Panikattacken
Weniger amüsant, dabei allerdings nicht minder Zeugnis ausgeprägter Begriffsstutzigkeit, sind die regelmäßigen Rufe nach noch (und immer) mehr Überwachung. Dass diese allenfalls zur Aufklärung von Anschlägen, jedoch kaum zur Vermeidung derselben taugt, liegt auf der Hand. Und selbst, wenn das Gegenteil der Fall wäre: Konsquent zu Ende gedacht bliebe nur der flächendeckend überwachte Polizeistaat, die totale Abschaffung des öffentlichen Raumes. In guter Tradition trägt natürlich auch das von Kinderschändern, Neonazis und neuerdings eben auch von Terroristen instrumentalisierte Internet einen Großteil der Schuld auf den wehrlosen Schultern. Breaking News: Verschlüsselung ist mittlerweile dermaßen komplex, dass sie praktisch nicht mehr zu umgehen ist und damit ihrem eigentlichen Bestimmungszweck dient. Der verwunderte Parteigänger reibt sich die naiven Äuglein - und fordert folgerichtig ein Verbot, um gesetzestreuen Gotteskriegern das Handwerk zu legen. Es ist erstaunlich, mit welcher Unbedarftheit Ministerposten zu erlangen sind.
Mittlerweile offenbart das Konzept des gutwillig unterstellten Zieles der gefühlten Sicherheit zur Beruhigung der geistig in Angst Erstarrten seinen Selbstbetrug unbewußt. Und spätestens an dieser Stelle wird’s unangenehm. Ist man auf das Hohlphrasieren der scheinbar generalentkernten Politkaste einigermaßen eingestellt, kommt nun der - von wem auch immer ferngesteuerte und in Panik versetzte - Lemming im Kampf um ein wenig Restvernunft unter den Mitmenschen als ernstzunehmender Gegner hinzu. Der Stammtisch und die übliche Ausgewogenheit der großen Massenmedien zeigen ihre Wirkung, hier und anderswo, ein vereinigtes Europa im Kampf gegen Rauschebärte und liegen gebliebene Gepäckstücke. Was hätte man sich diese brutalstmögliche Wachsamkeit auch bei manch ominösem, schwarzen Koffer gewünscht! Statt todbringender Bomben gab’s da jedoch nur jüdische Vermächtnisse zu enthüllen. Wie unspektakulär.
“Die Freiheit nehm’ ich mir”, nehmen wir uns. Meine Stadt, die ist hier in Mannheim:
Beängstigend.
Via Jochen Lillich.
