/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Die schöne neue Welt der Überwachung

Paul hat nichts zu verbergen und auch kein Verbrechen begangen, deswegen stört es ihn nicht, wenn er beobachtet wird oder Informationen über ihn gesammelt werden. Trotzdem sollte er sich Gedanken um seine Anonymität machen, denn diese hat nichts damit zu tun, ob man etwas zu verheimlichen hat, sondern sollte ein Normalzustand sein. Welche Folgen der Verlust der Anonymität für unsere Gesellschaft haben kann, zeigt der Klick auf’s Bild.
Wir befinden uns bei Paul im Schlafzimmer. Er muss gleich aufstehen und zur Arbeit gehen. Wir werden ihn einen Tag lang begleiten, was uns nicht schwer fallen wird, denn Paul ist leicht zu verfolgen. Wieso? Das ist ganz einfach. Paul besitzt ein Handy, einen Computer und noch andere Errungenschaften der mordernen Welt von heute. Dadurch hinterlässt er überall Spuren, die einiges über ihn aussagen. Sie werden es gleich selbst sehen.

Mit diesen Worten beginnt eine liebevoll gemachte Flashpräsentation, die den Betrachter interaktiv miteinbezieht und offenlegt, warum das Thema Datenschutz, die Verteidigung der Privatssphäre sowie die Sorge vor einem Überwachungsstaat auch diejenigen betreffen, die meinen nichts zu verbegen zu haben.

Via Rabenhorst.

3630 Klicks

Der Leser ist gefordert

Während der beherrschenden Diskussion um ein bekanntes Studentennetzwerk aus Berlin fielen in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Kommentare auf, die mit der Art und Weise der “Berichterstattung” in den zahlreichen Blogs dieser Republik ihre liebe Müh und Not hatten. Zu unausgewogen sei Kritik, unfair, nicht objektiv genug - Vergleiche mit einem Hamburger Boulevardblatt machten die Runde. Abseits manch eigener Entgleisung jedoch hatten die vielen Kommentatoren mit einer Sache häufig recht: die meisten Blogautoren präsentieren schlicht ihre Sicht der Dinge.

Nun sind Blogs aber vor allem das eine: “mein Senf”. Was hier dazugegeben wird, kann überflüssig oder bereichernd sein, ausgewogen berichten oder sprachlich versiert polarisieren - das Urteil darüber schließlich fällt je nach Peer Group unterschiedlich aus. Ein Duschvorhang Ein Blog kann journalistischen Ansprüchen genügen wollen, muss es aber nicht. Dem potentiellen Rezipienten wird sich der informative Mehrwert der viel gescholtenen Blogosphäre nur bei ausreichend vorhandener Medienkompetenz erschließen - der Wille und die Möglichkeit, sich selektiv des eigenen Verstandes zu bedienen, sei hier vorausgesetzt.

Insofern ist es müßig, wortlauten Protagonisten Befangenheit oder mangelnde Objektivität zu unterstellen - kaum einer der Angesprochenen wird das ernsthaft bestreiten wollen. Eine klare Sprache sorgt für klare Fronten. Der verbale Dampfhammer muss und will nicht immer selbst ein Teil der Lösung sein, läßt aber immerhin einen Standpunkt verorten und der eigenen Bewertung zugänglich werden. Don’t judge a book by it’s cover. Handkantenharte Fakten bedürfen keiner Geschenkverpackung, sondern einer kritischen Würdigung - mein Fazit muss nicht das Deinige sein.

Haben Blogs also eine Verantwortung, und wenn ja: welche? Die virtuelle Parallelwelt des Netzes existiert schon lange nicht mehr im rechtsfreien Raum, die eigene Meinungsfreiheit findet ihre Grenzen. Das kritiklose Wiederkäuen von vermeintlichen Informationen kann Lawinen ebenso ins Rollen bringen wie eine fundierte Recherche. Diese selbstreferentielle Natur des Mediums treibt den Verantwortlichen aus PR und Marketing den Angstschweiß ins Gesicht. Waren sie bisher vor allem gewohnt, zu lenken und zu steuern, so scheint das Gefühl des Kontrollverlustes ein unwirkliches zu sein, mit dem sich kaum anzufreunden ist.

Das Biotop ist vielfältig, reich an echten Inhalten, an differenzierenden Sichtweisen, an Ausgewogenheit und Kompromissbereitschaft. Es enthält Lügen und verleumdet, ist einseitig und gnadenlos, ausführlich und verkürzend, auf den Punkt bringend und entstellend. Begnadete Schreiber teilen sich mit Artikulationsopfern und Meinungsmacher mit Trittbrettfahrern das Terrain. Choose your enemy - die Qual der Wahl. Wer nicht wie ein Kind behandelt werden will, der sollte sich nicht wie ein Student Kind benehmen. Der Leser ist gefordert. Es mag sein, dass er hier Dinge erlernt, die der eigenen Wahrnehmung auch etablierter Medien zum Vorteil gereichen.

2235 Klicks

Gedankensplitter

Es rumort allerorten, und so trägt Andreas zur allgegenwärtigen Debatte per IRC folgende Sätze bei, die ich so nicht hätte treffender formulieren können:
“Brauchen wir mehr Intoleranz?” heißt das heutige Thema bei Maischberger. Was ein Blödsinn. Es müsste eigentlich heissen: “Können wir uns noch mehr Intoleranz leisten?” - in Hinblick auf Intoleranz gegenüber der freien Meinungsäußerung, der freien Wahl der Weltanschauung, des Lebenspartners, der sexuellen Orientierung, dessen, was man als Beleidigung empfindet und gegenüber dem Leib, Leben, Eigentum und Werten anderer.

Passend dazu polemisiert Lars einige Thesen zusammen, die ich im Zitierten dennoch soweit teilen möchte, bis hin zum romantisierenden und sich doch immer klarer abzeichnenden Feindbild des Staates als purem Sachverwalter nationaler Kapitalien:

“In Deutschland hingegen ist man sich mit seinen islamischen Nachbarn sehr schnell einig: man hasst gemeinsam Juden, hat das mit der Zivilisation sowieso nicht so richtig verstanden und unter gutem Leben versteht man vorrangig Arbeit, bevorzugt köperliche. Und solange der Moslem von nebenan nicht die deutsche Kneipe besucht, ist alles in Ordnung. Die deutsche Toleranz erlaubt alles, außer sie selbst zu gefährden. Man darf munter Juden, Ausländer anzünden oder gleich totschlagen, Schwule verprügeln und Lesben bespucken. Nur die Ruhe soll bitte nicht gestört werden. [...] Dies ist der mörderische Konsens der deutschen Toleranz.”

“Das hingegen Liberale ganz verwundert aus der Wäsche glotzen, weil sich die dänische Regierung entschuldigt und den moralischen Impetus der liberalen Weltaufklärer unterstützt liegt vor allem daran, dass sie nicht verstanden haben, dass Staaten eben die Sachverwalter der nationalen Kapitalien sind und nicht die Erfüller der feuchten Träume einiger deutscher Liberaler. Nochmal zum mitschreiben: der Staat schaft in der kapitalistischen Ökonomie den Rahmen, um die unterschiedlichen Kapitalien untereinander in Konkurrenz treten zu lassen.”

Die Dämme brechen, und die Blogosphäre kotzt entweder kübelweise oder toleriert bis zur vollkommenen Sinnentleerung. Ich selbst vermisse dabei immer häufiger Zwischentöne und wittere in der anbiedernd berechnenden Instrumentalisierung des amerikanischen Neokolonialismus als Heilsbringer im Clinch der Kulturen die Einbahnstraße, die mit je nach Tagespolitik opportun erscheinenden Fronten in der arabischen Welt schon desöfteren bis an die abschliessende Wand befahren wurde.

2463 Klicks

Das Ende der Toleranz?

Religion und Mystizismus gibt es seit Menschengedenken in allen Gesellschaften, ganz gleich ob diese (oberflächlich) aufgeklärt oder (scheinbar) um Jahrhunderte der Entwicklung anderer Gemeinschaften entrückt daherkommen. Die Suche nach einem leitenden Sinngehalt der eigenen Existenz ist ebenso so stark in einem jeden Individuum verwurzelt wie dessen Drängen nach einer ihn selbst erst manifestierenden Positionsbestimmung - in einer vollkommenen Leere geht ein jeder Geist orientierungslos zu Grunde. Als nicht-religiöser Mensch sucht man die Antworten auf quälende Fragen in Wissenschaft und Philosophie, will wissen, nicht glauben - und vertraut dennoch oft unwissend.

Als allenfalls dem Agnostizismus zugewandter Geist akzeptiere ich, dass Menschen Kraft und Hoffnung aus einer in meinen Augen oft kruden Metaphysik, Esoterik oder Religion schöpfen. Es wäre mehr als nur ignorant, all diese Gläubigen als dumm oder naiv abzutun, denn auch Religiosität kann viele Facetten haben. Erschaffen Menschen - angetrieben durch ihren Glauben - Großes, so haben sie meinen Respekt, enstehen die Dinge letzlich doch aus ihnen selbst heraus. Werden Lehren jedoch ohne jedes Hinterfragen kritiklos hingenommen, so ensteht ein fruchtbarer Boden für Ressentiments und Fanatismus, der die unheilvolle Metamorphose vom Individuum zum ferngesteuerten Zombie einleitet.

Mein Verständnis hört auf, wo Missionarseifer beginnt. Es findet seine Grenzen dort, wo in einer säkularisierten Welt das Private verbindlich ins Öffentliche getragen werden soll. Der Religionsunterricht an deutschen Schulen ist nur ein Beispiel von vielen, das aus genannten Gründen abzulehnen ist. Es ist kaum zu bestreiten, dass die großen Weltreligionen in weiten Teilen auf Ausgrenzung, der Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und dem Anspruch, die einzig wahre Lehre zu vertreten, basieren. Gegenteilige Behauptungen sind nichts weiter als Lippenbekenntnisse, die in ihrer wirklichen Konsequenz viele der selbstaufgestellten Regeln einer jeden Religion fundamental konterkarieren würden. In einer aufgeklärten Welt taugen solche Überzeugungen kaum als öffentliche Leitkultur, und sie sind in keinem Fall dem Recht freier Menschen, ihre Meinung in friedlicher Form kund zu tun, überzuordnen. Der eigene Glauben ist eben das - Privatsache.

Die aufgeheizten Geschehnisse rund um die Veröffentlichung der in meinen Augen eher harmlosen und wenig einfallsreichen Karikaturen des Propheten Mohammeds in einem dänischen, angeblich dem rechtskonservativem Spektrum zuzuordnenden Blatt zeigen ein Spannungsfeld auf, dass in dieser Form zumindest in unseren Breitengraden nicht vermutet wurde. Ein Sturm der gewalttätigen Entrüstung macht sich breit, brennt Botschaften nieder und kostet mittlerweile erste Menschenleben. Aus Sorge oder Angst um die eigene Unversehrtheit (oder aber um schwindende Absätze in boykottierenden Regionen) knicken selbst die Politiker im sonst so liberalen Dänemark ein, werden weinerliche Entschuldigungen geheuchelt und die Schäfchen ins trockene gebracht. Sogar die sonst kaum islamfreundliche Bush-Administration spielt die Rolle des Verständnisvollen. Man kann es auch Deeskalationspolitik nennen.

“Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.”
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Auf dem Altar der alles relativieren könnenden Generaltoleranz geopfert bleibt die (nicht nur in diesem Zusammenhang) ständig wieder neu zu erkämpfende Meinungsfreiheit, die keinesfalls Feigenblatt für jede Missachtung menschlicher Würde oder die gezielte Erniedrigung ganzer Völker und Religionsgemeinschaften sein soll. Die Karikaturen, die aktuell Anlass zu ernsthaften Ausschreitungen in der islamischen Welt geben, waren jenes aber wohl kaum. Eine Diskussion, ob hier mit Fingerspitzengefühl vorgegangen wurde, ist im Anbetracht der Verantwortung, die auch und gerade unsere modernen Massenmedien tragen, vielleicht angebracht, dann aber eine ganz andere - und gewiß keine, die aufgrund der aktuellen Geschehnisse geführt werden sollte. Unterschiedliche Ansichten dazu steuern plasticthinking (mit umfangreicher Diskussion in den Kommentaren) und Tim bei.

Das Maß des gerade noch tragbaren ist mittlerweile selbst bei vielen überschritten, die sich sonst in gewohnt hoher Toleranz gegenüber “des Islams” üben, und schon die Anführungszeichen machen den Unsinn einer solchen Formulierung offensichtlich. Die Ausschreitungen aufgrund der durchaus zu vertretenden Veröffentlichung der Karikaturen in verschiedenen Medien sind kaum spontan, sondern scheinen vielmehr oft durch religiöse Führer forciert, wenn nicht gar organisiert zu sein. Es geht um Macht, nicht um beleidigte Egos oder irgendwelche unglücklichen Zeichnungen. Hier gleichen sich, bei aller Unterschiedlichkeit der gewählten Mittel, die aufeinanderprallenden Welten. Es fällt schwer, in der eigenen Resignation nicht alles über einen Kamm zu scheeren, doch gerade das Wissen um Nuancen und Unterschiede ist dieser Tage unabdingbar. Wer ganze Völker nur als homogene Massen sieht, der hat den ersten Schritt in die Vergangenheit bereits getan.

Der zunehmend häßlichen Fratze eines fanatischen Islams ist mit absoluter Entschiedenheit entgegenzutreten. Es ist nicht zu tolerieren, wenn den gezielten Drohungen und Hasstiraden aus der Ecke volksaufwiegelnder Gesinnungsfürsten auch nur ein Bruchteil unserer freiheitlichen Errungenschaften geopfert wird, weder aus Angst vor dem drohenden Jihad, noch wegen der irrigen Überzeugung mancher Innenpolitiker, Freiheit liesse sich durch deren Aufgabe verteidigen. Auch unsere Außenpolitik ist mit einer ihrer größten Herausforderungen konfrontiert: in der schwierigen Aufgabe abzuwägen, wann Dialog und Kooperation mehr Erfolg als Gewalt oder zumindest deren Androhung versprechen. Die Grenzen sind fließend, und manche sollten besser nicht überschritten werden. Einen Kampf der Kulturen können nur beide Seiten verlieren.

Den Moslems, die einen interkulturellen Diskurs dem blinden Hass vorziehen, die Leserbriefe über Briefbomben und friedliche Demonstrationen über den heiligen Krieg stellen, diesen Moslems ist die Hand zu reichen. Eine Ausgrenzung bewirkte noch immer das Gegenteil dessen, was erstrebenswert war. Das Differenzieren fällt dieser Tage schwer, und manch voreingenommene Verallgemeinerung geht im Hintergrund der aktuellen Ereignisse allzu leicht über die Lippen. Ein konzentrierter “Aufstand der Anständigen”, die für einen friedlichen Islam in Koexistenz mit anderen Religionen Massen mobilisiert, könnte weltweit eventuell manches in ein besseres Licht rücken. Diesen Aufstand allerdings vermisse ich bis heute.

3316 Klicks

Otto und die Terroristen

Otto Schily, seines Zeichens konservativer Hardliner mit SPD Parteibuch, bemüht sich weiterhin um den raschen Abbau freiheitlicher Grundrechte. Nachdem Schily mit Nachdruck für die Möglichkeit zur Sicherheitsverwahrung “islamistischer Terrorverdächtiger” eintrat, steht nun die weitergehende Beschneidung der hier zu Lande schon jetzt nicht mehr ganz so freien Meinungsfreiheit auf seiner Agenda. Wir erinnern uns: Der politisch sinnentleerte Terminus der “Sicherheitverwahrung” bezeichnet im Klartext das dauerhafte Wegsperren verdächtiger Personen frei von Beweisen oder gerichtlichen Schuldsprüchen.

Nun steht einmal mehr die Versammlungsfreiheit im Fokus des Interesses: “Schily will Versammlungsrecht einschränken” titelt Spiegel Online. Ziel der Pläne unseres standhaften Innenministers ist es, extremistische Versammlungen oder “Sympathiekundgebungen für Terroristen” einfacher verbieten zu können - auch in dem Fall, dass diese an sich garnicht strafbar wären.

Willkommen in Schilys Rechtsstaat.

Auch mir wird beim Anblick stumpfsinnig marschierender Hohlköpfe mit Kurzhaarschnitt regelmäßig schlecht, und auch ich kann nur fassungslos den Kopf schütteln, wenn fanatisierte Väter ihren Kindern Hass predigen und Sprengstoffgürtel aus Plastik umschnallen. Dennoch wird eine Politik, die nichts an den Ursachen dieser Missstände zu verändern mag, in letzter Konsequenz nur die Werte bekämpfen, für die sie einzutreten vorgibt. Die größte Gefahr für den Rechtsstaat und eine freiheitliche Demokratie gehen so nicht von Terroristen oder radikalen Splittergruppen aus, sondern von vom Populismus benebelten Politikern, die sich in blindem Aktionismus üben.

Was meinem fortune File dazu noch einfiel:

"I may not agree with a word you say,
but I shall defend unto my death
your right to say it."
(Voltaire)
"They that can give up essential liberty
to obtain a little temporary safety
deserve neither liberty nor safety."
(Benjamin Franklin)

Vereinfacht, aber deshalb nicht ganz falsch.

2095 Klicks