Ein erster, schneller Blick drängt unabwendbar die Frage auf: Wer sind die Macher der sozialen Netzwerke hinter
Facebook und
studiVZ, und viel mehr: Wie hängen sie zusammen? Nun, hinter ersterem steckt vor allem der ehemalige Harvard-Student
Mark Zuckerberg, der bereits im Februar 2004 sein Projekt der Öffentlichkeit zugänglich machte. Mittlerweile befindet sich der erst 22jährige Zuckerberg angeblich in milliardenschweren Verkaufsgesprächen mit Branchenriesen wie Microsoft oder Yahoo - wieviel da dran ist, vermag die Zukunft zu sagen.
Seinen Schlaf jedoch lässt sich der jugendliche Entrepreneur davon in keinem Fall rauben.
Hinter dem beeindruckend rasant wachsenden studiVZ hingegen stehen die Studenten Ehssan Dariani (VWL, 25 Jahre), Dennis Bemmann (Informatik, 27 Jahre) und - später hinzugekommen - Michael Brehm (BWL, 26 Jahre). Seit dem Launch der Seite im November 2005 gruschelt sich das Projekt von Höhepunkt zu Höhepunkt - mit nun bereits über 600.000 Mitgliedern ist dort angeblich beinahe jeder vierte deutschsprachige Student vertreten. Unterstützt wird das Berliner Startup übrigens von Oliver Samwer, der vielen noch durch seine Unternehmensgründung Jamba! in zwiespältiger Erinnerung geblieben sein dürfte.
Während Unister wegen mangelnder Kommunikationskompetenz nicht ganz zu Unrecht eine Weile durch’s virtuelle Dorf getrieben wurde, genießt das Studiverzeichnis einen relativ guten Ruf, ungeachtet vieler Plagiatsvorwürfe: Facebook war offenbar nicht nur Vorbild, sondern das Original der - von manchen als zu billig erachteten - Kopie. Auch die Online-Enzyklopädie “Wikipedia” thematisiert diesen Eindruck:
Sowohl Funktionsumfang als auch graphische Gestaltung erinnern stark an das amerikanische Facebook. Zwar orientieren sich beide an dem Standardlehrbuch “The CSS Anthology: 101 Essential Tips, Tricks & Hacks” von Rachel Andrew, jedoch darf bezweifelt werden, daß die exakte Übereinstimmung von vielen Menüpunkten und Funktionen mit Facebook darauf zurückzuführen ist.
Wer vergleicht, der zweifelt nicht. Das Plagiat ist, selbst mit viel Wohlwollen, ein dreistes. Michael Bumann zeigt so in seinem Beitrag die schnelle Metamorphose des studiVZ zum Facebook mittels weniger Zeilen Javascript auf und spekuliert nicht ganz ohne Grund, dass das auf den deutschen Seiten eingebundene “myfb.css” seinen Ursprung in “myFaceBook” findet. Das Basic Thinking Weblog erspäht folgerichtig Klonschafe auf der Flur des “Web 2.0” und fragt sich, warum es nicht gelingt, “originär eigenständige Anwendungen hier bei uns herauszubringen”.
studiVZ funktioniert, macht Spass und ächzt doch manches Mal unter der Last seines schnellen Aufstiegs. Ein allzu offensichtliches Übernehmen von Idee und Design jedoch hinterläßt einen schalen Beigeschmack - hier wird keine eigene Vision verwirklicht, sondern auf dem Trittbrett mitgefahren. Das Basic Thinking Blog meint:
Nun könnte man sagen, dass ist ökonomisch wunderbar. Wer keine Impulse setzt, wer keine neuartigen Anwendungen herausbringt, geht geringe Risiken ein. Und kann dennoch oW erfolgreich sein. OpenBC war Ryze.com, Sevenload ist/war Mini-Flickr/YouTube, Yigg ist Digg, StudiVZ ist Facebook, wer wird MySpace und wer wird Flickr?