Du bist Terrorist.
»Gemeinsam für ein sicheres Deutschland« - der Schwung vergangener Kampagnen für ein behütetes Jetzt: Du bist Terrorist.
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»Gemeinsam für ein sicheres Deutschland« - der Schwung vergangener Kampagnen für ein behütetes Jetzt: Du bist Terrorist.
Bettina Winsemann AKA Twister über Ursula von der Leyen. Seltsam bekannte Gefühlsregungen eines denkenden und fühlenden Menschens - und damit unbedingt lesenswert. Für die der Thematik immernoch unbedarfteren bietet der Heise Verlag darüber hinaus Analysen zur Verschleierungstaktik.
Via c0t0d0s0.
Dr. Ulrich Wiesner hat auf seinen Seiten zum Einspruch beim Wahlprüfungsausschuss die vom Bundestag vorgebrachten Gründe zur Ablehnung seiner Beschwerde gegen den Einsatz von Wahlcomputern dokumentiert. Während die bloße Tatsache der Zurückweisung seines Anliegens wenig überraschend kam und mehrheitlich so erwartet wurde, beinhaltet die dazugehörige Argumentation Stoff für diverse Albträume und Horrorszenarien, die manch viel zitiertem Verteidiger unserer wehrhaften Demokratie eigentlich schlaflose Nächte bereiten sollten. Tim Pritlove arbeitet in seinem persönlichen Rant zum Thema die verschrobenen Prioritäten deutscher Innenpolitik einleitend und auf den Punkt gebracht heraus:
Auch Ulrich Wiesner kommentiert die Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses ähnlich:
Der sorglose Umgang dem Herzstück einer jeden Demokratie - der Willensäußerung des Souveräns - erschreckt. Das manches Horrorszenarium nicht vollkommen entrückter Paranoia entspringt, lassen Erfahrungen mit Wahlcomputern in Florida mehr als nur vermuten. In anderen Staaten dreht sich derweil die Wahrnehmung öffentlicher Debatten, immer öfter wird von einem Einsatz der allerorts umstrittenen Wahlcomputer abgeraten oder faktisch abgesehen. Es stellt sich einmal mehr die Frage: Welchen Gewinn bringt eine elektronische Stimmauszählung gegenüber einem System, das über Jahrzehnte bewährt, nur mit massivstem Aufwand erfolgreich manipulierbar und in seiner Einfachheit von einem jeden nachzuvollziehen ist? Wer unsere demokratisch-freiheitliche Grundordnung schon durch die abstrakte Gefährdung duch den weltweiten Terrorismus bedroht sieht, der sollte jetzt und hier umso nachdrücklicher handeln.
Ulrich Wiesner ist fest entschlossen, im Beschwerdeverfahren das Bundesverfassungsgericht als nächste Instanz anzurufen. Heise zitiert den Physiker mit folgenden Worten: “Das Öffentlichkeitprinzip und das Transparenzgebot bei demokratischen Wahlen müssen erhalten bleiben - die Abschaffung des Öffentlichkeitsprinzips käme einer Demokratie von Gnaden des Innenministeriums gleich”.
Nachtrag:
Während in Deutschland vielerorts noch blinde Technikgläubigkeit vorzuherrschen scheint, beendet Italien das Experiment “Wahlcomputer”. Auch in den USA scheint ein Umdenken einzusetzen. Wann sind wir soweit?
Das deutsche Konzept kennt in Sachen Wahlcomputern keinen ernst zu nehmenden Schutz gegen Insiderangriffe. Die Lektüre des Interviews mit dem Direktor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt belegt, mit welcher Naivität und Unwissenheit das wichtigste Instrument des Souveräns sabotiert wird. Zu den Sicherheitsmerkmalen zählt hier schon “ein Konzept der Überwachung”, “die Tatsache, dass die Geräte bei Behörden aufbewahrt werden, sodass es eines nicht-legalen Aktes bedürfte, an die Geräte zu kommen”. Surprise, Surprise: Wer Wahlen manipulieren möchte und kann, dürfte die Illegalität seines Handelns durchaus kalkulierend in Kauf nehmen. Doch wie schon gesagt: Deutschland ist nicht Amerika, nur hier finden sich schließlich moralisch fest verwurzelte Karrieren bekannter Spitzenpolitiker. Namen wie Barschel, Strauss, Kohl, Kanther, Kiep, Schäuble und Koch führen eine lange Liste an, die - obwohl noch nicht einmal im Ansatz vollständig - das Vertrauen in eine saubere Politik zu Recht stärken. Ist es da nicht paranoid oder gar böswillig, den leistungstragenden Entscheidungsträgern ein über den Gesetzen stehendes Selbstverständnis zu unterstellen oder gar ausreichend kriminelle Energien und Potientiale zu vermuten? Ich bin mir sicher: diese Vermächtnisse eines verwirrten Geistes lassen sich schnell brutalstmöglich glaubhaft aus dem Weg räumen.
Der Innentäter kann somit als möglicher Gefahrenvektor nachhaltig ausgeschlossen werden.
Mittlerweile kann bei der ersten Petition zum Verbot von Wahlcomputern nach über 25.000 Unterschriften - ab 50.000 Unterschriften ist eine öffentliche Anhörung des Petenten im Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages vorgesehen - “aus technischen Gründen Ihre Mitzeichnung nicht mehr sichtbar gemacht und gezählt werden”: Bitte benutzen Sie zur Unterstützung die sachgleiche Ersatzpetition, die wir hierfür extra eingestellt haben. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Update I: Das Blog Netzpolitik.org stellte eine Anfrage an den Petitionsausschuß und räumt im Artikel Crashkurs Petitionsrecht einige Mißverständnisse zur “magischen 50.000” aus der Welt.
Update II: Tim Pritlove zeigt nur sehr begrenzt Verständnis für die Art und Weise der Einrichtung der Ersatzpetition:
Update III: Chaosupdate. Technische Probleme behindern Petition gegen Wahlcomputer: Chaos Computer Club fordert überfällige Störungsbeseitigung.
Die Petition gegen Wahlcomputer ist noch bis Dienstag, den 28. November 2006, zum Mitzeichnen offen und wird von mittlerweile über 10.000 Unterschriften getragen.
Via fukami.
Die geheime Wahl aber - und damit die Garantie, in einem Wahlbüro ungehindert und unbeobachtet die eigene Stimme abgeben zu können - ist der Garant für die wirkliche Freiheit der politischen Willensäußerung, ohne Angst vor Repressalien und Möglichkeiten der Erpressbarkeit.
Nachdem wiederholt schwere Sicherheitsmängel amerikanischer Wahlmaschinen festgestellt wurden (“Erneut Sicherheitsmängel bei Wahlmaschinen nachgewiesen”), sind in den letzten Tagen und Wochen verstärkte Zweifel an der technischen Realisierung aktueller Wahlmaschinen auch in Deutschland aufgekommen, untermauert durch einen erfolgreichen Hack des nahezu baugleichen, niederländischen Modells. Weitere Hintergrundinformationen hierzu finden sich beispielsweise auf den Seiten des Chaos Computer Clubs, des Heise Verlags und bei Spiegel Online:
Niederländische Bürgerinitiative knackt Nedap-Wahlcomputer
PTB will den Wahlcomputer-Hack “aufmerksam und gründlich” studieren
Chaos Computer Club fordert Verbot von Wahlcomputern in Deutschland
HSG Wahlsysteme bestätigt Unzulänglichkeit ihrer Wahlcomputer
CCC fordert Verbot von Wahlcomputern
Behörde hält Manipulationen für möglich
Ein Beitrag des Chaosradios widmet sich ebenfalls dem Thema: Wahlcomputer - Der schleichende Untergang der öffentlichen Kontrolle.
Die englischsprachige Analyse des niederländischen Wahlcomputers findet sich, als PDF, auf den Seiten der Initiative “Wij vertrouwen stemcomputers niet” (“Wir vertrauen Wahlcomputern nicht”): “Nedap/Groenendaal ES3B voting computer - a security analysis” (mehr dazu bei Andreas: “Nedap-Wahlcomputer gehackt”).
Hingewiesen sei in diesem Kontext außerdem auf die äußerst empfehlenswerten Artikel zum Thema E-Voting und Wahlcomputer auf “Freedom to Tinker”, dem Law- und Technologieblog von Edward Felten.
Frohe Lektüre!
Via netzpolitik.org.
Der Wille der Mehrheit ist, auch und gerade in den uns bekannten, westlichen Demokratien, nicht immer der Wille, der letzlich dann in die Praxis umgesetzt wird. Oft mag das fast wie ein Segen erscheinen - so manches Plebiszit wäre dank dem aktuell vorherrschenden Populismus furchtbar in die Hose gegangen. Doch wenn schon gewählt wird, dann setzen die meisten wohl eben jenen Automatismus als selbstverständlich voraus. Das aber spätestens bei der Wahl von Stellvertretern durch Stellvertreter deren demokratische Legitimation gegen Null tendieren kann, zeigt der Schockwellenreiter an einem einfachen Beispiel. Dort wird aus einer 19:8 Überlegenheit für “rot” eine Zweidrittelmehrheit für “schwarz” - Delegationsprinzip und entsprechend zugeschnittene Wahlkreise machen’s möglich.