/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Happy Birthday: 15 Jahre Linux

Tux, offizielles Linux-Maskottchen.
Während für viele mit dem 25. August bereits der Tag der Ankündigung von Torvalds’ Weltrevolution Grund genug für Geburtstagsfeierlichkeiten war, scheint mir das tatsächliche Erscheinungsdatum einer Software für solche Festivitäten passender - bloße Versprechen gab es in der kurzen Historie der IT schließlich schon zur Genüge. Kurzum: Am 17. September 1991 schlug der knapp 71 KByte große Linux-Kernel in Version 0.01 auf dem FTP-Server der Helsinki University of Technology auf - es ist der Verdienst von Ari Lemmke, dass Torvalds von seiner ursprünglichen Namensidee “Freax” abkam.

15 Jahre Linux sind ein Grund zum Feiern und eine schöne Gelegenheit, die vielen fachlichen Dispute und menschelnden Eitelkeiten rund um den Kernel und das zugehörige GNU-Userland Revue passieren zu lassen - selbst für Späterleuchtete wie mich, die mit SuSE Linux 6.1, Kernel 2.2.3 und KDE 1.1 das Laufen lernten.

Happy Birthday!, und ein ehrliches und respektvolles Dankeschön an Linus Torvalds und den Rest der kernelschreibenden Berufs- und Hobbyhacker!

4081 Klicks

Baustelle 2.6

Wie Golem berichtet, wird es in naher Zukunft keine neue Entwicklungslinie des Linux Kernels in Version 2.7 geben. Bisher galt die Regel, das größere Neuerungen in einem separaten Strang eingepflegt und auf ihre Tauglichkeit getestet werden, bevor sie unter anderer Versionsnummer in ein gereiftes, zuverlässiges und berechenbares Release für den Endnutzer gelangen.

Zur Unterscheidung eines solchen gereiften und deshalb als ausreichend stabil erachteten Endnutzer Kernels von seiner Entwicklungslinie diente seit jeher die Versionsnummerierung: Ist sie ungerade (2.3.x, 2.5.x), so handelt es sich offiziell um eine Entwicklerversion, in der größere Änderungen die sonst so robusten Fundamente hin und wieder durchaus ins Wanken geraten lassen können. Bei geradzahligen Releases (2.4.x, 2.6.x) wird davon ausgegangen, dass der Kernel stabil läuft und keine unangenehmen Überraschungen beherbergt - was so bisher allerdings auch nicht immer der Fall sein musste. Bis heute scheuen sich viele User davor, Linux 2.6.x auf Produktivsystemen zum Einsatz zu bringen.

Die beiden Hauptverantwortlichen für die Entwicklung der Version 2.6 des Linux Kernels, Linus Torvalds und Andrew Morton, sehen trotz monatlicher Patches im Umfang von bis zu 10 MByte keine Notwendigkeit, schon jetzt eine neue Entwicklungslinie 2.7 abzuspalten, um damit den Weg für einen kommenden Nachfolger in der Version 2.8 zu ebnen. Beide sind mit den Ergebnissen ihrer derzeitigen Zusammenarbeit zufrieden und wollen auch tiefgreifendere Änderungen direkt in die aktuelle “stable” Linie einfließen lassen - allerdings sollen diese erst in Andrew Mortons eigenem Entwicklungsstrang, dem sogenannten mm-Kernel, reifen und evaluiert werden.

Ziel dieser Politik ist eine schnellere Evolution des Linux Kernels, der so in kürzerer Zeit mehr neue Features unterstützen soll, als dies bisher der Fall war. Eine solche Politik allerdings kann durchaus von Nachteil für die viel beschworene Stabilität des Kernels sein, was gerade konservative User nicht mit ungeteilter Freude kommentieren dürften.

Relevante Links:

New dev model (Linux Kernel Mailinglist)

3188 Klicks

Kenneth Brown: Endgültig merkbefreit

So langsam wird es Zeit, sich ernsthaft Sorgen um Kenneth Brown zu machen. Sein Zustand der permanenten Reflexionsverweigerung nimmt pathologische Formen an. Kenneth Brown ist eine Luftnummer. Endgültig. Gewollt beratungsresistent und vollkommen schmerzbefreit.

Der letzte, armselige Versuch Browns, sich der Kritik an seinen unhaltbaren Thesen zu entziehen, wurde nun abermals von Andrew Tanenbaum öffentlich und ausführlich kommentiert. Sich aalgleich windend wiederholt Kenneth Brown gebetsmühlenartig bereits mehrfach widerlegte Behauptungen, so zum Beispiel den Vorwurf, Linus Torvalds habe beim Schreiben der ersten Linuxkernel Quellcode von MINIX gestohlen.

Das perfide daran: Kenneth Brown beauftragte Alexey Toptygin, den Code der ersten Linuxversionen mit dem von MINIX zu vergleichen. Die Ergebnisse Toptygins sind hier einzusehen und wurden Brown in genau dieser Form zugetragen. Toptygin spricht eine eindeutige Sprache: Linux verwendet keinerlei MINIX Code, ein Kopieren von der einen Seite zur anderen fand nicht statt. Brown und die Alexis de Tocqueville Institution ignorieren das Ergebnis dieser Studie geflissentlich und setzen sich einmal mehr dem berechtigten Vorwurf aus, anstelle ansatzweise verwertbarer Studien nur manipulative Propaganda im Auftrag zahlender Hintermänner zu verbreiten.

“To summarize, my analysis found no evidence whatsoever that any code was copied one way or the other. [...] Apparently, Ken was expecting me to find gobs of copied source code. He spent most of the conversation trying to convince me that I must have made a mistake, since it was clearly impossible for one person to write an OS and ‘code theft’ had to have occured. [...] So, I guess what I want to say is, pay no attention to this man; to the best of my knowledge he is talking out of his ass.”

(Alexey Toptygin in einer Mail an Andrew Tanenbaum)

Nach vielen weiteren, lesenswerten Ausführungen zu Browns Antworten auf die geäußerten Kritikpunkte an seinen ersten Vorveröffentlichungen kommt Tanenbaum zu folgendem Schluß:

“All in all, Brown’s only argument is that he, personally, doesn’t believe a 21-year-old kid could have written an operating system kernel in a year, despite the fact that half a dozen other people had done the same thing earlier and the code Linus wrote wasn’t all that great initially. And faced with a whole bunch of people telling him otherwise and the consultant he hired to examine the code saying the code is completely different from MINIX, Brown just ignores all the facts and persists in his belief. I’ll bet he dismisses the widely reported claim that Mozart wrote three symphonies and performed for the King of England when he was nine on the grounds that 9-year-olds don’t normally do this sort of thing.”

Man darf jetzt schon gespannt sein, mit welchen satirischen Glanzleistungen Kenneth Brown demnächst die Lacher auf seine Seite zieht.

Zur Erinnerung:

Spiel’s noch einmal, Ken!
Einfache Lügen

Relevante Links:

Verteidigung und Widerlegung der AdTI-Studie

2643 Klicks

Einfache Lügen

Groklaw berichtet über neue Reaktionen zur - soweit inhaltlich bekannt - unsäglichen Studie der Alexis de Tocqueville Institution (AdTI). Neben Andrew S. Tanenbaum und Linus Torvalds meldeten sich nun unter anderem auch Richard Stallman und Peter H. Salus, Author des Werkes “A Quarter Century of UNIX”, zu Wort. Stallman wirft Kenneth Brown, dem Verfasser der Studie, die beabsichtigt missbräuchliche Nutzung von Begriffen wie dem des “Erfindens” vor. Niemand habe UNIX alleinig “erfunden” (“You don’t ”invent“ an operating system or a kernel, you write it.”). Auch Salus schlägt in die selbe Kerbe: Wissen baue immer auf Vorwissen auf, ähnlich verhalte es sich mit Betriebssystemen - auch hier basiere das eine auf Erfahrungen mit anderen. Selbst Dennis Ritchie und Ken Thompson, gemeinhin als die Urväter von UNIX bekannt, erhielten 1983 den Turing Award für die “Entwicklung und Implementierung” des UNIX-Betriebssystems, nicht für dessen “Erfindung”. Ob es hier überhaupt noch eine Rolle spielt, dass Linus Torvalds sich selbst nie als “Erfinder” irgendeines Betriebssystems bezeichnet hat?

Beschämend ist die Offensichtlichkeit, mit der die AdTI ihre Lobbyarbeit betreibt. Einfach und plump, getreu der Erkenntnis Alexis de Tocquevilles: “It is easier for the world to accept a simple lie than a complex truth”. Welch bittere Ironie.

Es sei nochmals an Tanenbaums Eindrücke erinnert, als Kenneth Brown ihn angeblich zur UNIX-Historie interviewte: “I don’t believe for a nanosecond that Brown was trying to do a legitimate study of IP and open source or anything like that. I think he was trying to make the case the people funding him (which he refused to disclose to me despite my asking point blank) wanted to have made.

Die Veröffentlichung der Studie von Kenneth Brown wurde nun verschoben, um Browns Reaktionen auf die bisher geäußerte Kritik einzuarbeiten und dem Umstand, das Linus Torvalds in Zukunft beabsichtigt, nur noch Code eindeutig bekannter Herkunft im Kernel zu akzeptieren, Rechnung zu tragen. Bei der bisherigen Vorgehensweise der AdTI kann man über die wahren Beweggründe dahinter nur trefflichst spekulieren. Die Website der AdTI selbst nimmt übrigens noch keine Notiz von der bisherigen Kritik an ihrer Studie, vorhandene Links zu Torvalds’ oder Tanenbaums Statements zeigen bisher auf brachliegende Baustellen (“Under Construction”).

Die treffendsten Zitate von Groklaw in kurzer Übersicht:

Mehr »
4210 Klicks

Gekaufte Think Tanks oder: Es lebe billig!

Der unendlichen Geschichte rechtlicher und intellektueller Auseinandersetzungen um Unix, Linux, angeblich geklauten Code und verletzten Copyright- und Patentansprüchen wird scheinbar ein neues Kapitel hinzugefügt - scheinbar. Verschwörungstheoretiker spekulieren seit langem darüber, wer die wirklichen Geldgeber hinter SCOs Kreuzzug gegen freie Software und Linux im Besonderen sind. Das dürfte sich mit dem Auftauchen des ultrakonservativen Thinktanks der Alexis de Tocqueville Institution (AdTI) innerhalb dieser, mittlerweile allenfalls noch als schlechte Realsatire verortbaren Diskussion, nicht signifikant geändert haben. Im Gegenteil. Kenneth Brown, Präsident der AdTI, zweifelt in einer Studie, “die den Ruf von Linus Torvalds als Schöpfer von Linux einer gründlichen Prüfung unterziehe”, dessen Urheberschaft am freien Betriebssystem an. Offensichtlich sollte Andrew S. Tanenbaum, Author von MINIX und anfänglich scharfer Kritiker von Linus’ ersten Schritten, als vermeintlicher Gegner von Torvalds für die Ziele der AdTI, die unter anderem aus Microsoft-Geldern finanziert wird und moralisch integre Menschen wie den noch amtierenden US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Berater auflistet, instrumentalisiert werden. Doch dieser Schuß ging gehörig nach hinten los... Mehr »
3629 Klicks