FrOSCon 2008
Mein zweites Mal St. Augustin für ein erstes Mal FrOSCon. Ganz in der Nähe unserer geschätzten Kollegen fand die zweitägige Konferenz zum Themenkomplex “Free Software and Open Source” an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg statt, es war nach den Jahren 2006 und 2007 die dritte Veranstaltung ihrer Art. Das fast schon symbolische und darüber hinaus drei Flaschen Club-Mate inkludierende Eintrittsgeld bot den Besuchern eine hervorragend organisierte Veranstaltung in einem angenehm überschaubaren Rahmen. Während die Aula der Fachhochschule die Stände diverser Projekte und Fachverlage beherbergte, fanden in den fünf genutzten Vorlesungsräumen meist parallel Vorträge für Entwickler, Administratoren und Nutzer freier Software statt, sowohl in Inhalt und Anspruch unterschiedlich zielgruppend.
Absolutes Highlight waren ohne jeden Zweifel die hochkarätigen Keynotes von Andrew S. Tanenbaum und Rasmus Lerdorf. Der durch seinen Disput mit Linus Torvalds legendär gewordene MINIX-Entwickler erwies sich als begnadeter, hochsympathischer Redner, dem es gelang, seine Konzepte und Ideen hinter dem prinzipientreu verfochtenen Microkernel-Konzept allgemein verständlich darzulegen. Auch der Mann hinter PHP wusste seinen Standpunkt zu vertreten und berichtete dem ungläubig kopfschüttelnden Zuhörer - nicht ganz ohne jedes Augenzwinkern - von den Bedrohungen unserer Umwelt in den Zeiten angeblich grüner IT. Vernichtende Benchmarks, anklagende Klassendiagramme und schockierende Syscall-Tabellen zeigten ein ums andere Mal das Gegenteil von skalierender Eleganz und somit ihre Wirkung: PHP frameworks kill your environment.
Doch auch die kleineren Perlen sollen nicht verschwiegen werden. Erkan Yanar weckte - eventuell ein wenig zu flapsig präsentiert - den administrativen Spieltrieb und lädt so zu Experimenten mit OpenVZ ein, während Sebastian Kügler KDE 4.1 und ein paar bescheidene Sneak Previews aus dem aktuellen SVN-Branch vorstellte. Praxisnahe Vorträge zu den Themen Proxytunnel von Dag Wieers und IPsec- und SSL-VPNs von Johannes Hubertz waren wie auch die Einführungen zu Nagios von Debian-Paket-Maintainer Alexander Wirt und dem Linux-HA-Clusterprojekt von Michael Schwartzkopff für den Berufsadmin quasi Pflichtprogramm. Offenbar waren eher Einsteiger in die jeweiligen Technologien und Tools als Zuhörer anvisiert, was mir neben manchem Denkanstoss oft leider nicht allzuviel neues offenbarte. Kollektive Seufzer und leidgeprüftes Kopfnicken lösten “Programmdokumentation leicht gemacht” von Carola Kummert und die unterhaltsame, mit “Systemadministration++” passend betitelte Präsentation (siehe auch adminzen.org) von Grml-Vater Michael Prokop aus. Auch hier waren es weniger die bahnbrechenden Neuigkeiten als vielmehr eine gruppendynamische Katharsis, welche durchaus zu neuen oder zumindest wieder ausgegrabenen Sichtweisen führen konnte. Etwas zuviel Inhalt wollte Fabrizio Manfredi in seinen Vortrag “How to design and build an inexpensive distributed file system” legen - nach einer Einführung in die Geschichte und Funktionsweise von OpenAFS blieb zu wenig Zeit für Hadoop, Ceph & Co. Den größten Funfaktor schliesslich brachten Geert-Dietger Hoffmann und Dag Wieers durch ihren Einsatz der Wiimote als Präsentationswerkzeug (Slides als PDF) mit, von wirklich praktisch über herrlich skurill bis hin zur vollkommen bespassten Sinnbefreiung.
Fazit: Die FrOSCon 2008 hat Spass gemacht. Neben den guten Talks beeindruckte das auf vielen gross gewachsenen Veranstaltungen verloren geglaubte Communityfeeling - oft versammelte sich ein nicht unerheblicher Teil der eigenen Blogroll zum gleichen Vortrag. Ein Wunsch zur Verbesserung des hohen Niveaus der FrOSCon bleibt das Kennzeichnen des inhaltlichen Anspruchs der Veranstaltungen - ob für Einsteiger, Intermediates oder illuminiert Initiierte. Sollte 2009 terminlich passen, bin ich auf jeden Fall gerne wieder mit dabei - ein dickes Lob an wahrhaft felsende Organisatoren und Helfer!


