Manche nennen es "Grillen"
Wer ganz allgemein zum “Grillen” eingeladen wird, erwartet saftige Lappen auf dem Rost, rustikales eben, das von gestandenen Männern seit tausenden von Jahren zelebrierte Ritual des Verbrennens vierbeiniger Paarhufer. Aus diesem Grund bestimmte ein ähnlich gelagertes, mentales Setting unsere Erwartungen beim Betreten des Heidelberger Bootshauses - die Annahmen über den weiteren Verlauf der anstehenden Verköstigungen jedoch sollten schon früh durch das Kredenzen einer für solche Anlässe wohl eher untypischen Melonen-Gin-Minz-Bowle erschüttert werden. Es folgte ein kompletter Wechsel der Ligen. Mit Anspruch auf Vollständigkeit:
- Seeteufelbäckchen auf Broccoli-Pistazien-Creme
- Scampi mit Spargelrisotto
- Kaninchenrücken und Kalbsfilet im Parmamantel an Ruccolasalat
- Fettucine mit sautierten Steinpilzen
- Lammfilets mit Rosinen-Couscous
- Rinderfilet auf frittiertem Gemüsejulienne und Trüffeljus
- Gegrillter Pfirsisch mit Ricotta-Honig-Mousse
Die aufgeführten Köstlichkeiten standen selbstredend nicht zur Auswahl bereit, nein, sie sollten als “Grill-Menü in sieben Gängen” zu obig notierter Reihenfolge inhaliert werden. Statt abgestandenem Bier gab es trockenen Riesling aus dem Rheingau sowie den roten “Vino Nobile di Montepulciano” des toskanischen Weinguts Poliziano. Selten war man derart positiv ungläubig entsetzt.
Christian und seinen Umsatzerbringern bei MLP ist für diese Variation eines alten Themas schwer verdauend zu danken. Eine wahrhaft gelungene Schlemmerei, ganz abseits des nicht weniger geliebten, archaischen Reissens bluttriefender Rindersteaks vom feurigen Kuß der Flamme.

