Kopflos
Mit Adolf Hitler (oder seinen vermeintlichen Tagebüchern) lässt sich gutes Geld verdienen, nicht nur auf den Titelseiten von BILD, Stern und anderen Regenbogenblättern im In- und Ausland, sondern auch mit Guido Knopp im ZDF oder eben ganz in Wachs bei Madame Tussauds in Berlin. Es dürfte einigermaßen unumstritten sein, dass Adolf Hitler die deutsche Geschichte über lange Jahre leidbringend geprägt und darüber hinaus bis heute beeinflußt hat, und somit gehört der große Unsympath ebenso unstrittig in jeden - auch kommerziell - ausgestellten Kontext deutscher Historie, der sich nicht einen blinden Fleck von der Größe des antarktischen Ozonlochs zu eigen machen will.
Der völkermordende Diktator nämlich war eines gewiss nicht: ein Monster, welches man Kraft eigenen Vergessens aus dem allgemeinen Bewusstsein vertreiben oder dem posthum das modellierte Haupt vom Rumpf zu trennen ist. Das hier doch etwas verspätet inszenierte Heldentum scheint mir eine offenkundig wirkungslose und darüber hinaus zu billige Variante der Geschichtsbewältigung zu sein.
Der Bagatellisierung Hitlers entgegenzutreten bedeutet, ihn schlicht als Menschen anzuerkennen, um damit die offenbar eben doch nicht ganz so unvorstellbare Perversität und Grausamkeit seines Handelns auch heute noch als potentielle Konsequenz geschürter Ängste gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden aktuell zu halten.
So unopportun dies dem herrschenden Common Sense auch erscheinen mag.

xlk
7 Jul 2008
Vielleicht noch ein paar, zur potentiellen Konsequenz: es besteht ein Unterschied zwischen Angst verbreiten und Aufhetzen, auch Radikale gehoeren (dankenswerterweise) Minderheiten an und Gewalttaeter sind “Andersdenkende”, was die Menschenrechte angeht.
Sollte vor diesen nicht mehr gewarnt werden, weil die Gefahr besteht, dass daraus Aengste erwachsen, die zu Pogromen fuehren? Ich finde, manchmal hat der Common Sense auch seine Vorteile.
Jens
7 Jul 2008
Ansonsten haben radikal aufgehetzte Mehrheiten in jüngster Vergangenheit über ein ehemaliges Jugoslawien oder das kurdische Volk mehr Leid gebracht, als es andersdenkende Minderheiten aus ferneren Ländern hier wohl jemals zustande brächten, mit einem gehörigen Anteil oft unvorstellbarer Perversität.
Inwiefern das stete Mahnen der Politik unter auflagenstarker Begleitung einer mehr oder weniger seriösen Presse in progrompräventiver Relation zur einer abstrakt beschriebenen Bedrohung steht? In keinem gesunden, finde ich. Unterstellst Du tatsächlich eine solch hehre Motivation, oder habe ich Dich komplett missinterpretiert?
xlk
9 Jul 2008
Es sollte dabei nicht danach unterschieden werden, ob solches Gedankengut seinen Ursprung in fernen Laendern hat oder nicht, sondern danach, ob es sich gegen Menschenrechte oder die FDGO richtet. Weiterhin ist es wichtig, dass sich die Warnungen auf derartiges Gedankengut und seine Auswirkungen beziehen, nicht auf die Menschen als solche, denn hier verlaeuft die Grenze zur Hetze.
Koennen wir an diesem Punkt einen Konsens finden? :)
Jens
9 Jul 2008