Apple's Thoughts on Music
Auch Steve Jobs möchte nicht mehr böse sein. Nachdem die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Digital Restriction Managements mittlerweile auch branchenintern immer häufiger öffentlich ausgesprochen werden, scheint der Marktführer unter den kostenpflichtigen Musikdownload-Anbietern reagieren zu müssen, wohl auch und gerade unter dem Eindruck des verstärkten Engagements europäischer Verbraucherverbände:
Erleben wir hier die Wandlung vom Saulus zum Paulus? Bisher jedenfalls setzte Apple auch in Gerichtsprozessen mit Nachdruck alles daran, die eigene Plattform geschlossen zu halten - ein klassisches Beispiel künstlich erzeugter Marktabschottung. Das Errichten solcher Barrieren indes ist ein eher übliches Vorgehen gewinnorientierter Unternehmen, um die Früchte der eigenen Arbeit nicht mit anderen Wettbewerbern teilen zu müssen - sicherlich aber keines, das zum Vorteil der Kunden gereicht. Wie sehr auch Apple in erster Linie auf die Wahrung der eigenen Pfründe bedacht ist, verdeutlicht die ungewohnt martialische Reaktion auf die Ankündigung eines weiteren Unternehmens, das eigene Restriction Management auch auf dem iPod umzusetzen - man scheut selbst vor einer Instrumentalisierung des Digital Millennium Copyright Acts nicht zurück:
Geschickt reicht Steve Jobs jetzt also opportun den Schwarzen Peter an die Musikindustrie weiter: Alleine ihrem Zwang sei der Einsatz des Digital Restriction Managements auf Apples Downloadplattformen zu verdanken, eine komplette (und damit für alle Konkurrenten ebenfalls verbindliche) Abschaffung dieses Systems werde man begeistert aufnehmen. Ein mit Blick auf die vermutete Halbwertszeit des Restriction Managements strategisch geschickt vorgenommener Schachzug, der einen bisherigen Nutznießer des Systems einmal mehr als visionären Vordenker in das Licht der Öffentlichkeit rückt. Auch so funktioniert Marketing. Andere meinen es ernst.
Abseits aller wahren Motivation hinter Steve Jobs’ neuem Pamphlet: Eine breitere Öffentlichkeit für eine ehrlich geführte Diskussion über die Unverschämtheiten des Digital Restriction Managements ist zu begrüßen, ganz gleich, ob diese nun von Apple, Microsoft oder ähnlich glaubwürdigen Vertretern der Branche initiiert wird. Alleine die Meinungsführerschaft sollte nicht aktionärsgetriebenen Konzernvorstehern oder gar der Musikindustrie selbst überlassen werden.
Via c0t0d0s0.
Updates: Einige kritische Anmerkungen zum neuen Selbstverständnis von Apple in Sachen DRM veröffentlicht DeCSS- und FairPlay-Hacker Jon Lech Johansen hier, hier und hier. Natürlich gibt’s was auf Heise, und noch mehr innerhalb der Blogosphäre:
Steve Jobs mag eigentlich gar kein DRM
Will Steve Jobs drop iTunes DRM in a heartbeat?
It’s a dirty Jobs but someone’s got to do it
Reading Between the Lines of Steve Jobs’s “Thoughts on Music”
Auch Edward Felten und Lawrence Lessig äußern sich. Eine ganz anderen Gesichtspunkt bringt #!/bin/blog/ in die Diskussion ein: “Kopierschutz - Welches Übel hätten’s denn gern?”



