/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Glaubenssache

Mitten in die Diskussion, ob und wie ein bundesweiter Islamunterricht zu verwirklichen wäre, platzt das Ergebnis einer Umfrage der Universität Koblenz-Landau: Jeder zweite Deutsche will Religion abschaffen. Nun denn, die Religion als solches wird sich schwerlich abschaffen lassen, aber fangen wir doch erst einmal mit dem Religionsunterricht an. Die offensichtlich herrschende Meinung: Um mehr Platz für die Kernkompetenzen Deutsch und Mathematik schaffen zu können, sollte der Religionsunterricht geopfert werden. Auch Philosophie, Kunst und Musik sind der Umfrage nach schöngeistige Wackelkandidaten, die in einer verwirtschaftlichten Welt immer weniger Stellenwert zu besitzen scheinen.

Mit einem ähnlichen Ergebnis möchte ich dennoch etwas anders argumentieren: Ein einseitiger Religionsunterricht, ob nun christlicher oder islamischer Prägung, hat an deutschen Schulen prinzipiell nichts zu suchen, genausowenig wie Kruzifixe, Kopftücher und andere Glaubensbekenntnisse. Religion ist Privatsache und sollte nicht ungewollt aufoktroyiert werden, schon garnicht von Staats wegen. Die Gemengelage der Kirchensteuer ist befremdlich verquirlt genug.

Als Alternative stünde dem aufgeklärten Land der Dichter und Denker ein verpflichtender Ethik- oder Philosophieunterricht sehr viel besser zu Gesicht, in dem neben einer neutralen Aufarbeitung der Weltreligionen auch große Geister zu Wort kommen sollten, die es zur Abwechslung mal unter Einsatz des eigenen Verstandes probierten. Integration schliesslich fängt mit dem Wissen um die eigene Herkunft an und ist mit dem unabdingbaren Verständnis anderer Kulturen, Religionen und Denkweisen noch lange nicht am Ziel - von reifen, weil humanistisch gebildeten Persönlichkeiten noch garnicht angefangen.

Braucht es womöglich andere Konzepte didaktischer Natur? Gar mehr Lehrstellen und Wochenstunden? Sicher ist nur eins: Kultur verliert sich schnell, und der hochgezüchtete Fachidiot alleine kann nich das Ziel einer staatlichen Bildungspolitik sein - dieses Ziel ginge am Schluss zu Lasten aller.

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Verschlossene Türen

Es ist ein Phänomen: Dozenten an Universitäten und Fachhochschulen scheinen zunehmend darauf bedacht zu sein, Ihre Vortrags- und Übungsfolien per Passwortabfrage vor wissbegierigen Blicken zu schützen. Eine zum größten Teil öffentlich finanzierte Lehre will die Allgemeinheit nicht am Ergebnis ihrer Arbeit teilhaben lassen, neu geschaffenes oder didaktisch mehr oder weniger gelungen aufbereitetes Wissen soll nur einem ausgewählten Kreis zugänglich sein. Kein Kollege und kein Student anderer Universitäten soll bei seiner Netzrecherche an den Früchten der eigenen Arbeit teilhaben dürfen.

Man mag sich die Frage nach der Motivation einer solchen Vorgehensweise stellen. Wohl kaum eine der so vor der Öffentlichkeit weggeschlossenen Folien wird wegweisende Erkenntnisse enthalten oder auf bisher unbekannten, revolutionären Kniffs didaktischer Natur basieren. Selbst wenn dem so wäre: Sollten nicht gerade und unbedingt dann solche Ergebnisse denen, die Wissen wollen, zugänglich gemacht werden? Bildung sollte jedem, den danach dürstet, verfügbar sein, sie sollte nicht zu einem elitären Luxusprivileg verkommen, auch wenn manche Strömungen meist konservativer Prägung das hin und wieder anders sehen mögen.

Alles Wissen dieser Welt baut aufeinander auf, eine Erkenntnis fußt auf der anderen, nichts und niemand hat sich in einem Reinraum wissenschaftlicher und kultureller Leere entwickelt. Das übertriebene Versteifen auf das viel diskutierte “geistige Eigentum” in allen Lebenslagen entzieht diesem Prinzip seinen zugrundeliegenden Nährboden. Zu Ende gedacht gereicht ein solches Verhalten einzelnen zu vermeintlichem Vorteil, aber einer jeden Gesellschaft zum dauerhaften Nachteil.

Was für kommerziell getriebene Interessen legitim erscheinen mag, sollten die Stätten gesellschaftlich getragener Bildung schon aus eigener Überzeugung entschieden verneinen.

“In meinen Augen ist es niemals ein Verbrechen, Wissen zu stehlen. Es ist ein guter Diebstahl... Der Pirat des Wissens ist ein guter Pirat. Wenn ich noch einmal jung wäre, dann würde ich ein Schiff bauen, das so hieße: Pirat des Wissens. Was in der Wissenschaft derzeit schlimm ist, ist dass die Firmen ihr Wissen kaufen und es deshalb geheim halten wollen. Und deshalb werden die Piraten morgen die sein, die im Recht sind. Man wird das Geheimnis piratieren.” [Michel Serres]

Soweit mein kurzer Rant in eigener Sache, konnte ich mich doch eben nicht an das Passwort der von einem unserer Übungsleiter bereitgestellten Folien erinnern. Nervtötend.

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