/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Musical Fair Trade

Magnatune - “We are not evil”

Amarok, Audioplayer meines uneingeschränkten Vertrauens, brachte mir mit Release-Version 1.4.4 erstmalig Magnatune näher, einen Online-Musicstore ohne DRM, dafür aber mit seltsam vertraut klingender “We are not evil”-Attitüde. Den Preis für die tönenden Konserven bestimmen hier die Kunden selbst, einzig die untere Grenze ist mit $5 ebenso festgelegt wie ein Maximum von $18 - wer sich nach einem ausführlichen Probehören zum Erwerb entschließt, spült 50% des Verkaufspreises eines Albums direkt in die Taschen der Künstler (und darf den Downloadlink an bis zu drei weitere Personen versenden). Der gemeine Podcaster zahlt nichts. Darüber hinaus wird in allerlei Formatvariationen serviert: Vom unkomprimierten WAV über’s verlustfrei zusammengestauchte FLAC bis hin zu OGGs und MP3s in verschiedenen Qualitätsabstufungen, selbst AAC-kodiertes für Apples iTunes. A dream comes true?

Der Lobhudelei folgen die Wermutstropfen: Neben all den großen Plänen und laut verkündeten Prinzipien wirkt das Repertoire des 2003 von John Buckman gegründeten Unternehmens derzeit noch reichlich bescheiden, was sicherlich auch ein Ergebnis der handverlesenen Auswahl an Künstlern ist. Ich bin gespannt, was sich hier in den nächsten Monaten entwickeln wird.

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Who's that face in my song?

Richard D. James
In grauer Vorzeit ergötzten sich hartgesottene Satansjünger am Blut frisch geopferter Jungfrauen, weniger deviant veranlagte Naturen erfreuten ihre dunklen Seelen an doppel- und manchesmal gar eindeutigen Symboliken in Literatur und Malerei. Neben den Texten von Led Zeppelin und Black Sabbath brachte das Abspielen von Schallplatten und Tonbändern in umgekehrter Richtung manch finstere Gestalt zum jauchzen, schallten doch vermeintlich satanische Verse durch die von Rauchschwaden umgebenen Schallwandler aus einer anderen Welt herüber.

Blutwurst!

Eine für mich neue Entdeckung war die Existenz ähnlicher Spielarten in der digitalen Klangwelt unseres Jahrtausends. So bettet zum Beispiel der kongeniale Richard D. James - AKA Aphex Twin AKA Polygon Window AKA Power Pill AKA Blue Calx AKA AFX und so weiter - seine nicht minder dämonische Hackfresse auf gewitzte Art und Weise unvergänglich in das eigene Werk: Eine Visualisierung des Klangspektrums des zweiten Tracks der Windowlicker EP lässt so die Höllenhunde auferstehen.

Wirklich aktuell ist diese Information mitnichten. Neben dem Wikipedia-Artikel über Aphex Twin befaßt sich vor allem bastwood.com mit dem beschriebenen Phänomen, um zusätzliche Hintergründe und weitere Vorkommnisse von in Klang eingesperrten Bildern zu liefern. Auch Wired hatte die Story schon 2002.

Es ist dennoch spassig, dieses Bild eigenhändig dem besagten Track zu entlocken. Wer’s selbst probieren will: Das von mir eingesetzte Programm nennt sich Sonic Visualiser und rennt (mindestens) unter Linux, Windows und OS X - der Quellcode ist unter der GPL frei verfügbar.

Via Dennis.

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Peinlich? Peinlich!

Keine Ahnung, was Jörn am Sozialnetzwerken so schrecklich peinlich fand, aber schlimmer als der Fauxpas meiner heute neu zusammengestellten wöchentlichen Hitliste wird’s kaum gewesen sein - oder doch?
One night in, erm, with Paris.

Trotz aller Ungereimtheiten der Audioscrobbler-Statistiken: Das balanciert sich wieder aus. Gebt mir eine Chance.

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Raubkopieren für Nostalgiker

Die Zeit zeigt, wie’s geht: Raubkopien aus dem Netz sind out, audiophile Nostalgiker mit handwerklichem Geschick üben sich statt dessen im mehr oder weniger einfachen Nachgießen von Schallplatten. Das Ganze dauert dann auch nur knappe zwei Tage und kostet in etwa so viel wie drei oder vier digitale Silberlinge. Zur Wahrung der eigenen Reputation müsste der Raub hier wohl ein tatsächlicher sein, so keep your records save!

Via Schühchen.

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Free your Music!

Edward Felten berichtet in seinem Blog Freedom to Tinker von Äpfel und Birnen und einem auf mp3.com veröffentlichten Artikel, der dem verringerten Nutzwert DRM-“geschützten” Tonmaterials für den Endverbraucher eine weitere Note hinzufügt:
“Last week mp3.com reported on its testing of portable music players, which showed that playing DRM (copy-protected) songs drained battery power 25% faster in Windows Media players, and 8% faster on iPods, than playing the same songs using the unprotected MP3 format.”

Zurück zum Obst, denn der Vergleich war so keiner, zumindest kein fairer: Die begutachteten Musikstücke nämlich differierten im Grad der jeweils verwendeten Kompression und somit natürlich auch in ihrer Größe, die aufgrund häufigerer Plattenzugriffe negativ auf den Energieverbrauch der mobilen Kleinstplayer einwirkt - verlustfreie Formate dürften hier also regelmäßig das Nachsehen haben. Über den zusätzlichen Leistungshunger DRM-verseuchter Klangexkremente läßt sich trefflich spekulieren, vollkommen frei von jeden Kosten wird es jedoch weder zusätzliche Verschlüsselungsbarrieren noch eine regelmäßige Lizenzvalidierung geben.

Der Punkt, auf den Edwad Felten hinarbeitet, ist allgemeinerer Natur: Zweifelsohne haben verschiedene Dateiformate individuelle Vor- und Nachteile, die den benötigten Plattenplatz, die Klangqualität und letzlich sicherlich auch die Abspieldauer je Akkuladung beeinflussen. Jeder einzelne Nutzer wird hier seine eigenen Prioritäten haben, und manchesmal mögen diese Prioritäten von Woche zu Woche oder Album zu Album unterschiedlich sein, wichtig alleine ist die Freiheit, wählen zu können:

This is where DRM hurts you. In the absence of DRM, you’re free to store and use your music in the format, and the level of compression, that suits your needs best. DRM takes away that option, giving you only one choice, or at most a few choices."

Meine Präferenzen liegen bei gutem Klang und unabhängigen Formaten, kurzum: bei FLAC, dem “Free Lossless Audio Codec”, der leider nur von einer sehr überschaubaren Anzahl an portablen Playern unterstützt wird. Mir bekannt ist in diesem Kontext bisher nur der budgetsprengende Cowon iAudio X5L, der auf dem Papier derbst felst, angeblich aber gerade mit den von mir bevorzugten FLACs Probleme hat. Für Alternativen und Erfahrungsberichte bin ich daher jederzeit offen.

Derweil schreitet die Liberalisierung der Musikliebhaber weiter voran: Die Bastler des “AVR Butterfly MP3”-Projektes wollen der Knechtschaft marktregulierender Konzerne mit einem in Sachen Hard- und Software offenen Abspielgerät trotzen, das zudem einfach zu konstruieren und möglichst billig daherkommen soll. Design und Komfort allerdings können noch nicht ganz mit den Hochglanzprodukten aus fernöstlicher Massenproduktion mithalten, die Bestückung des Geräts legt den Fokus darüber hinaus auf das bekannte MP3-Format - ein interessantes Projekt, das meinen Ansprüchen so aber nicht genügt.

Vielleicht also doch lieber ein Player von der Stange? Was schon mit Blick auf die unglaubliche Präzision der mir eigenen Feinmotorik in Kombination mit glühend heißen Lötkolben mehr als ratsam erscheint, wird unter dem Eindruck der quelloffenen Rockbox-Firmware erst richtig interessant: Die Damen und Herren hinter diesem Open Source Projekt schliesslich bieten einen freien Firmware-Ersatz für diverse Player an, darunter Modelle von Archo, iRiver und Apple. Ein Projekt “für Diejenigen, die sich schon immer darüber geärgert haben, dass ihr iPod nur eine erbärmlich geringe Anzahl verschiedener Audioformate abspielen kann”, so Dennis im we*blog. Aus proprietärem Stuhl wird manchesmal eben doch Gold. I have an eye on you.

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Copy Controlled

Gestern also kam die zweite meiner gebraucht gekauften und über Amazon bestellten CDs an, Radioheads “Hail To The Thief”. Damit bin ich nun wieder aller offiziellen Studioalben der Oxforder Jungs habhaft, pflichtgemäß. Erste Amsthandlung: Das Digitalisieren des tönenden Materials, um zum einen die Musik bequem und regelmässig dort hören zu können, wo mit die meiste Zeit des Tages verbacht wird, zum anderen, um ein Backup für verlorene oder final verliehene Silberlinge zu haben.

Da ich nach jedem Auspacken neuer oder gebraucht gekaufter Digitalscheiben als erstes die Oberfläche nach Kratzern oder ähnlichem absuche, konnten diese kaum der Grund für die Arbeitsverweigerung meines Pioneer-DVD-ROMs sein, über das zwar die Anzahl der Tracks, ansonsten aber nur unsinnige Längenangaben und keinerlei Inhalte digital auszulesen waren. Mir schwante böses, und schnell wurde die dunkle Vorahnung bestätigt: Auf der Rückseite des neu erworbenen Tonträgers prangte das Symbol für bandenmässig organisierten Betrug am Kunden:

Copy Controlled

“Abspielbar auf CD/DVD-V/DVD-A/SACD-Player, PC MS Windows 95, Pentium 2, 233MHz, 64MB RAM +, Mac OS 8.6-9+, CarbonLib & Mac OS X” - “Sonstige” nicht. Ich hatte “Sonstige” und einen Hals wie ein Baumstamm. Die Lächerlichkeit solcher Kundengängelungsmassnahmen gibt sich allerdings erst dann vollends preis, wenn in einem zweiten Laufwerk das “Copy Controlled” Label nur noch zu einer ärgerlichen Farce verkommt. Mein alter Plextor-Brenner mag zwar nicht mehr verlässlich brennen, scheint aber recht immun gegen diese Form der Kundenverarsche zu sein. “Hail To The Thief” liegt nun im FLAC-Format dort, wo es mir als Kuden am komfortabelsten erscheint. Dass dazu zunehmend Klimmzüge erforderlich sind, sagt einmal mehr viel über eine Industrie aus, der man in der jetzigen Form nur noch den Untergang wünschen mag.

So far: FUCK EMI!. Das “Copy Controlled” Logo habe ich frech von Bronskis Seiten entnommen, der auch seine Erfahrungen mit diesem grossartigen “Kopierschutz” machen durfte.

Now Playing: Radiohead - 2 + 2 = 5

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Verliehen und verloren

Obwohl ich schon seit einiger Zeit konsequent keinerlei Tonträger mehr verleihe - was unter einem gewissen sozialen Aspekt nicht immer ganz so einfach ist - nimmt der Bestand meiner virtuellen Sammlung an verschollenem Klangmaterial stetig zu. Aus dieser Perspektive mag ich dankbar sein, dass nie jemand gewagt hatte, nach meinem geheiligten Vinyl zu fragen, vom frühen Verlust der “Keeper Of The Seven Keys”-Doppelalben grosszügig abgesehen. Jeder hat sein Stück Vergangenheitsbewältigung zu leisten.

Manche nachträgliche (Nicht)Entdeckung aber schmerzt besonders. Dort, wo ich Radioheads “OK Computer” vermutete, klaffte vor wenigen Tagen nur eine grosse, gähnende Leere, die ich auch nach dem penibelsten Durchforsten der eigenen CD-Sammlung und einer Hausdurchsuchung, welche den Schergen der GVU und IFPI (kontextfreie Seitenhiebe müssen manchmal sein) zu Ehren gereicht hätte, nicht wieder schliessen konnte. Auf die (eventuell) überraschende Wiedersehensfreude bei einem Um- oder Auszug in unbestimmter Zukunft wollte ich nicht warten, und so erwarb ich dieses epochale Stück Musik gebraucht auf Amazon.

Sieben gut investierte Euros und zwei Tage später sitze ich nun wieder etwas besänftigter unter meinen AKGs und lausche übergrossem Kino. Das verlustfreie Backup für den Fall der Fälle ist gemacht. Paranoid Android, Karma Police, Climbing Up The Walls, No Surprises. Danke dafür. Die gesammelten Werke der Oxforder laufen hier nun erstmal auf Heavy Rotation. Immernoch die beste Band der Welt. I’m a creep, I’m a weirdo. Unvergessen das jugendliche Selbstmitleid zu grossen Gefühlen und grossen Songs.

In diesem Sinne: Wer noch Platten oder Silberlinge von mir in seiner Sammlung stehen hat, der möge diese wieder herausgeben. Eine Generalamnestie sei hiermit reuigen Sündern grosszügig versprochen.

Now playing: Radiohead - Anyone Can Play Guitar

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Fünfstellig

Laut Audioscrobbler habe ich also seit dem 22. Dezember vergangenen Jahres über 10.000 Tracks gelauscht. Eigentlich wollte ich die “runde” Zahl festhalten, doch der Server der musikalischen Datensammler hatte einmal mehr einen leichten Schluckauf, so dass ich erst bei Song 10009 zum Blitzlichten kam:

Was letzte Woche auf meinem virtuellen Plattenteller einer schweren Rotation unterworfen war, verdeutlicht die “Weekly Artist Chart”, eine von mehreren Statistiken, die Audioscrobbler dem fanatischen Musikkonsumenten anheim stellt:

Der ungeschlagene König in Sachen Audiosrobbler-Support (und anerkannter Überplayer für MP3, Ogg, FLAC & Co) sei in diesem Kontext einmal mehr unverhohlen beworben: amaroK. Rediscover your music!

Und nun auf zur Sechsstelligkeit! ;-)

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Anmassung

Der Verein nutzniessender Erben, die GEMA, fordert 42 Zugangsprovider zur Sperrung missliebiger Websites auf. Betroffen sind in diesem Fall “Portale, die Links zum Herunterladen von Film- und Musikdateien über das P2P-Tauschbörsenprotokoll eDonkey bereitstellen”, so heise online.

Die Argumentation der GEMA ist dabei denkbar einfach: Über Seiten wie Eselfilme oder die Saugstube würden Millionen nicht lizensierter Dateien kopiert und damit gegen das Urheberrecht verstossen. Die Anbieter der eDonkey-Links sind in den Augen der GEMA “mittelbar an der durch den jeweiligen Endnutzer vorgenommenen Urheberrechtsverletzung beteiligt, indem sie diesem den Zugang zu der rechtsverletzenden Datei im Filesharing-System ermöglichen bzw. erleichtern und damit für den Download ursächlich werden”. Auch wenn der letzte Teil dieser Ausführungen rechtlich diskussionswürdig erscheinen mag, so kann man inhaltlich bis zu diesem Punkt zumindest bei einem Blick auf die erwähnten Portalseiten zustimmen. Doch darum geht es nicht.

Weil die Betreiber dieser “illegalen Download-Portale” in der Regel nach den Ausführungen der GEMA nur äußerst schwer oder garnicht ermittelbar und die Server selbst über die ganze Welt verstreut seien, wäre eine vorsorgliche und vorgreifende Zugriffssperre z.B. durch die Manipulation von DNS-Einträgen seitens der Provider in den Augen der GEMA zumutbar: “Der DNS-Server des jeweiligen Zugangsproviders kann so konfiguriert werden, dass Anfragen von Endnutzern nicht an den richtigen Server, sondern an eine ungültige oder eine andere vordefinierte Seite weitergeleitet werden.” Bemüht werden in diesem Zusammenhang der Paragraph 97 des Urheberechtsgesetzes sowie die EU-Richtlinie 2001/29/EG, die unter anderem besagt, dass “die Rechteinhaber gerichtliche Anordungen gegen Vermittler beantragen können, deren Dienste von einem Dritten zur Verletzung eines Urheberrechts oder verwandter Schutzrechte genutzt werden”.

Zur Wahrung der eigenen Forderungen haben die Provider nach dem Willen der GEMA nun Unterlassungserklärungen abzugeben, in denen sie sich bis zum 25. Juli zur Sperrung der von der GEMA genannten Seiten verpflichten - bei Zuwiderhandlung droht ab diesem Zeitpunkt dann eine Strafe von 100.000 Euro. Wer nicht fristgerecht unterschreibt, wird verklagt. It’s as easy as that.

Wenig verwunderlich lässt sich bisher keiner der angeschriebenen Zugangsanbieter auf dieses Schreiben ein, dessen Eingang zwar in der Regel bestätigt, aber selten kommentiert wird. Dass hier nicht im vorauseilenden Gehorsam nach der Pfeife der angeblichen Kulturbewahrer getanzt wird, überrascht kaum. Die willkürliche Sperrung von unliebsamen Webinhalten ohne vorherige, gerichtliche Klärung wäre schlicht ein Unding, das dem Missbrauch von vielen Seiten Tür und Tor öffnen würde. Rochus Wegener, Aufsichtsrat von Strato, kommentiert wie folgt: “Sofern wir von einer zuständigen gerichtlichen Instanz dazu aufgefordert werden, würden wir dieser Aufforderung zur Sperrung nachkommen. Die GEMA ist aber keine solche Instanz.”

Den Anmassungen der GEMA würde in logischer Konsequenz letzlich ein kaputtmanipuliertes Netz folgen, in dem DNS-Einträge nach Belieben umgebogen und IP-Adressen fallweise erreichbar sind - oder eben nicht. Wer wollte bei einer solchen Praxis noch nachvollziehen können, wer wann was und warum gesperrt hat? Wer für eventuelle Schadensersatzansprüche haften? Auch wenn sich Recht mitunter nur mühsam erstreiten lässt, so kann dieser Aufwand nicht den Wegfall individueller Klärungen der einzelnen Sachlagen rechtfertigen, die von niemand anderem als einer staatlich legitimierten und unabhängigen Instanz, nämlich den Gerichten selbst, vorgenommen werden dürfen.

Das Begehren der GEMA mag bei einem Blick auf die Angebotspalette der diversen Downloadportale verständlich sein, die ständige Anpassung geltenden Rechts zum Vorteil und Komfort einflussreicher Lobbygruppen muss aber ihre Grenzen finden - sie ist jetzt schon in vielen Fällen kaum noch verhältnismässig.

Nachtrag 20050702:

Lesenswert dazu: GEMA erlässt “Sperrverfügungen” (medienrauschen)

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Wider die Vielfalt

Deanimiertes und damit nicht blinkendes Banner von Kai geklaut.

Die deutsche Radiolandschaft ist in großen Teilen ein nicht enden wollendes Trauerspiel, vor allem und gerade dann, wenn es um Populärmusik jenseits des dauerrotierenden MTV- und VIVA-Einerleis geht. Hier und da existieren kleine, lokal begrenzt empfangbare Radiostationen, die noch kein Sendeverbot für DJs und Moderatoren mit eigenem Geschmack und Liebe zur Musik eingeführt haben. Die weitaus meisten Frequenzen jedoch werden den verlängerten Werbeapparaten der Musikindustrie zugeteilt, Radiosendern also, deren Airplay aus dem markttechnisch optimierten Abspielen computergenerierter Musikzusammenstellungen besteht. Zwischen Usher und Aguilera blödeln flachpfeifigste Alleinunterhalter auf niedrigstem Niveau und versuchen, den gesichtslosen Sendern durch sinnentleerte Kampagnen und Mitmachaktionen ein eigenes Profil zu verpassen.

Bestes Beispiel: “Big FM”, der Sender mit den lausigsten Moderatoren, den gehirnamputiertesten Gewinnspielen und dem üblichen Fastfood zwischen Rap’n’Bullshit, R’n’B. “Die Musikgeschmacksrevolution” will ausgerufen sein, revolutionäres oder gewagtes indes gibt’s natürlich nicht zu hören, aber egal, “die GEZ muss weg!”. Wer braucht noch Arte, 3sat oder Phoenix, wenn uns “Big FM” jeden Tag “Knallwach” wieder einmal zwei Schlafmützen vorführt, die telefonisch weltbewegende Fragestellungen beantworten - ist der Gesprächspartner nun “hetero oder gay”? Die öffentlich-rechtlichen stimmen fröhlich mit ein in die Kakophonie der privaten Konkurrenz und nehmen sich damit die eigene, gebührenfinanzierte Legitimation. “Das Ding” ist ein eben solcher, Öffentlich-Rechtlicher und inhaltlich vollkommen deckungsgleich maskiert, nur ohne Werbung, womit geworben wird. So habe ich mir das grundfinanzierte Modell eigentlich nicht vorgestellt.

Dankbar dagegen nehmen Musikliebhaber das Angebot vieler kleiner, meist nicht-kommerzieller Radiostationen im Netz an, oft von Hörern für Hörer gemacht. Hier wird Musik gespielt, geliebt, darüber diskutiert, neues entdeckt und nicht selten danach sogar käuflich erworben. Im Gegensatz zur einer heuchelnden Industrie, die den Künstler und das Mark der Kulturschaffenden vor sich herträgt, um Raubkopierern neue sexuelle Erfahrungen in den Justizvollzugsanstalten unserers Landes angedeihen zu lassen, liegt das Hauptaugenmerk der unabhängigen Netzstationen nicht unbedingt darauf, Hits zu “machen” und Umsätze zu steigern. Die Gehirnwäsche der sich scheinbar endlos wiederholenden Geschmacksbeleidigungen läßt das Interesse des kulturell im Äther Verhungernden an Hörbarem jenseits der gleichgeschalteten Konzerndiktate stetig wachsen und treibt den Privatmann dazu, einen nicht unbedeutenden Teil seiner Freizeit dem selbstgeschaffenen Radioprogramm zu opfern.

Damit könnte bald Schluß sein. Die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), ein Arm der Internationalen Vereinigung der Phonographischen Industrie (IFPI), ändert zum April diesen Jahres die Tarife und Nutzungsbedingungen für die kleinen Bastionen des guten Geschmacks, die übrigens entgegen eines offensichtlich weit verbreiteten Irrglaubens schon heute Gebühren an die GVL und die Interessensvereinigung nutzniessender Erben, der GEMA, abführen. Kurz und knapp: Es wird teurer, sehr viel teurer. Der Privatmann wird sich zweimal überlegen müssen, ob sein Sendungsbewußtsein den gestiegenen Kosten standhält, und oft genug wird diese Rechnung nicht mehr aufgehen. Hinzu kommen Vorschriften, die direkt in die Musikauswahl der Sender eingreifen und vorgeben, wie oft und in welcher Reihenfolge Stücke eines Albums gespielt werden dürfen. Der Sitz der Daumenschrauben wird durch den nun quartalsmässig geforderten Programmbericht kontrolliert, der detailliert das tönende Geschehen wiederzugeben hat. So macht Kultur Spass.

Das Radiosterben wird also auch in Deutschland weitergehen, und mit jedem Radio wird ein Stück gelebter und geliebter Kultur untergehen - oder ins Ausland abwandern. Welchen Weg Björn und Dennis von lauschmusik.de einschlagen werden ist indes noch offen, vielleicht geht’s nach Kanada, “denn in Kanada, da ist die Welt noch in Ordnung”.

Relevante Links:

Neue Gebührenordnung für Internetradios
Neue Gebührenordnung - Aus für Webradios?
Schluss mit Lustig: Den Webradios geht es an den Kragen
Tod und Knebel für freie Internetradios

Protest:

gvl-protest.de

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