/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Video: Planet unter Beobachtung

Hiermit sei der gelungene Remix von Alexander Svensson zur Vorratsdatenspeicherung im Sinne von netzpolitik.org »weiterdistributiert«. Wem genannte Links noch unbekannt erscheinen: die eingehendere Lektüre ist lohnenswert.

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Google und der Masterplan

Master Plan about the power of Google.

Ende der 90er Jahre begann Google, sich als bessere Alternative bei den damals noch nicht so zahlreichen - doch sich sprunghaft mehrenden - Netzbürgern durchzusetzen. Der von Larry Page und Sergey Brin an der Stanford University entwickelte PageRank-Algorithmus war ein gewichtiger Grund für diese (in den irren Zeiten des Webs nicht ganz ohne Beispiel gebliebene) Erfolgsgeschichte, eine aufgeräumte und vor allem werbefreie Suchseite ein weiterer. Nicht zuletzt jedoch sorgte auch der moralische Anspruch als bewußt kommuniziertes Markenmerkmal für treue Anhänger - “Don’t be evil”.

Mittlerweile ist Google Marktführer, nicht mehr alternativ, sondern Mainstream an sich: Das Unternehmen lenkt mit einem Marktanteil von weit über 40% - der nächste Konkurrent Yahoo liegt bei unter 30% - täglich den größten Brocken der weltweiten Besucherströme durch das World Wide Web, es besitzt mit dem frühen Aufkauf von Deja News darüber hinaus eines der größten und wertvollsten Archive der Netzkultur überhaupt. Erst vor kurzem schluckte der Suchmaschinenbetreiber für 1.65 Milliarden US-Dollar das führende Internet-Videoportal YouTube. Etwas günstiger dürfte dagegen der Aufkauf der Unternehmen KeyHole und SketchUp gewesen sein, den meisten Nutzern bekannt und dargereicht in Form von Google Earth.

Das zugkräftige Image des guten Riesen jedoch hat Google bei vielen kritischen Nutzern eingebüßt - der Begriff der Datenkrake machte die Runde. Zu groß scheint der Hunger des Unternehmens, das immerhin 99% Prozent seines Umsatzes mit (meist kontextsensitiver) Werbung erwirtschaftet, nach personalisierten oder personalisierbaren Informationen. Zensur- und Kollaborationsvorwürfe, oft mit Bezug auf die Zusammenarbeit mit den chinesischen Machthabern, trafen den ideellen Kern des Unternehmens. Regionale Gesetzgebungen erfordern immer häufiger einen Tribut, den Google bisher mit Blick auf Marktanteile immer wieder zu zahlen bereit war. Kann sich ein börsenorientiertes Unternehmen ein “don’t be evil” auf Dauer womöglich garnicht leisten?

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Die schöne neue Welt der Überwachung

Paul hat nichts zu verbergen und auch kein Verbrechen begangen, deswegen stört es ihn nicht, wenn er beobachtet wird oder Informationen über ihn gesammelt werden. Trotzdem sollte er sich Gedanken um seine Anonymität machen, denn diese hat nichts damit zu tun, ob man etwas zu verheimlichen hat, sondern sollte ein Normalzustand sein. Welche Folgen der Verlust der Anonymität für unsere Gesellschaft haben kann, zeigt der Klick auf’s Bild.
Wir befinden uns bei Paul im Schlafzimmer. Er muss gleich aufstehen und zur Arbeit gehen. Wir werden ihn einen Tag lang begleiten, was uns nicht schwer fallen wird, denn Paul ist leicht zu verfolgen. Wieso? Das ist ganz einfach. Paul besitzt ein Handy, einen Computer und noch andere Errungenschaften der mordernen Welt von heute. Dadurch hinterlässt er überall Spuren, die einiges über ihn aussagen. Sie werden es gleich selbst sehen.

Mit diesen Worten beginnt eine liebevoll gemachte Flashpräsentation, die den Betrachter interaktiv miteinbezieht und offenlegt, warum das Thema Datenschutz, die Verteidigung der Privatssphäre sowie die Sorge vor einem Überwachungsstaat auch diejenigen betreffen, die meinen nichts zu verbegen zu haben.

Via Rabenhorst.

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Gegen die Wand

Nein, hier geht es nicht um den gleichnamigen Film von Fatih Akin, der 2004 auf der Berlinale einen goldenen Bären abstauben konnte. Es geht viel mehr darum, “wie Deutschlands heißestes Start-Up vor die Wand fährt”.

Jörg-Olaf Schäfers beleuchtet in “Die Sache mit den Schlagzeilen” die Entwicklung der öffentlichen Wahrnehmung zur unendlichen Geschichte StudiVZ. Thema des Monats innerhalb der in ihrem Einfluss überschätzten Blogosphäre zu sein, ist die eine (im vorliegenden Fall unschöne) Sache, auch vereinzelte Artikel zu Datenschutzproblemen und Sicherheitslücken lassen sich verkraften, so sie in eher engmaschig zielgruppenden Publikationen erscheinen. Problematischer hingegen ist es, mit Passagen wie der folgenden im reichweitenstarken Nachrichtenmainstream aufzutauchen:

Ehssan Darianis Studenten-Kontaktbörse hat eine Million Mitglieder. Bislang galt er als Vorzeige-Unternehmer im Internet-Geschäft. Jetzt muss er Fragen zu Sexismus, dem Völkischen Beobachter und Datenschutz beantworten. Das Vertrauen in seine Firma steht auf dem Spiel. [...] Heute, fast vier Monate später, steht StudiVZ vor einem Scherbenhaufen. [...] Der Berliner Datenschutzbeauftragte ermittelt wegen Problemen im Umgang mit sensiblen Nutzerdaten. Die Studentenvertretung der Berliner Humboldt-Uni hat seinen Kommilitonen gar geraten, sich bei StudiVZ abzumelden.

Schließlich berichtet auch Spiegel Online über Sex-Stalker im Studentennetz sowie umstrittene Geschäftspraktiken, Zweifel am Datenschutz, dubiose Nazi-Witze und unflätige Videos. Die bloggenden Netzbürger stellen sich derweil immer häufiger die Frage, ob das junge Berliner Startup an den immer schneller veröffentlichten Schlagzeilen zerbricht oder der stürmischen See trotzen kann. Zumindest Don Alphonso, Mitautor der Blogbar und Rebell ohne Markt, macht aus seinen Intentionen gewohnt martialisch keinen Hehl: er würde dem aktuellen Objekt seiner Obsession am liebsten selbst die letzte Kugel verabreichen.

Das Unternehmen StudiVZ steht folgerichtig unter einigem Zugzwang und versucht es auf dem firmeneigenen Blog mit der lange vermissten Transparenz - bisher waren hier eher unbeholfene Beschwichtigungen und Ablenkungsmanöver zu finden, Nebelkerzen, die nicht zündeten. Während der wandelnde PR-GAU Ehssan Dariani von der externen Unternehmenskommunikation entbunden scheint, versucht man es in Berlin nun mit einem eigens abgestellten Datenschutzbeauftragen und möchte mit der Community einen gemeinsamen Verhaltenskodex erstellen.

Doch wohin man dieser Tage in Berlin tritt: Fettnäpfchen allerorten. “Meldet uns XSS- und CSRF-Lücken”, bittet man die “lieben Lückensucher” und gibt damit die eigene Produktiv-Plattform mitsamt ihres Bestandes an Millionen von persönlichen Datensätzen offiziell zum Abschuß frei. 256 Euro pro erfolgreichem Penetrationstest sind versprochen, mittlerweile scheint selbst internationale Hilfe für den Ernstfall bereit zu stehen - mancherorts verleibt da nichts als schlichte Fassungslosigkeit.

Ob verlorenes Vertrauen auf diesem Weg zurück gewonnen werden kann, darf bezweifelt werden. Auch wenn in den Hallräumen des Netzes vieles heißer gekocht als gegessen wird und nicht jede neu entdeckte Sicherheitslücke sofort den herbeigesehnten Skandal für’s eigene Blog generiert, so überrascht die massive Unprofessionalität der handelnden Sozialnetzwerker doch immer und immer wieder. Die bisher erworbene Nutzerbasis von rund einer Millionen Mitgliedern ist das Kapital, mit dem das Unternehmen StudiVZ noch wuchern kann - doch eine Abmeldung ist nur einen Mausklick entfernt. Sollte dieses Kapital am Ende wirklich verspielt werden? Ich mag es nicht ganz glauben, die Beteiligten haben den “Point of no Return” schließlich schon längst hinter sich gelassen. Man bleibt zum Erfolg verdammt, ohne Rücksicht auf (persönliche) Verluste. Risikokapitalgeber Holtzbrinck macht hier eine klare Ansage: “Die Probleme stehen im Mittelpunkt, nicht das Personal”.

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Jahrzehnte innenministerialer Vollentkernung

Otto Schily meldet sich mal wieder zu Wort, prophezeit Jahrzehnte des Terrors, hält Rasterfahndung für effizient und sieht bei all dem ausdrücklich keinen Verstoß gegen unsere Freiheitsrechte - ginge es nach ihm, “wären die Befugnisse des Bundeskriminalamtes im Terrorismusbereich deutlich verbessert worden. So hat es ja nur Hilfszuständigkeiten bekommen”.

“Dabei wurde es ja nicht zuletzt wegen der Existenz der Gestapo so eingerichtet, dass die Polizei keine geheimdiestlichen Kompetenzen bekommt und umgekehrt”, merkt Kanalmitinsasse und Sarkast Andreas zu anderer Stelle trocken an.

Ein Volk in Angst ist ein williges, und so lassen sich die volksverführenden Hardliner zum Jahrestag nicht lumpen. “Den Kampf können wir nur auf der Basis unserer Werteordnung gewinnen, die wir aber auch offensiv vertreten müssen”, sagt Schily und bedauert schon fast: Die schrecklichen Bilder aus den Gefangenenlagern Abu Ghreib und Guantanamo hätten die Legitimität der politischen Position des Westens schwer beschädigt.

Hier wurde offenbar zu offensiv vertreten.

Folter beginnt jenseits rechtstaatlicher Grenzen, doch genau diese lassen sich dehnen - je verängstigter der Untertan, desto weiter. Wie unantastbar die eigenen Werte sind, führt die Politik immer dann vor, wenn die Gunst der Stunde das Bestuhlen der selbigen opportun erscheinen läßt.

Natürlich stimmt auch Bundesinnenminister Schäuble, Schilys direkter Nachfolger und gesinnungstechnisch vollkommen in Reihe mit seinen Vorgängern, lautstark in die Kakophonie der freudig erregten 9/11-Günstlinge mit ein. Kaum noch für Überraschung sorgen seine Ausführungen zum bewährten Anti-Terror-Paket oder die Lobpreisung der Anti-Terror-Datei - “Anti-Terror” wäre dieser Tage ein lohnender Markeneintrag. Mit Nachdruck gebetsmühlenhaft formuliert, wird eines Tages Unpassendes passend gemacht: die Mautdaten sollen her, vorbeugend, zur Verhinderung von Straftaten, mal wieder. Im Westen nichts neues.

Intellektuell abenteuerlicher wird’s jetzt: Wie wäre es mit der Aufstockung stichprobenartiger Kontrollen durch Sprengstoffspürhunde, “damit man eben doch vielleicht eine präventive Wirkung hat, dass die Leute sich nicht so sicher sein können, wenn sie mit einem Koffer voll Sprengstoff durch den Bahnhof laufen, dass sie nicht vielleicht doch erkannt werden”? Das wird den todliebenden Drecksarbeitern des Terrors mächtig Eindruck machen. Doch was ist mit den Gleisen, also den Strecken zwischen den von Hasso und Rex bestichprobten Bahnhöfen? Der Plan ist ein Masterplan: Hubschrauber! Der Schäuble meint’s ernst. Mehr Videoüberwachung und ein ausgebautes Spitzel- und Denunziantentum im Internet schließen den Kreis hin zum Altbekannten.

“Wenn der Verfassungsschutz seinen Namen zu Recht tragen würde, würden sie erst mal Schäuble aus dem Verkehr ziehen”, meint Fefe. Recht hat er.

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Panikattacken

Wie hoch die statistisch gemittelte Gefahr eines terroristischen Anschlags in Deutschland ist, vermögen nur kreative Zahlendreher mit nachrichtendienstlichem Informationsvorsprung näherungsweise erfassen können - das tatsächliche Bedrohungspotential des alltäglichen Straßenverkehrs (oder aber der eigenen Lebensart) sollte dem verängstigten Bundesbürger einen weitaus gewichtigeren Grund zur Sorge bieten. Feindbilder und Schreckensszenarien jedoch sichern Wahlen und schweißen zusammen, so daß sich niemand ernsthaft über blinden Aktionismus und berechnenden Populismus wundert - so darf in den Planspielen steuerfinanzierter Merkbefreiung der eher garnicht bis schlecht auf die Aufgabe vorbereitete 1-Euro-Jobber den Hilfssherrif des hauptamtlich bewaffneten Train-Marshalls spielen, um heldenhaft durch überfüllte ICEs zu hechten, sollte ein Fahrgast den eigenen Aktenkoffer beim Urinieren als entbehrlich erachtet haben. Sicherlich bieten auch Regionalzüge, wahlweise bestückt mit präpubertär plärrendem oder alkoholisiert gröhlendem Transportgut - lies: Klassenfahrten und Fanverfrachtung - reichlich Möglichkeit zum Trainieren der eigenen Durchsetzungskraft. Der Rücksitz der eigenen Dienstlimousine scheint schnell und nachhaltig zu entfremden. Vielleicht aber hilft man mit eingezogenem Schwanz dann doch lieber nur beim Ein- und Aussteigen?

Weniger amüsant, dabei allerdings nicht minder Zeugnis ausgeprägter Begriffsstutzigkeit, sind die regelmäßigen Rufe nach noch (und immer) mehr Überwachung. Dass diese allenfalls zur Aufklärung von Anschlägen, jedoch kaum zur Vermeidung derselben taugt, liegt auf der Hand. Und selbst, wenn das Gegenteil der Fall wäre: Konsquent zu Ende gedacht bliebe nur der flächendeckend überwachte Polizeistaat, die totale Abschaffung des öffentlichen Raumes. In guter Tradition trägt natürlich auch das von Kinderschändern, Neonazis und neuerdings eben auch von Terroristen instrumentalisierte Internet einen Großteil der Schuld auf den wehrlosen Schultern. Breaking News: Verschlüsselung ist mittlerweile dermaßen komplex, dass sie praktisch nicht mehr zu umgehen ist und damit ihrem eigentlichen Bestimmungszweck dient. Der verwunderte Parteigänger reibt sich die naiven Äuglein - und fordert folgerichtig ein Verbot, um gesetzestreuen Gotteskriegern das Handwerk zu legen. Es ist erstaunlich, mit welcher Unbedarftheit Ministerposten zu erlangen sind.

Mittlerweile offenbart das Konzept des gutwillig unterstellten Zieles der gefühlten Sicherheit zur Beruhigung der geistig in Angst Erstarrten seinen Selbstbetrug unbewußt. Und spätestens an dieser Stelle wird’s unangenehm. Ist man auf das Hohlphrasieren der scheinbar generalentkernten Politkaste einigermaßen eingestellt, kommt nun der - von wem auch immer ferngesteuerte und in Panik versetzte - Lemming im Kampf um ein wenig Restvernunft unter den Mitmenschen als ernstzunehmender Gegner hinzu. Der Stammtisch und die übliche Ausgewogenheit der großen Massenmedien zeigen ihre Wirkung, hier und anderswo, ein vereinigtes Europa im Kampf gegen Rauschebärte und liegen gebliebene Gepäckstücke. Was hätte man sich diese brutalstmögliche Wachsamkeit auch bei manch ominösem, schwarzen Koffer gewünscht! Statt todbringender Bomben gab’s da jedoch nur jüdische Vermächtnisse zu enthüllen. Wie unspektakulär.

“Die Freiheit nehm’ ich mir”, nehmen wir uns. Meine Stadt, die ist hier in Mannheim:

Die Mannheimer Innenstadt ist wegen eines herrenlosen Einkaufs-Trolleys weiträumig abgesperrt worden. Das Gepäckstück wurde an einer Haltestelle vor einem Warenhaus angekettet. Es erwies sich als harmlos.

Beängstigend.

Via Jochen Lillich.

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Nebenwelten

Das Internet ist eine Nebenwelt, eine Grauzone aus Bits und Bytes, in der die öffentliche Sicherheit und Ordnung kaum zu gewährleisten ist. Einem informationstechnologischen Sodom und Gomorrha gleich ziehen Horden an Kinderschändern staatlich gefördert und von gesellschaftszersetzenden Datenschützern gedeckt durch das weltweite Netz, um hier und da eine Verschnaufpause bei Glücksspiel und virtuellem Sex einzulegen.

Es klingt wie die kabarettistisch überspitzte Pointe auf die Kontrollwut der Befürworter eines neuerlichen Überwachungsstaates auf deutschem Boden, ist aber nichts als die bittere Realität: Von Steuergeldern finanziert entblödet sich ein hessischer Staatssekretär des Innenministeriums und lässt so schockierende Rückschlüsse auf die Einfachheit des Geistes einzelner Landesdiener zu. Was bei Otto Schily in seinem galloppierenden Wahn nach immer mehr vorgegaukelter Sicherheit noch den Beigeschmack der eiskalten Berechnung eines machtbesessenen Wendehalses hat, wird bei der Naivität eines Herrn Lemke zu bemitleidenswertem Blödsinn.

In seinem Eifer empört sich der hochrangige Beamte über das Datenschutzzentrum in Kiel, welches sich erdreistet, den eigenen Bürgern mit gutem Rat beim Schutz der Privatssphäre beizustehen, damit jene (soll ich nun sagen “gerade in Zeiten wie diesen”?) moderne Kommunikation im Glauben an eine individuell zugesicherte Freiheit nutzen können. Was aber könne man der Bevölkerung noch bei einem Terroranschlag sagen oder einem Kleinkind, “das missbraucht wird”, wenn die Taten über “steuerlich geförderte Internet-Kaskaden verschleiert werden?”, weiss der besorgte Hesse zu entgegnen.

Kurzum: Die Freiheit des Einzelnen, unbelauscht und unkontrolliert mit anderen kommunizieren zu wollen, muss in Zeiten des Terrors, der organisierten Kriminalität und der allgegenwärtigen Kinderschänder dramatisch eingeschränkt werden, denn terroristische Strukturen werden an den Kommunikationsstrukturen ansetzen.

Stellt sich die Frage, inwieweit Osama Bin Laden und der charismatische Pate aus Sizilien von leise aber stetig angedachten Kryptographieverboten beeindruckt sein werden. Der Schwerstkriminelle aus Leidenschaft wird Verstöße gegen Auflagen dieser Art als Portokosten verbuchen, während das generalverdächtigte Volk über Big Brother schimpft, aber längst selbst zum dauerbeobachteten Containerbewohner verkommt.

Immerhin scheint die Polizei in Brandenburg nun mit gutem Beispiel voranzugehen: Sie verschlüsselt offenbar selbst hochsensible Daten nicht, unter die interne Alarmpläne für “besondere Lagen” wie Geiselnahmen oder Entführungen, Namenslisten für die Besetzung von Krisenstäben, Einsatzbefehle und -analysen sowie Landeslagebilder, in denen die sicherheitspolitische Situation dargestellt wird, fallen. “Wir haben nichts zu verbergen”, titelt Schönbohm im Hinblick auf den Innenausschuss des Landtages und gemahnt so in unfreiwilliger Komik an den Dauerbrenner “Datenschutz ist Täterschutz”. Vielleicht hätte man sich in Schleswig-Holstein beraten lassen sollen. “Dümmer als die Polizei erlaubt” scheint im Brandenburger Land eine reichlich doppeldeutige Note zu haben.

Schieflagen aller Orten also. Eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik müsse den Schutz der Privatsphäre gegen Risiken unkontrollierbarer Infrastruktur abwägen, lässt Herr Lemke verlauten, weitere Einschnitte in die Bürgerrechte scheinen unerlässlich. “Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren”, wusste Benjamin Franklin dagegen schon lange vor den Zeiten des Internets zu berichten.

Bei Politikern wie den unseren braucht es dazu heute keine Terroristen mehr.

Relevante Links:

Datenschützer: Anonymität im Netz ein gesetzlich verbrieftes Recht

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Alternativlos?

Google hat sich die Hervorhebung von Suchresultaten in Dokumenten, die über ein Netzwerk verteilt werden, erfolgreich patentieren lassen. Das Abstract zur Patentschrift 6,839,702 liest sich wie folgt:
“A system highlights search terms in documents distributed over a network. The system generates a search query that includes a search term and, in response to the search query, receives a list of one or more references to documents in the network. The system receives selection of one of the references and retrieves a document that corresponds to the selected reference. The system then highlights the search term in the retrieved document.”

Damit wurde ein weiteres Trivialpatent der nicht enden wollenden Liste bestehender “Innovationssicherungen” hinzugefügt - der von Google patentierte Mechanismus wird so schon seit geraumer Zeit von den verschiedensten Projekten und Websites verwendet. Es bleibt zu hoffen, dass im Fall der Fälle Prior Art nachzuweisen ist - das Patent wurde von Google im Dezember 2000 beantragt.

Auch das allerbeste Weblog, Serendipity, bietet Plugins zur Hervorhebung passender Suchbegriffe an. Kaum verwunderlich, dass die erfolgte Vergabe des Patents auch hier von einigen Entwicklern besorgt beobachtet wurde: “Certain S9Y plugins may be a violation of US patents”. Garvin fasste treffend zusammen: “Certain judges and/or patents may be a violation of common thinking and human brain interaction”.

Mittlerweile also sollte selbst der unkritischste Geek dem Unternehmen Google mit seinen Ablegern GMail und Orkut skeptisch gegenüberstehen. Florian Weimer lässt so auf der FITUG-Mailingliste anklingen:

“Es gibt ziemlich viele gute Gründe, Google zu boykottieren: das kaputte Usenet-Archiv, die Vorzensur, mangelnde Sorgfalt bei den Adwords, die niedrigen Softwarequalitätsstandards bei Gmail, Toleranz gegenüber Cloaking, Dialer-Spammern und Wikipedia-Räubern, Nichtbeachtung von Urheberrechten, mangelnde Transparenz beim Datenschutz -- die Liste kann man sicherlich noch fortführen. Nur kann es sich im Moment niemand leisten.”

You can’t live with them and you can’t shoot them?

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Abfallprodukte

“Der gelungene Start der deutschen LKW-Maut weckt Begehrlichkeiten abseits der Mauteinnahmen aus dem Fahrtaufkommen des Schwerlastverkehrs. In der Mitteldeutschen Zeitung Halle meldete sich Frank Hüttemann, der Chef des Magdeburger Landeskriminalamtes, zu Wort. Hüttemann forderte den Einsatz von Hard- und Software zur automatischen Erfassung von Autokennzeichen, um die Ermittlungen gegen Menschen- und Rauschgifthändler zu erleichtern.”

Na, wer hätte das gedacht?

Relevante Links:

LKW-Maut: Kennzeichen-Auswertung im Huckepack?

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Privacy outlawed?

Der deutsche Überwachungsdrang kennt keine Grenzen. Nachdem wir uns nun schon seit Jahren als inoffizieller Abhörweltmeister in Sachen Telefongesprächen rühmen dürfen, wachsen angesichts der immer breiter eingesetzten, neuen Kommunikationsmöglichkeiten die Begehrlichkeiten auf Seiten derer, die angeblich zum Schutze des Volkes gegen das organisierte Verbrechen sowie den internationalen Terrorismus meinen, auch dem gemeinen Privatbürger eine garantierte Privatssphäre vorenthalten zu müssen. Im Visier der freiheitsabbauenden Politaktivisten: E-Mail, VoIP und Instant Messaging. Wie immer hat Kai auf seinen Seiten einen treffenden Kommentar zu diesem Thema zu bieten.

Bleibt die Frage, welchem Zweck die monströsen Überwachungsapparate, die auf Kosten der Provider installiert werden sollen, wirklich dienen. Nehmen die Entscheider in den Ministerien allen Ernstes an, organisierte Verbrecherbanden oder weltweit agierende Terroristennetzwerke würden über unverschlüsselte oder trivial verfolgbare Kanäle miteinander kommunizieren? Es bliebe natürlich noch das Verbot jeglicher Kryphtographie oder der Zwang zur Schlüsselhinterlegung - schematisch würde das durchaus zur einfachen Denke der politischen Entscheider in diesem Kontext passen, und gegen Menschen mit ausreichend krimineller Energie ebenso wenig ausrichten wie bisherige Luftbauten.

Kai bewahrt die Hoffnung, das angesichts solcher Entwicklungen sich zunehmend mehr Leute Gedanken über den Schutz ihrer Kommunikation mittels Kryptographie machen. Lasst ihn Recht behalten! Auch die Betreiber des Jabberservers jabber.ccc.de sehen sich von der Novelle des TKÜV betroffen und legen ihren Usern dringend an’s Herz, ihre Gespräche per GPG zu verschlüsseln:

Im Rahmen der Novelle der TKÜV, die demnächst ansteht, muss wohl in Zukunft jede “Telekommunikationseinrichtung” mit mehr als 1000 User eine Schnüffel-Schnittstelle für den Zoll/BND/Polizei/? bereitstellen, über die im Zweifelsfall jegliche Kommunikation eines User mitgelesen werden kann. [...]

Es sieht ganz so aus, als ob davon u.a. auch jabber.ccc.de davon betroffen sein wird, da wir mit ~2500 Usern ganz klar ueber diesem Limit sind. Ich habe einen mir befreundeten Rechtsanwalt gebeten, für mich zu klären wie das konkret aussieht - trotzdem möchte ich Euch aus diesem Anlass einmal mehr dringend empfehlen, GPG zu verwenden.

Bleibt mir ein Zitat aus meinem allwissenden fortune-File:

If privacy is outlawed, only outlaws will have privacy.

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