/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Kopflos

Mit Adolf Hitler (oder seinen vermeintlichen Tagebüchern) lässt sich gutes Geld verdienen, nicht nur auf den Titelseiten von BILD, Stern und anderen Regenbogenblättern im In- und Ausland, sondern auch mit Guido Knopp im ZDF oder eben ganz in Wachs bei Madame Tussauds in Berlin. Es dürfte einigermaßen unumstritten sein, dass Adolf Hitler die deutsche Geschichte über lange Jahre leidbringend geprägt und darüber hinaus bis heute beeinflußt hat, und somit gehört der große Unsympath ebenso unstrittig in jeden - auch kommerziell - ausgestellten Kontext deutscher Historie, der sich nicht einen blinden Fleck von der Größe des antarktischen Ozonlochs zu eigen machen will.

Der völkermordende Diktator nämlich war eines gewiss nicht: ein Monster, welches man Kraft eigenen Vergessens aus dem allgemeinen Bewusstsein vertreiben oder dem posthum das modellierte Haupt vom Rumpf zu trennen ist. Das hier doch etwas verspätet inszenierte Heldentum scheint mir eine offenkundig wirkungslose und darüber hinaus zu billige Variante der Geschichtsbewältigung zu sein.

Der Bagatellisierung Hitlers entgegenzutreten bedeutet, ihn schlicht als Menschen anzuerkennen, um damit die offenbar eben doch nicht ganz so unvorstellbare Perversität und Grausamkeit seines Handelns auch heute noch als potentielle Konsequenz geschürter Ängste gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden aktuell zu halten.

So unopportun dies dem herrschenden Common Sense auch erscheinen mag.

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Eine schwierige Liebe

Oliver Kalkofe vor Opfern und Tätern auf den Medientagen 2007 in München über Moderationsamöben, gemordete Lebenszeit und den offensichtlichen Betrug am Zuschauer. Eine Keynote, die aus dem Herzen polemisiert. Es folgt das “Diskussions”-Panel der Macher und Kreativen, wenig überraschend am Kern vorbeilavierend und in unaufgeregtem Relativismus verödend. Knappe 62 MB oder 90 Minuten als MP3, deren erste Hälfte den Download lohnt.

Via Brydersche.

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Der Leser ist gefordert

Während der beherrschenden Diskussion um ein bekanntes Studentennetzwerk aus Berlin fielen in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Kommentare auf, die mit der Art und Weise der “Berichterstattung” in den zahlreichen Blogs dieser Republik ihre liebe Müh und Not hatten. Zu unausgewogen sei Kritik, unfair, nicht objektiv genug - Vergleiche mit einem Hamburger Boulevardblatt machten die Runde. Abseits manch eigener Entgleisung jedoch hatten die vielen Kommentatoren mit einer Sache häufig recht: die meisten Blogautoren präsentieren schlicht ihre Sicht der Dinge.

Nun sind Blogs aber vor allem das eine: “mein Senf”. Was hier dazugegeben wird, kann überflüssig oder bereichernd sein, ausgewogen berichten oder sprachlich versiert polarisieren - das Urteil darüber schließlich fällt je nach Peer Group unterschiedlich aus. Ein Duschvorhang Ein Blog kann journalistischen Ansprüchen genügen wollen, muss es aber nicht. Dem potentiellen Rezipienten wird sich der informative Mehrwert der viel gescholtenen Blogosphäre nur bei ausreichend vorhandener Medienkompetenz erschließen - der Wille und die Möglichkeit, sich selektiv des eigenen Verstandes zu bedienen, sei hier vorausgesetzt.

Insofern ist es müßig, wortlauten Protagonisten Befangenheit oder mangelnde Objektivität zu unterstellen - kaum einer der Angesprochenen wird das ernsthaft bestreiten wollen. Eine klare Sprache sorgt für klare Fronten. Der verbale Dampfhammer muss und will nicht immer selbst ein Teil der Lösung sein, läßt aber immerhin einen Standpunkt verorten und der eigenen Bewertung zugänglich werden. Don’t judge a book by it’s cover. Handkantenharte Fakten bedürfen keiner Geschenkverpackung, sondern einer kritischen Würdigung - mein Fazit muss nicht das Deinige sein.

Haben Blogs also eine Verantwortung, und wenn ja: welche? Die virtuelle Parallelwelt des Netzes existiert schon lange nicht mehr im rechtsfreien Raum, die eigene Meinungsfreiheit findet ihre Grenzen. Das kritiklose Wiederkäuen von vermeintlichen Informationen kann Lawinen ebenso ins Rollen bringen wie eine fundierte Recherche. Diese selbstreferentielle Natur des Mediums treibt den Verantwortlichen aus PR und Marketing den Angstschweiß ins Gesicht. Waren sie bisher vor allem gewohnt, zu lenken und zu steuern, so scheint das Gefühl des Kontrollverlustes ein unwirkliches zu sein, mit dem sich kaum anzufreunden ist.

Das Biotop ist vielfältig, reich an echten Inhalten, an differenzierenden Sichtweisen, an Ausgewogenheit und Kompromissbereitschaft. Es enthält Lügen und verleumdet, ist einseitig und gnadenlos, ausführlich und verkürzend, auf den Punkt bringend und entstellend. Begnadete Schreiber teilen sich mit Artikulationsopfern und Meinungsmacher mit Trittbrettfahrern das Terrain. Choose your enemy - die Qual der Wahl. Wer nicht wie ein Kind behandelt werden will, der sollte sich nicht wie ein Student Kind benehmen. Der Leser ist gefordert. Es mag sein, dass er hier Dinge erlernt, die der eigenen Wahrnehmung auch etablierter Medien zum Vorteil gereichen.

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Wahrnehmungsstörungen

No wonder our perception of beauty is distorted...

No wonder our perception of beauty is distorted. Ein Blick hinter die Kulissen.

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BILDblog fotografiert zurück

In einem als “Experiment” bezeichneten Aufruf sucht das BILDblog die besten Fotos von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, “in Badehose am Strand oder in einer Bäckerei oder auf dem Parkplatz oder am Flughafen oder im Flugzeug oder eingenickt im Flugzeug oder beim Shopping oder beim Nase-Bohren nachdenklich oder frischverliebt auf Sylt oder mit seiner Familie aus einem Nobel-Restaurant kommend oder in einer Tankstelle oder beim Italiener oder bei der Arbeit oder ganz ungeschminkt oder ganz entspannt mit einem Bierchen in einer Bar oder beim Pinkeln oder oder...”

Die Kampagne vergilt damit - auf etwas alttestamentarische Art und Weise - des Schmierenblatts unsägliche “Leser-Reporter”-Aktion, im Rahmen derer die ethisch verlotterte Zielgruppe die Privatsphäre Prominenter zu mißachten lernt, gelockt von ansehnlichen Prämien. Diekmann suche “bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer”, urteilte dem entsprechend schon 2003 das Landgericht Berlin - er dürfte deshalb wohl “weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet” sein.

Interessant könnte es werden, sollte Diekmann zur Wahrung der eigenen Persönlichkeitsrechte vor Gericht ziehen: er würde argumentativ den übelriechenden Sumpf seines “journalistischen” Treibens selbst trockenlegen müssen. Eventuell ist aber auch gerade dieser Umstand Kalkül.

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Wurzeln

Das Linux-Magazin scheitert in seiner diesjährigen August-Ausgabe auf Seite 16 in Sachen Genealogie auf politisch fast schon brisante Art und Weise. Im Artikel “Gentoo-Gründer wechselt zu Microsoft” wird das ehemalige Ziehkind von Daniel Robbins eindeutig den falschen Eltern zugeordnet:
“Die Debian-basierte Distribution Gentoo [...]”

Natürlich sind die Fürsprecher der beiden grossen Distributionen in den meisten Sachfragen derart auf einer Linie, dass solche Verwechslungen nahe liegen. ;-)

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Eine verpasste Chance

Der Ausgang der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen konnte für keine großen Überraschungen sorgen, die Ergebnisse wurden in dieser Form mehr oder weniger erwartet: Die CDU verliert in Sachsen die absolute Mehrheit, bleibt vor der PDS die stärkste Kraft im Parlament und wird wohl mit der erstmals seit 1994 wieder im Landtag vertretenen FDP koalieren. Ein einstelliges Ergebnis fuhr die SPD ein - mit knapp unter 10% der abgegebenen Stimmen ist nach den aktuellen Hochrechnungen das schlechteste Abschneiden der Sozialdemokraten bei einer Landtagswahl besiegelt. Etwas anders präsentiert sich die Situation in Brandenburg: Trotz grosser Stimmverluste konnte die SPD ihre Führungsrolle im Land behaupten, die Christdemokraten dagegen fielen hinter die PDS zurück und wurden so nur drittstärkste Kraft. Die FDP wird im Brandenburger Landtag nicht vertreten sein, ebensowenig die Grünen, die auch in Sachsen noch um das Überspringen der 5%-Hürde zittern müssen.

In beiden Landtagen sind, wie vorher prognostiziert, rechte Parteien vertreten. Die DVU ist in Brandenburg mit leichtem Stimmzuwachs bei mittlerweile über 6% angelangt und hat damit zum zweiten Mal in Folge die 5%-Hürde genommen. Noch einschneidender ist das Bild in Sachsen: SPD und NPD liefern sich dort zur Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mit 9,5% der Stimmen liegt die NPD derzeit noch leicht hinter den strauchelnden Sozialdemokraten.

Diese Ergebnisse zeichnen eine besorgniserregende Entwicklung der ostdeutschen Politiklandschaft, und ich stimme wohl mit den meisten Demokraten darin überein, dass der Einzug der Rechten in die beiden Landtage weder diese Republik, noch die betroffenen Regionen in irgendeiner Weise nach vorne bringen wird - ganz im Gegenteil. Erfahrungen lehren, dass ausser heisser Luft von den Abgeordneten dieser Parteien wenig Sachkompetenz oder produktive Eigenleistungen zu erwarten sind.

Genau diese Erkenntnis aber zeigt, dass es prinzipiell keine unlösbare Aufgabe ist, den dumpfen Populismus der Rechtsparteien zu entzaubern. Notwendig dazu ist eine Auseinandersetzung mit den repetetiv geschwungenen Hohlphrasen der braunen Wiederkäuer, denn eine Tabuisierung führt letzlich nur zu verschwörerischer Mystik und lässt die so ignorierten mit dem Schleier der zu unrecht gebrandmarkten zurück.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf fällt die Leistungsbewertung der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung zur Wahl katastrophal aus. Vordergründig unabhängige, aus staatlichen Geldern finanzierte Sendeanstalten haben ihre Neutralität auch und gerade dann zu wahren, wenn es anfängt, weh zu tun. Plötzlich aber werden Politiker hart rangenommen, keine Ausrede mehr akzeptiert und jeder populistische Einwurf sofort scharf hinterfragt. Ein Grund zum Jubeln, so möchte man meinen, aber nein: In gewohnt freundlicher Wohlfühlatmosphäre können die etablierten Politiker ihre nichtssagenden, schon vor der Wahl feststehenden Sprachblasen absondern, manchmal vergleichsweise zart unterbrochen von den gewohnt ungefährlichen Kommentaren der anwesenden “Journalisten”. Niemand fällt diesen Volksvertretern schroff ins Wort oder schneidet ihnen selbiges einfach ab. Ihnen wird die Bühne zur Selbstdarstellung ohne Not überlassen.

Natürlich ist es auch immer ein Risiko, mehr oder weniger geübten Nachwuchsdemagogen eine öffentliche Plattform zu bieten. Eine Demokratie aber muss das tun, sie muss sich mit anderen Meinungen auseinandersetzen, bis zur Schmerzgrenze - genau dort fangen nämlich Meinungsfreiheit und Pluralismus jenseits von wohl klingenden Schönwetterbekenntnissen an. Niemand nimmt den entrüstet aus dem TV Studio eilenden Politikern ihre moralischen Zerwürfnisse ab - dafür haben auch die Etablierten zu oft im tiefsten Dreck gesuhlt. Ganz im Gegenteil, vielen einfacheren Gemütern wird sich ein anderes Bild darstellen, sie werden die offensichtliche Ungleichbehandlung und Ausgrenzung der rechten Parteisoldaten durch Presse und Politik auf eine Art und Weise werten, die gefährlich zu noch mehr Politikverdrossenheit und Unzufriedenheit mit “dem System” führt, so abstrakt und unsinnig das auch sein mag.

Dampfplauderer entwaffnen sich selbst, nach dem Abgeben geringer Mengen an heißer Luft ist die argumentative Basis meist schon vollständig aufgebraucht, jede weitere Beschäftigung mit inhaltlichen Fragen stellt dem unterdurchschnittlich begabten Braunrhetoriker ein selbstzerstörerisches Armutszeugnis aus.

Was ARD und ZDF angeht, so wurde die erste Chance zur Entzauberung vertan. Journalistisch bewegten sich die anwesenden Redakteure und Moderatoren auf qualitativ äußerst dürftiger Ebene, sie machten Meinung, anstatt neutral aufzunehmen und zu berichten - kommentierte Aufarbeitungen schliesslich sind nur mit einem zeitlichen Mindestabstand möglich, will man ausgewogenen und seriösen Journalismus betreiben.

Schade eigentlich.

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