Second Life

Hin und wieder habe ich - in eher größeren bis sehr großen Abständen - den sagenumwobenen Überhype Second Life (Second Life auf Wikipedia) selbst rudimentärst kurzevaluieren können. Große Begeisterung löst ohne jede Frage vor allem die wiedererlangte Haarfülle aus, die gekonnt meine im ersten Leben testosteroninduziert modellierte Restfrisur kontrastiert. Das hingebungsvolle doch transpirationsarme Gestalten des eigenen Waschbrettbauchs samt zwanghaft stilsicherer Kleiderwahl hingegen spricht die betont feminine Seite im Manne zum vervollkommnenden Ausgleich an.
Nun denn und sei es drum, mein virtuelles Auge konnte bisher vor allem viele malerische Inseln und verlassene Strände erblicken, wunderbare Prachtbauten und mondäne Behausungen, umgeben von einer bunten und abwechslungsreichen Flora, meist menschenleer, doch mit viel Liebe zum Detail. Das rare Treffen mitbewohnender Avatare abseits der großen Anfängerinseln jedoch ist nicht selten mit der eineindeutingen Wahrnehmung leicht un- und überproportionierter Megagenitalien verbunden - der Phallus Dei allerorten, chwasi.
Es stellt sich mir also die ersatzlebenstechnisch schon existentielle Frage, ob interessante Plätze im unterbevölkerten Second Life auch Gelegenheitsbesuchern offen stehen, oder das erste dem zweiten Leben zur Gänze zu opfern ist, um Zeit für ein näheres Kennenlernen aufbringen zu können. Mein reales Ego hat sich bisher vor allem verlaufend gelangweilt und eine überbordend nervtötende Kommerzialisierung erlebt, die an einen visuellen Rundgang durch meine diversen SPAM-Folder in dritter Dimension gemahnt - auch wenn das Konzept durchaus seine Reize hat. Kleine Businesskasper jedoch verachte ich auch im realen Leben schon ausreichend, virtuelle Millionäre my Ass.
Nachtrag: Das passt dann ja. Oh man.
Und noch ein Nachtrag:
Via Heise: Begeisterung der Unternehmen für Second Life lässt nach
