Heilslehren an deutschen Schulen: Pro-Reli
Argumente gegen eine an staatlichen Schulen durch kirchliche Protagonisten verbreitete Heilslehre als ordentliches Schulfach tat ich schon vor über vier Jahren in “Glaubenssache” und “Einseitigkeiten” kund, dachte, man könne es dabei belassen und dem Lauf der Dinge mit felsenfestem Glauben an einen aufgeklärten Geist harren - doch weit gefehlt. Kurz vor dem hauptstädtischen Plebiszit beziehen die Glaubenskrieger selbst in den hiesigen Lokalblättern der weit abgelegenen Metropolregion ihre Position, als hätte es die Entwicklung zum säkularen Staatsgebilde nie gegeben. Dabei ist doch von einem Abschaffen des Religionsunterrichtes nirgends die Rede.
»Rote Angst« phantasiert ein Schreiber des Mannheimer Morgens in die Haltung des Berliner Senats und beweist alleine schon im Stil seiner Ausführungen, warum es für mehr wohl nie gereicht hatte:
Wiederholt möchte ich entgegnen: Es existiert kaum ein einleuchtendes Argument, warum staatliche Schulen die dogmatische Verbreitung irgendwelcher Heilslehren fördern sollten, im Gegenteil. Aufgabe einer modernen Bildungspolitik muß neben dem Vermitteln bloßer Fakten und Fähigkeiten die Formung eines kritischen Geistes sein, der breit informiert aus einem fundierten Wissen heraus Schlüsse ziehen und aus bekannten Alternativen wirklich frei wählen kann - ganz unbenommen, ob das spätere Ergebnis dieser individuellen Entscheidung dann weltlicher oder religiöser Natur sein wird.
So spricht also einiges für den neutralen Werteunterricht, der die Vielfalt der verschiedenen Religionen beleuchtet und darüberhinaus auch philosophische Weltbilder abseits klerikaler Verklärung bietet, wenig dagegen für eine durch die Protagonisten der einzelnen Religionen gesteuerte Einseitigkeit. Integration schliesslich fängt mit dem Wissen um die eigene Herkunft an und ist mit dem unabdingbaren Verständnis anderer Kulturen, Religionen und Denkweisen noch lange nicht am Ziel.
Doch der Mannheimer Morgen berichtet weiter tendenziös:
Was ist so entsetzlich falsch daran?
Inspiriert von Spreeblick und Kris.

Oliver
25 Apr 2009
Wenn Eltern ihre Sprößlinge unbedingt vorab in Richtung bestimmter religiöser Weltanschauungen lenken und ihnen die freie Entscheidung vorweg nehmen wollen, dann ist das eine Wahl, die man ihnen persönlich lassen muss. Insofern sollte es ihnen frei stehen freiwillige Angebote in dieser Beziehung wahr zu nehmen, wie es nun in Berlin umgesetzt wurde. Denn der Standard einer schulischen Ausbildung sollte sich daran orientieren, dem Heranwachsenden das Rüstzeug zur mündigen und eigenständigen Entscheidung mitzugeben auf Basis allgemein gesellschaftlich anerkannten Wissens und bestem Gewissens. Also geht es um die Vermittlung nicht eines Glaubens, sondern der Fähigkeit sich für einen oder gegen einen auf Grund eigenständiger Überlegungen entscheiden zu können.
Warum die wiederholte Abbildung der ideologischen Differenz zwischen Islam und Christentum in der Trennung durch separate Religionsunterrichte der Integration zu Gute kommt, erschließt sich mir nicht wirklich. Ebenso wenig wie, warum islamische Kinder grundsätzlich erstmal aus «Hinterhöfen» geholt werden müssen.
Jens
25 Apr 2009
Schön, dass du dieses Zeugnis kulturell leitbildenden Selbstverständnisses so klar entschälen konntest - was ich versäumt hatte - sagt es doch viel über jene aus, die es teilen.
Pro Astro
26 Apr 2009
Ich möchte die Helferinnen und Helfer dazu aufrufen, sich auch in einem Folgeprojekt zu betätigen. Unterstützt “Pro Astro” - die freie Wahl zwischen Astrologie und Mathematik. Für die Freiheit! Pro Astro!
Jens
27 Apr 2009