Halbbeständige Gerüchte
Meine hier schon häufiger erklärte Lieblingswebzweipunktnullapplikation Last.fm geht nun doch nicht - wie es unzählige Gerüchte im Vorfeld beschworen - für 450 Millionen US-amerikanische Dollars an Viacom, sondern für schlappe 280 Millionen Steine an CBS, einen weiteren Mediengiganten auf megalomanisch fetter Einkaufstour, der fehlende Ideen durch ausreichend Eigenkapital zu substituieren weiss. Ein anderer Käufer also, doch die alten Sorgen: eine weltweit weitestgehend etabliert innovationsfreie Medienindustrie schliesslich tat sich in jüngster Zeit hauptsächlich durch eine brutalstmöglich konsumenten- und kulturfeindliche Markt- und Lobbyistenpolitik hervor. Das offizielle Blog aus dem Londoner Hauptquartier indes versucht zu beschwichtigen:
The founders (myself included) are still at the helm. We have more resources at our disposal now, and more clout when it comes to negotiating licensing deals etc. There is quite a sense of achievement at Last.fm HQ today, we see this is as a huge boost for Last.fm and we are confident that together with CBS we have the wherewithall to change the music industry, and way people interact with music for good.
Wie schon andernorts erwähnt: Das viele Geld sei den Machern wahrhaft gegönnt, Cent für Cent - denn Last.fm rockt die Scheiße fett, Idee, Konzept und Umsetzung stimmen, ungeachtet aller Datenbank- und Performanceprobleme - es ist eine grundsympathische Seite, trotz oder gerade wegen all dieser Macken, eine Seite, die ich habe rasant wachsen sehen, nicht nur ans eigene Herz. Bleibt zu hoffen, dass sich der finanzkräftige Einfluss des neuen Eigentümers in erster Linie auf infrastrukturelle Verbesserungen und kommende Lizenzvereinbarungen auswirkt. Der nagende Zweifel bleibt: das letzte Wort nämlich haben nun angestellte Krämerseelen hat nun ein ausschließlich profitorientiertes Management im Auftrag gewohnt verkommener Anteilseigner, niemand mehr, der mit Leidenschaft neues wagte.
