Mitschneiden verboten - nun auch im Radio?

Es war zu erwarten: Mit dem Aufkommen des digitalen Rundfunks ist die Musikindustrie einmal mehr bestrebt, ihren Zuhörern jede sinnvolle Verfügbarkeit über das klingende Kulturgut zu nehmen. Nachdem die Revolution im Internet verschlafen wurde, wird bekanntlich versucht, alte Pfründe durch die Kriminalisierung der eigenen Kundschaft zu retten. Alternativen oder neue Geschäftsideen sucht man vergeblich - abgesehen von überteuerten und schlecht gemachten Angeboten im Netz, die dem Musikliebhaber in der Regel für unverschämte Preise verkrüppelte Ware andrehen wollen. Nicht mehr als ein durchsichtiges Alibi. Klagewellen und digitales Restriktionsmanagement statt Qualität und dem viel beschworenen Service am Kunden.
Nun folgt also der neueste Clou. Heise berichtet: “US-Musikindustrie fordert Kopierschutzmechanismen für Digitalradio”. Demnächst darf ich also nur noch ganze Sendungen ungeschnitten am Stück aufnehmen - wehe mir, wenn ich aus einzelnen, ausgestrahlten Songs oder Beiträgen eigene CDs zusammenstellen wollte! Von der Weitergabe an befreundete Musikliebhaber ganz zu schweigen - dafür möchten die heuchelnden Bosse der großen Labels den unbescholtenen Hörer am liebsten gleich am Pranger sehen.
Ich rekapituliere: Ein Großteil meines musikalischen Werdegangs wurde durch getauschte Mixkasetten oder Kopien von Alben mir bis dato unbekannter Künstler beeinflußt. In meinem Wohnzimmer stehen weit über 700 Vinylscheiben und CDs, oft auch jenseits des Mainstreams, aber bezahlt. Auch Konzerte besuche ich - das nach wie vor - gerne und regelmäßig.
Ich habe seit gut einem halben Jahr keine Musik mehr käuflich erworben - und werde es weiterhin so halten. Warum?
Einer Industrie, die dermaßen ignorant über die Wünsche und Erwartungen ihrer Kunden hinweg sieht, werfe ich kein Geld in den gierigen Schlund. Das aber hat nun so garnichts mit irgendeiner Kostenlosmentalität zu tun - mir kann man schwerlich vorwerfen, nicht bereit zu sein, Künstler fair entlohnen zu wollen. “Copy kills music” - eine lachhafte Luftnummer, für die sich maximal Knallchargen wie Smudo erwärmen können. Der Musikindustrie - das Wort in sich ist eine Perversion - kommt es nicht auf Inhalte, sondern Profit an. Das ist der Markt, und das sind zumindest die Gesetze der Großen.
Schade, wenn darunter auch die Kleinen leiden müssen. Gefährlich, wenn eine durch niemanden legitimierte Industrie durch Lobbyisten Gesetze durchboxen läßt, die in ihrer letzten Konsequenz das Grab für eine allgemein verfügbare Kultur schaufeln, wie wir sie heute noch kennen.
Industry kills music. Lesenswert.

Georg Link
19 Jul 2004
Ich bin mehr der Typ Höhrer, dem ein Lied gut gefällt und der diese Lied kauft, nicht die ganze CD.
Mittlerweile habe ich mich darauf verlegt, MP3 aus dem Livestream meiner Stereoanalage zu ziehen (Clipinc sei dank!)
Hoffentlich blicken die Bosse der sogenannten Musikindustrie irgendwann, dass man nicht am Konsumenten vorbei wirtschaften kann. Neue Konzepte müssen her! Wenn Sie Anregungen brauchen, dann melden sie sich bei mir! Ich habe ein paar gute Ideen!