sachverwalter nationaler Kapitalien:

“In Deutschland hingegen ist man sich mit seinen islamischen Nachbarn sehr schnell einig: man hasst gemeinsam Juden, hat das mit der Zivilisation sowieso nicht so richtig verstanden und unter gutem Leben versteht man vorrangig Arbeit, bevorzugt köperliche. Und solange der Moslem von nebenan nicht die deutsche Kneipe besucht, ist alles in Ordnung. Die deutsche Toleranz erlaubt alles, außer sie selbst zu gefährden. Man darf munter Juden, Ausländer anzünden oder gleich totschlagen, Schwule verprügeln und Lesben bespucken. Nur die Ruhe soll bitte nicht gestört werden. [...] Dies ist der mörderische Konsens der deutschen Toleranz.”

“Das hingegen Liberale ganz verwundert aus der Wäsche glotzen, weil sich die dänische Regierung entschuldigt und den moralischen Impetus der liberalen Weltaufklärer unterstützt liegt vor allem daran, dass sie nicht verstanden haben, dass Staaten eben die Sachverwalter der nationalen Kapitalien sind und nicht die Erfüller der feuchten Träume einiger deutscher Liberaler. Nochmal zum mitschreiben: der Staat schaft in der kapitalistischen Ökonomie den Rahmen, um die unterschiedlichen Kapitalien untereinander in Konkurrenz treten zu lassen.”

Die Dämme brechen, und die Blogosphäre kotzt entweder kübelweise oder toleriert bis zur vollkommenen Sinnentleerung. Ich selbst vermisse dabei immer häufiger Zwischentöne und wittere in der anbiedernd berechnenden Instrumentalisierung des amerikanischen Neokolonialismus als Heilsbringer im Clinch der Kulturen die Einbahnstraße, die mit je nach Tagespolitik opportun erscheinenden Fronten in der arabischen Welt schon desöfteren bis an die abschliessende Wand befahren wurde.

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  • Hm, das mit dem romantisieren habe ich nicht verstanden. Also was sind Staaten denn sonst?
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