/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Kopflos

Mit Adolf Hitler (oder seinen vermeintlichen Tagebüchern) lässt sich gutes Geld verdienen, nicht nur auf den Titelseiten von BILD, Stern und anderen Regenbogenblättern im In- und Ausland, sondern auch mit Guido Knopp im ZDF oder eben ganz in Wachs bei Madame Tussauds in Berlin. Es dürfte einigermaßen unumstritten sein, dass Adolf Hitler die deutsche Geschichte über lange Jahre leidbringend geprägt und darüber hinaus bis heute beeinflußt hat, und somit gehört der große Unsympath ebenso unstrittig in jeden - auch kommerziell - ausgestellten Kontext deutscher Historie, der sich nicht einen blinden Fleck von der Größe des antarktischen Ozonlochs zu eigen machen will.

Der völkermordende Diktator nämlich war eines gewiss nicht: ein Monster, welches man Kraft eigenen Vergessens aus dem allgemeinen Bewusstsein vertreiben oder dem posthum das modellierte Haupt vom Rumpf zu trennen ist. Das hier doch etwas verspätet inszenierte Heldentum scheint mir eine offenkundig wirkungslose und darüber hinaus zu billige Variante der Geschichtsbewältigung zu sein.

Der Bagatellisierung Hitlers entgegenzutreten bedeutet, ihn schlicht als Menschen anzuerkennen, um damit die offenbar eben doch nicht ganz so unvorstellbare Perversität und Grausamkeit seines Handelns auch heute noch als potentielle Konsequenz geschürter Ängste gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden aktuell zu halten.

So unopportun dies dem herrschenden Common Sense auch erscheinen mag.

1552 Klicks
  • Zwei Woerter: PR Stunt

    Vielleicht noch ein paar, zur potentiellen Konsequenz: es besteht ein Unterschied zwischen Angst verbreiten und Aufhetzen, auch Radikale gehoeren (dankenswerterweise) Minderheiten an und Gewalttaeter sind “Andersdenkende”, was die Menschenrechte angeht.

    Sollte vor diesen nicht mehr gewarnt werden, weil die Gefahr besteht, dass daraus Aengste erwachsen, die zu Pogromen fuehren? Ich finde, manchmal hat der Common Sense auch seine Vorteile.
  • Terrorismus- gegen Auschwitzkeule? Touché.

    Ansonsten haben radikal aufgehetzte Mehrheiten in jüngster Vergangenheit über ein ehemaliges Jugoslawien oder das kurdische Volk mehr Leid gebracht, als es andersdenkende Minderheiten aus ferneren Ländern hier wohl jemals zustande brächten, mit einem gehörigen Anteil oft unvorstellbarer Perversität.

    Inwiefern das stete Mahnen der Politik unter auflagenstarker Begleitung einer mehr oder weniger seriösen Presse in progrompräventiver Relation zur einer abstrakt beschriebenen Bedrohung steht? In keinem gesunden, finde ich. Unterstellst Du tatsächlich eine solch hehre Motivation, oder habe ich Dich komplett missinterpretiert?
  • Oh ja, und zwar schon bei den Keulen. Man sagt, dass Wachsamkeit der Preis der Freiheit sei. Zur Wachsamkeit gehoert es, vor Gefahren zu warnen und auf Probleme hinzuweisen. Und diese sind oft alles andere als abstrakt, wie Hoyerswerda, Moelln oder, in juengerer Vergangenheit, Muegeln gezeigt haben. Daher halte ich auch die Warnungen vor “no-go-areas” im Vorfeld der Fussball-WM durch Politik und Presse keineswegs fuer ungerechtfertigte Panikmache. Vor totalitaerem oder menschenverachtendem Gedankengut sollte immer gewarnt werden, auch wenn die Gefahr nur von Minderheiten ausgeht.

    Es sollte dabei nicht danach unterschieden werden, ob solches Gedankengut seinen Ursprung in fernen Laendern hat oder nicht, sondern danach, ob es sich gegen Menschenrechte oder die FDGO richtet. Weiterhin ist es wichtig, dass sich die Warnungen auf derartiges Gedankengut und seine Auswirkungen beziehen, nicht auf die Menschen als solche, denn hier verlaeuft die Grenze zur Hetze.

    Koennen wir an diesem Punkt einen Konsens finden? :)
  • Jetzt erscheint es mir klar und gänzlich keulenfrei, Herr Kollege. Den Tenor Deiner letzten Ausführungen teile ich, so dass wir hier durchaus zueinander finden. Nicht nur deshalb halte ich eine Entnazifizierung, die auf einem trügerischen “If I close my eyes and do not see it, it doesn’t exist anymore” für gänzlich falsch, um wieder den Bogen zum eigentlich Eintrag zu spannen ... ;-)
Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.
BBCode-Formatierung erlaubt

Trackbacks / Pingbacks

  • Keine Trackbacks