/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Gekaufte Think Tanks oder: Es lebe billig!

Der unendlichen Geschichte rechtlicher und intellektueller Auseinandersetzungen um Unix, Linux, angeblich geklauten Code und verletzten Copyright- und Patentansprüchen wird scheinbar ein neues Kapitel hinzugefügt - scheinbar. Verschwörungstheoretiker spekulieren seit langem darüber, wer die wirklichen Geldgeber hinter SCOs Kreuzzug gegen freie Software und Linux im Besonderen sind. Das dürfte sich mit dem Auftauchen des ultrakonservativen Thinktanks der Alexis de Tocqueville Institution (AdTI) innerhalb dieser, mittlerweile allenfalls noch als schlechte Realsatire verortbaren Diskussion, nicht signifikant geändert haben. Im Gegenteil. Kenneth Brown, Präsident der AdTI, zweifelt in einer Studie, “die den Ruf von Linus Torvalds als Schöpfer von Linux einer gründlichen Prüfung unterziehe”, dessen Urheberschaft am freien Betriebssystem an. Offensichtlich sollte Andrew S. Tanenbaum, Author von MINIX und anfänglich scharfer Kritiker von Linus’ ersten Schritten, als vermeintlicher Gegner von Torvalds für die Ziele der AdTI, die unter anderem aus Microsoft-Geldern finanziert wird und moralisch integre Menschen wie den noch amtierenden US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Berater auflistet, instrumentalisiert werden. Doch dieser Schuß ging gehörig nach hinten los...

In verschiedenen Statements (Some Notes on the “Who wrote Linux” Kerfuffle, Ken Brown’s Motivation) beschreibt Andrew S. Tanenbaum das seltsame, undurchsichtige Verhalten Kenneth Browns während eines Interviews, vordergründig als Recherche zu einem Buch der AdTI zur UNIX-Historie geführt. Schon die Antworten auf Tanenbaums anfängliche Nachfragen zur AdTI lesen sich bestenfalls unterhaltsam:

AST: “What’s the Alexis de Tocqueville Institution?”
KB: We do public policy work
AST: A think tank, like the Rand Corporation?
KB: Sort of
AST: What does it do?
KB: Issue reports and books
AST: Who funds it?
KB: We have multiple funding sources
AST: Is SCO one of them? Is this about the SCO lawsuit?
KB: We have multiple funding sources
AST: Is Microsoft one of them?
KB: We have multiple funding sources

Tanenbaum wurde nach kurzer Diskussion schnell klar, dass Kenneth Brown nicht mit allzuviel Wissen um sein angebliches Sujet, die UNIX-Historie, befleckt war:

My conclusion is that Ken Brown doesn’t have a clue what he is talking about. I also have grave questions about his methodology. After he talked to me, he prowled the university halls buttonholing random students and asking them questions. Not exactly primary sources.

Tanenbaum zweifelt auch nicht die Urheberschaft Torvalds am Linuxkernel an (“I said that to the best of my knowledge, Linus wrote the whole kernel himself”) und rückt viele, von den unterschiedlichsten Quellen aus den unterschiedlichsten Beweggründen verquerte Dinge wieder in den korrekten, historischen Kontext. Dort, wo die AdTI einen verbitterten, alten Professor mit späten Rachegelüsten am erfolgreichen Rivalen vermutete fand sie in Tanenbaum offensichtlich einen ruhigen, abgeklärten und dem Anspruch der AdTI intellektuell weit überlegenen Mann vor.

In einer Mail an Tanenbaum merkt Torvalds im Übrigen an, das Kenneth Brown ihn kein einziges Mal zum Thema interviewed habe und ihm auch keine diesbezüglichen Anfragen oder Angebote unterbreitet hat:

In his email, Linus said that Brown never contacted him. No email, no phone call, no personal interview. Nothing. Considering the fact that Brown was writing an explosive book in which he accused Linus of not being the author of Linux, you would think a serious author would at least confront the subject with the accusation and give him a chance to respond. What kind of a reporter talks to people on the periphery of the subject but fails to talk to the main player?

In Anbetracht der Schwere der Vorwürfe der AdTI gegen Torvalds zeugt das nicht nur von schlechtem Stil, sondern ist mit ein eindeutiges Zeichen dafür, das es bei all dem nicht um die methodische Untersuchung von Faktenlagen, sondern schlicht um zielgerichtete Propaganda geht.

Betrachtet man die stümperische Vorgehensweise der AdTI und vor allem Kenneth Browns bleibt mit Blick auf die Hintermänner der AdTI eigentlich nur eine spannende Frage: Auf wessen Geheiß?

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