/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

SCOs Begehrlichkeiten

The saga continues. SCO macht Rechte am sogenannten “Unix Executable and Linking Format” (ELF) geltend und bewertet das Vorhandensein solchen Codes in Linux als illegal. Das Executable and Linkable Format beschreibt das Standard-Binärformat von ausführbaren Programmen und definiert neben dynamischem Linken und dynamischem Laden auch die problemlose Kontrolle von bereits laufenden Programmen sowie das einfache Erzeugen dynamischer Bibliotheken. ELF ist kein linuxspezifisches Format, sondern Bestandteil vieler auf UNIX basierender Betriebssysteme.

“ELF ist der Mörtel, der das Betriebssystem zusammenhält”, schreibt das LinuxWorld Magazin im Artikel SCO Claims Linux Lifted ELF. Dieser Analogie folgend fiele beim zwangsweisen Verzicht auf das ELF Format das GNU/Linux System quasi in sich zusammen: “all its applications would break”. Genau das aber wäre nach Worten des SCO Sprechers Blake Stowell etwas, dass von der Linux Community nicht einfach neu implementiert werden könnte. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

ELF wurde von AT&T als Teil des Unix Application Binary Interfaces (ABI) entwickelt, vor dem Verkauf von UNIX an Novell im Jahre 1993. Zwei Jahre später, 1995, verkaufte Novell UNIX an die Santa Cruz Operation. Im selben Jahr definierte eine Gemeinschaft verschiedener Hersteller - das “Tool Interface Standard Committee” (TISC) - den ELF 1.2 Standard. Das Komitee gewährte den Nutzern eine “nicht exklusive, weltweite und gebührenfreie” Lizenz und gab das ELF Format damit nach Worten SCOs effektiv der Public Domain frei.

Nach Meinung des SCO Vizepräsidenten Chris Sontag überschritt das Komitee damals in diesem Punkt seine Kompetenzen - und das, obwohl neben IBM, Intel und Microsoft eben auch Novell und die “alte” SCO zu den Mitgliedern des TISC gehörten.

Neben den Ansprüchen SCOs am ELF Format wirken die weiteren Forderungen zur “Read-Copy-Update” (RCU) Routine und IBMs Journaling Filesystem JFS sowie der bekannte Vorwurf, es wäre subtantieller Code des System V Init unberechtigterweise in den Linux Kernel übernommen worden, fast schon unspektakulär.

Wie immer darf man gespannt sein, was als nächstes auf uns zu kommt. SCO scheint es darauf anzulegen - alles oder nichts. Ein nicht ganz ungefährliches Spiel für beide Seiten.

[gefunden via Slashdot auf linuxworld.com]

Nachgeschoben:

SCO vs. Linux: ELFenkönig gesucht

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PJB: Wenn einer eine Reise macht

Heute steht ein kurzer Trip in die Pfalz an, der Wiege meiner Primärsozialisation. Mit dem Semesterticket geht das sogar kostenfrei, dauert aber ein wenig länger, da nur regionale Bummelbahnen genutzt werden können. Also brauche ich Musik.

Zeit, mal wieder meinen etwas angestaubten MP3 Player zu reaktivieren, die PJB “Personal Jukebox”. Eine Notebookfestplatte im Plastikkleid, nicht mehr zeitgemäß, aber klangtechnisch - dank der damals serienmäßig mitgelieferten Koss portaPRO-Kopfhörer - wahrscheinlich besser als vieles auf dem aktuellen Markt. Ein Stück noch aus der Zeit vor dem großen MP3-Portables Boom und der daraufhin einsetzenden Apple Verklärung.

Schon früh wurden zur PJB Spezifikationen und SDK veröffentlicht, so daß schnell eine freie Entwicklerszene entstand. Für Microsoft Windows existiert der “pjbExploder” (Sourceforge), ein Projekt, das auch heute noch aktiv weiterentwickelt wird. Auch unter Linux beschäftigten sich einige Programmierer mit der Jukebox und brachten so RPMs und Sourcen für das SDK und eine dem pjbExploder ähnliche Applikation, dem “pjbmanager”, heraus. Leider scheinen hier die Aktivitäten vor ca. 2 Jahren vollends eingeschlafen zu sein. Dementsprechend waren Schwierigkeiten beim Versuch, die notwendige Software auf ein zeitgemäßes Linuxsystem zu übertragen, von mir erwartet.

Aktuelle Kerneltreiber für die per USB angesteuerte PJB gibt es glücklicherweise auf muru.com. Der Patch für Linux 2.6.6 ließ sich problemlos auf meine Kernelversion, 2.6.5-gentoo-r1, aufspielen. Das “aktuelle” SDK vermisste einen #include in einer Quelldatei, was sich entsprechend schnell fixen ließ, lief sonst aber ebenfalls ohne weitere Hürden durch. Der “pjbmanager” in der Version 0.3.3 allerdings wollte garnicht, 0.3.2 kompilierte dann wieder ohne Klagen.

Obwohl der “pjbmanager”so übel optisch nicht anmutet, wäre ein fehlerbereinigter GTK2-Port natürlich das höchste der Gefühle. Ein paar unschöne Bugs hat die Applikation eben nach wie vor. Es beschleicht mich immer öfter die beängstigende Vorahnung, irgendwann doch in die Untiefen der Programmierung des hohen Cs eintauchen zu müssen. Dennoch: Alles in allem ging das Procedere schmerzfreier als angenommen über die Bühne, womit ich diese kleine Ode an meinen alten, aber treuen MP3 Player auch beendet wissen will.

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Kenneth Brown: Endgültig merkbefreit

So langsam wird es Zeit, sich ernsthaft Sorgen um Kenneth Brown zu machen. Sein Zustand der permanenten Reflexionsverweigerung nimmt pathologische Formen an. Kenneth Brown ist eine Luftnummer. Endgültig. Gewollt beratungsresistent und vollkommen schmerzbefreit.

Der letzte, armselige Versuch Browns, sich der Kritik an seinen unhaltbaren Thesen zu entziehen, wurde nun abermals von Andrew Tanenbaum öffentlich und ausführlich kommentiert. Sich aalgleich windend wiederholt Kenneth Brown gebetsmühlenartig bereits mehrfach widerlegte Behauptungen, so zum Beispiel den Vorwurf, Linus Torvalds habe beim Schreiben der ersten Linuxkernel Quellcode von MINIX gestohlen.

Das perfide daran: Kenneth Brown beauftragte Alexey Toptygin, den Code der ersten Linuxversionen mit dem von MINIX zu vergleichen. Die Ergebnisse Toptygins sind hier einzusehen und wurden Brown in genau dieser Form zugetragen. Toptygin spricht eine eindeutige Sprache: Linux verwendet keinerlei MINIX Code, ein Kopieren von der einen Seite zur anderen fand nicht statt. Brown und die Alexis de Tocqueville Institution ignorieren das Ergebnis dieser Studie geflissentlich und setzen sich einmal mehr dem berechtigten Vorwurf aus, anstelle ansatzweise verwertbarer Studien nur manipulative Propaganda im Auftrag zahlender Hintermänner zu verbreiten.

“To summarize, my analysis found no evidence whatsoever that any code was copied one way or the other. [...] Apparently, Ken was expecting me to find gobs of copied source code. He spent most of the conversation trying to convince me that I must have made a mistake, since it was clearly impossible for one person to write an OS and ‘code theft’ had to have occured. [...] So, I guess what I want to say is, pay no attention to this man; to the best of my knowledge he is talking out of his ass.”

(Alexey Toptygin in einer Mail an Andrew Tanenbaum)

Nach vielen weiteren, lesenswerten Ausführungen zu Browns Antworten auf die geäußerten Kritikpunkte an seinen ersten Vorveröffentlichungen kommt Tanenbaum zu folgendem Schluß:

“All in all, Brown’s only argument is that he, personally, doesn’t believe a 21-year-old kid could have written an operating system kernel in a year, despite the fact that half a dozen other people had done the same thing earlier and the code Linus wrote wasn’t all that great initially. And faced with a whole bunch of people telling him otherwise and the consultant he hired to examine the code saying the code is completely different from MINIX, Brown just ignores all the facts and persists in his belief. I’ll bet he dismisses the widely reported claim that Mozart wrote three symphonies and performed for the King of England when he was nine on the grounds that 9-year-olds don’t normally do this sort of thing.”

Man darf jetzt schon gespannt sein, mit welchen satirischen Glanzleistungen Kenneth Brown demnächst die Lacher auf seine Seite zieht.

Zur Erinnerung:

Spiel’s noch einmal, Ken!
Einfache Lügen

Relevante Links:

Verteidigung und Widerlegung der AdTI-Studie

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Spiel's noch einmal, Ken!

Das war wohl wieder nichts. Kenneth Brown, Autor des schon vor der Veröffentlichung heiß diskutierten Buches “Samizdat” und Präsident der Alexis de Tocqueville Institution, wurde erneut unsauberer Recherchemethoden und der offensichtlich gewollten Täuschung der Öffentlichkeit überführt. Dennis Ritchie, gemeinhein als einer der Urväter von Unix bekannt, widersprach nun der Darstellung Browns, er habe eingehende und umfassende Interviews mit ihm geführt:
“I think that the teaser for it, mentioning extensive interviews with me among others, is overblown in my case. Brown sent an initial (email) probe asking for an interview, in response to which we invited AdTI to send some sample questions (which I answered). This happened just before Brown’s visit to Tanenbaum. The only other interaction was a brief phone call from a staffer who asked only about a couple of fact things: how many lines of code in some early kernel, what date was it released.”

Browns umfangreiche Interviews mit Ritchie bestanden also in einer einzigen E-mail, in der Ritchie auf die Beispielfragen Browns einging, die zur Vorbereitung für ein eigentliches Interview dienen sollten - angeblich. Der Inhalt dieser Mail ist auf Groklaw zu lesen.

Schon die Fragen Browns lassen nur mehr den einen Schluss zu, dass dieser nicht an einer methodisch sauberen Aufarbeitung der Unix-Historie interessiert ist, sondern Antworten vorgeben und den Befragten intendiert in eine Richtung drängen will. Dennoch wird Ritchie relativ eindeutig, wenn es um die Verfügbarkeit der Unix-Spezifikationen geht:

“The specifications for Unix were always quite open [...] Both Minix earlier and Linux a bit later took pains to avoid copyright issues and use documented and, by that time, probably internationally standardized interfaces.”

Wie auch schon bei Andrew Tanenbaum scheitert jetzt wiederholt der Versuch Browns, große Namen der Unix-Szene für seinen Feldzug gegen Linux und freie Software im Allgemeinen zu instrumentalisieren. Nachdem nun zwei der von ihm in die Wagschaale geworfenen Persönlichkeiten den Darstellungen Browns öffentlich widersprachen und ein mehr als düsteres Licht auf seine Arbeitsweise werfen, kann mittlerweile nur noch von einer Selbstdemontage Browns und seines Arbeitgebers, der Alexis de Tocqueville Instituion, gesprochen werden.

Ich wünsche ihm viel Erfolg dabei.

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Einfache Lügen

Groklaw berichtet über neue Reaktionen zur - soweit inhaltlich bekannt - unsäglichen Studie der Alexis de Tocqueville Institution (AdTI). Neben Andrew S. Tanenbaum und Linus Torvalds meldeten sich nun unter anderem auch Richard Stallman und Peter H. Salus, Author des Werkes “A Quarter Century of UNIX”, zu Wort. Stallman wirft Kenneth Brown, dem Verfasser der Studie, die beabsichtigt missbräuchliche Nutzung von Begriffen wie dem des “Erfindens” vor. Niemand habe UNIX alleinig “erfunden” (“You don’t ”invent“ an operating system or a kernel, you write it.”). Auch Salus schlägt in die selbe Kerbe: Wissen baue immer auf Vorwissen auf, ähnlich verhalte es sich mit Betriebssystemen - auch hier basiere das eine auf Erfahrungen mit anderen. Selbst Dennis Ritchie und Ken Thompson, gemeinhin als die Urväter von UNIX bekannt, erhielten 1983 den Turing Award für die “Entwicklung und Implementierung” des UNIX-Betriebssystems, nicht für dessen “Erfindung”. Ob es hier überhaupt noch eine Rolle spielt, dass Linus Torvalds sich selbst nie als “Erfinder” irgendeines Betriebssystems bezeichnet hat?

Beschämend ist die Offensichtlichkeit, mit der die AdTI ihre Lobbyarbeit betreibt. Einfach und plump, getreu der Erkenntnis Alexis de Tocquevilles: “It is easier for the world to accept a simple lie than a complex truth”. Welch bittere Ironie.

Es sei nochmals an Tanenbaums Eindrücke erinnert, als Kenneth Brown ihn angeblich zur UNIX-Historie interviewte: “I don’t believe for a nanosecond that Brown was trying to do a legitimate study of IP and open source or anything like that. I think he was trying to make the case the people funding him (which he refused to disclose to me despite my asking point blank) wanted to have made.

Die Veröffentlichung der Studie von Kenneth Brown wurde nun verschoben, um Browns Reaktionen auf die bisher geäußerte Kritik einzuarbeiten und dem Umstand, das Linus Torvalds in Zukunft beabsichtigt, nur noch Code eindeutig bekannter Herkunft im Kernel zu akzeptieren, Rechnung zu tragen. Bei der bisherigen Vorgehensweise der AdTI kann man über die wahren Beweggründe dahinter nur trefflichst spekulieren. Die Website der AdTI selbst nimmt übrigens noch keine Notiz von der bisherigen Kritik an ihrer Studie, vorhandene Links zu Torvalds’ oder Tanenbaums Statements zeigen bisher auf brachliegende Baustellen (“Under Construction”).

Die treffendsten Zitate von Groklaw in kurzer Übersicht:

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Gekaufte Think Tanks oder: Es lebe billig!

Der unendlichen Geschichte rechtlicher und intellektueller Auseinandersetzungen um Unix, Linux, angeblich geklauten Code und verletzten Copyright- und Patentansprüchen wird scheinbar ein neues Kapitel hinzugefügt - scheinbar. Verschwörungstheoretiker spekulieren seit langem darüber, wer die wirklichen Geldgeber hinter SCOs Kreuzzug gegen freie Software und Linux im Besonderen sind. Das dürfte sich mit dem Auftauchen des ultrakonservativen Thinktanks der Alexis de Tocqueville Institution (AdTI) innerhalb dieser, mittlerweile allenfalls noch als schlechte Realsatire verortbaren Diskussion, nicht signifikant geändert haben. Im Gegenteil. Kenneth Brown, Präsident der AdTI, zweifelt in einer Studie, “die den Ruf von Linus Torvalds als Schöpfer von Linux einer gründlichen Prüfung unterziehe”, dessen Urheberschaft am freien Betriebssystem an. Offensichtlich sollte Andrew S. Tanenbaum, Author von MINIX und anfänglich scharfer Kritiker von Linus’ ersten Schritten, als vermeintlicher Gegner von Torvalds für die Ziele der AdTI, die unter anderem aus Microsoft-Geldern finanziert wird und moralisch integre Menschen wie den noch amtierenden US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Berater auflistet, instrumentalisiert werden. Doch dieser Schuß ging gehörig nach hinten los... Mehr »
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