/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

"The Clash" unter Terrorismusverdacht, oder so.

In Zeiten wie diesen, in denen der islamistische Terror die größte Gefahr für unser aller Leben darzustellen scheint, ist Datenschutz gleich Täterschutz. Und wenn es die bombenden Feinde der Demokratie nicht schaffen, unsere freiheitlichen Grundordnungen ins Wanken zu bringen, dann machen wir das eben selbst. So weit, so bekannt.

In London, der eigentlich ziemlich coolen Stadt an der Themse, die uns schon gezeigt hat, wie das mit den Kameras so richtig nicht funktioniert, kann man mittlerweile auch durch das Zitieren von Songtexten per SMS ernsthaft Ärger bekommen. Angeblich.

So zumindest soll es einem Fan der Gruppe “The Clash” ergangen sein. Der studierte Informatiker, seines Zeichens Bassist einer Coverband eben jener Kombo, schickte dem Sänger seiner Punktruppe ein Textstück aus dem Song “Tommy Gun”:

“How about this for Tommy Gun? OK - So let’s agree about the price and make it one jet airliner for ten prisoners.”

Hmmm. Nach wenigen Minuten des Googelns war ich nicht wirklich schlauer: Dieser Textversatz scheint so nicht in “Tommy Gun” von “The Clash” vorzukommen. Wurden also Alternative Takes irgendwelcher Bootlegs zitiert, oder schreiben Verschwörungstheoretiker einfach zu schnell?

Die Widersprüche mehren sich. Das Erschreckende an dieser ganzen Geschichte soll weniger der Umstand gewesen sein, dass solche Nichtigkeiten schon zu einem unfreiwilligen Kaffeekränzchen in einem Londoner Polizeirevier führen können, sondern die vermeintliche Tatsache, dass die private Kommunikation unbescholtener Bürger mittlerweile - frei von jedem Tatverdacht - flächendeckend überwacht zu werden scheint. Wahrlich harter Tobak.

Andere Quellen berichten jedoch, dass die verschickte SMS nicht an den eigentlichen Adressaten - dem Sänger der Coverband des Beschuldigten - sondern einen unbeteiligten Dritten ging. Dieser habe daraufhin die Polizei verständigt, was dann die Dinge ihren Lauf nehmen lies.

Dennoch schiebt “laut.de” das Fazit des Terrorexperten Chris Dobson nach:

“Diese Überwachung ist der Preis den wir in einer modernen Gesellschaft zahlen müssen, um uns vor Terroristen zu schützen.”

Nun bin ich der Verwirrte. Soll ich die verschwörerische Totalüberwachung kaufen und ob des obigen Statements meinen Mageninhalt oral entleeren, oder der abgeschwächten Variante fehlgeleiteter Kurznarchichten anhängen und meinen Kopf über soviel unreflektierte Panikmache schütteln? Wer schreibt hier bei wem was ab, und wer kümmert sich wenigstens ansatzweise darum, Behauptetes nachzuvollziehen? Kollektive Entrüstung ist gut und richtig, wenn berechtigt. Sollte man nicht aber, gerade als kritischer Beobachter des Zeitgeschehens, auch die Dinge hinterfragen, die sich allzu deutlich in die eigene Argumentation einpassen lassen wollen? Und vor allem: Wie war’s denn nun wirklich?

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