PJB: Wenn einer eine Reise macht
Heute steht ein kurzer Trip in die Pfalz an, der Wiege meiner Primärsozialisation. Mit dem Semesterticket geht das sogar kostenfrei, dauert aber ein wenig länger, da nur regionale Bummelbahnen genutzt werden können. Also brauche ich Musik.
Zeit, mal wieder meinen etwas angestaubten MP3 Player zu reaktivieren, die PJB “Personal Jukebox”. Eine Notebookfestplatte im Plastikkleid, nicht mehr zeitgemäß, aber klangtechnisch - dank der damals serienmäßig mitgelieferten Koss portaPRO-Kopfhörer - wahrscheinlich besser als vieles auf dem aktuellen Markt. Ein Stück noch aus der Zeit vor dem großen MP3-Portables Boom und der daraufhin einsetzenden Apple Verklärung.
Schon früh wurden zur PJB Spezifikationen und SDK veröffentlicht, so daß schnell eine freie Entwicklerszene entstand. Für Microsoft Windows existiert der “pjbExploder” (Sourceforge), ein Projekt, das auch heute noch aktiv weiterentwickelt wird. Auch unter Linux beschäftigten sich einige Programmierer mit der Jukebox und brachten so RPMs und Sourcen für das SDK und eine dem pjbExploder ähnliche Applikation, dem “pjbmanager”, heraus. Leider scheinen hier die Aktivitäten vor ca. 2 Jahren vollends eingeschlafen zu sein. Dementsprechend waren Schwierigkeiten beim Versuch, die notwendige Software auf ein zeitgemäßes Linuxsystem zu übertragen, von mir erwartet.
Aktuelle Kerneltreiber für die per USB angesteuerte PJB gibt es glücklicherweise auf muru.com. Der Patch für Linux 2.6.6 ließ sich problemlos auf meine Kernelversion, 2.6.5-gentoo-r1, aufspielen. Das “aktuelle” SDK vermisste einen #include in einer Quelldatei, was sich entsprechend schnell fixen ließ, lief sonst aber ebenfalls ohne weitere Hürden durch. Der “pjbmanager” in der Version 0.3.3 allerdings wollte garnicht, 0.3.2 kompilierte dann wieder ohne Klagen.
Obwohl der “pjbmanager”so übel optisch nicht anmutet, wäre ein fehlerbereinigter GTK2-Port natürlich das höchste der Gefühle. Ein paar unschöne Bugs hat die Applikation eben nach wie vor. Es beschleicht mich immer öfter die beängstigende Vorahnung, irgendwann doch in die Untiefen der Programmierung des hohen Cs eintauchen zu müssen. Dennoch: Alles in allem ging das Procedere schmerzfreier als angenommen über die Bühne, womit ich diese kleine Ode an meinen alten, aber treuen MP3 Player auch beendet wissen will.
