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Bedürfnisse

Vier - aus welchen gut vorstellbaren Gründen auch immer - besonders lobbyhörige Senatoren haben ein Gesetz zur Regulierung der Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material über Kabel, Sattelit und Internetradios in den US-Kongress eingebracht. In seiner Konsequenz soll der “Platform Equality and Remedies for Rights Holders in Music Act” die Sender dazu verpflichten, relevante Teile des ausgestrahlten Programms mit moderner Technik vor Diebstahl zu schützen - Golem titelt dementsprechend durchaus passend: “US-Senatoren fordern DRM für Webradio”.

Aus der dem Musikliebhaber und Kunden entgegengebrachten Verachtung wird mittlerweile kaum noch ein Hehl gemacht - der eigene Einfluß der großen Konzerne und Verbände scheint das Selbstbewußtsein nachhaltig zu stärken. Ganz offen werden neuere Möglichkeiten abseits der Ein-Wege-Rezeption angeprangert, mit Hilfe derer die Hörer das ausgestrahlte Material flexibel und personalisiert aufzeichnen, verändern und sammeln könnten. Es wäre offenbar unvorstellbar zu viel des Guten, würde der Kunde zeitgemäßen Komfort und technischen Mehrwert nicht mit saftigen Preisaufschlägen verbunden sehen.

“Ich glaube, dass dieses Gesetz ein guter Schritt auf dem Weg hin zu einer Lösung eines realen Problems der Musikindustrie ist und ich lade alle dazu ein, sich an der Debatte zu beteiligen, um sicherzustellen, dass dieses Gesetz den Bedürfnissen der neuen Technologien gerecht wird.” (Senatorin Dianne Feinstein)

Doch Technologien haben keine Bedürfnisse, Menschen haben sie. Es ist an der Zeit, diesen auf legislativer Ebene gegen den zuletzt übermächtigen und kaum legitimierten Einfluß der Musikindustrie hier und jenseits des Atlantiks wieder mehr Rechnung zu tragen. Wer alle Ideen anderen überläßt, sollte Geschichte werden, aber diese nicht aufhalten.

Relevante Links:

US-Senatoren wollen Internetradios zu Kopierschutz verpflichten

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Anmassung

Der Verein nutzniessender Erben, die GEMA, fordert 42 Zugangsprovider zur Sperrung missliebiger Websites auf. Betroffen sind in diesem Fall “Portale, die Links zum Herunterladen von Film- und Musikdateien über das P2P-Tauschbörsenprotokoll eDonkey bereitstellen”, so heise online.

Die Argumentation der GEMA ist dabei denkbar einfach: Über Seiten wie Eselfilme oder die Saugstube würden Millionen nicht lizensierter Dateien kopiert und damit gegen das Urheberrecht verstossen. Die Anbieter der eDonkey-Links sind in den Augen der GEMA “mittelbar an der durch den jeweiligen Endnutzer vorgenommenen Urheberrechtsverletzung beteiligt, indem sie diesem den Zugang zu der rechtsverletzenden Datei im Filesharing-System ermöglichen bzw. erleichtern und damit für den Download ursächlich werden”. Auch wenn der letzte Teil dieser Ausführungen rechtlich diskussionswürdig erscheinen mag, so kann man inhaltlich bis zu diesem Punkt zumindest bei einem Blick auf die erwähnten Portalseiten zustimmen. Doch darum geht es nicht.

Weil die Betreiber dieser “illegalen Download-Portale” in der Regel nach den Ausführungen der GEMA nur äußerst schwer oder garnicht ermittelbar und die Server selbst über die ganze Welt verstreut seien, wäre eine vorsorgliche und vorgreifende Zugriffssperre z.B. durch die Manipulation von DNS-Einträgen seitens der Provider in den Augen der GEMA zumutbar: “Der DNS-Server des jeweiligen Zugangsproviders kann so konfiguriert werden, dass Anfragen von Endnutzern nicht an den richtigen Server, sondern an eine ungültige oder eine andere vordefinierte Seite weitergeleitet werden.” Bemüht werden in diesem Zusammenhang der Paragraph 97 des Urheberechtsgesetzes sowie die EU-Richtlinie 2001/29/EG, die unter anderem besagt, dass “die Rechteinhaber gerichtliche Anordungen gegen Vermittler beantragen können, deren Dienste von einem Dritten zur Verletzung eines Urheberrechts oder verwandter Schutzrechte genutzt werden”.

Zur Wahrung der eigenen Forderungen haben die Provider nach dem Willen der GEMA nun Unterlassungserklärungen abzugeben, in denen sie sich bis zum 25. Juli zur Sperrung der von der GEMA genannten Seiten verpflichten - bei Zuwiderhandlung droht ab diesem Zeitpunkt dann eine Strafe von 100.000 Euro. Wer nicht fristgerecht unterschreibt, wird verklagt. It’s as easy as that.

Wenig verwunderlich lässt sich bisher keiner der angeschriebenen Zugangsanbieter auf dieses Schreiben ein, dessen Eingang zwar in der Regel bestätigt, aber selten kommentiert wird. Dass hier nicht im vorauseilenden Gehorsam nach der Pfeife der angeblichen Kulturbewahrer getanzt wird, überrascht kaum. Die willkürliche Sperrung von unliebsamen Webinhalten ohne vorherige, gerichtliche Klärung wäre schlicht ein Unding, das dem Missbrauch von vielen Seiten Tür und Tor öffnen würde. Rochus Wegener, Aufsichtsrat von Strato, kommentiert wie folgt: “Sofern wir von einer zuständigen gerichtlichen Instanz dazu aufgefordert werden, würden wir dieser Aufforderung zur Sperrung nachkommen. Die GEMA ist aber keine solche Instanz.”

Den Anmassungen der GEMA würde in logischer Konsequenz letzlich ein kaputtmanipuliertes Netz folgen, in dem DNS-Einträge nach Belieben umgebogen und IP-Adressen fallweise erreichbar sind - oder eben nicht. Wer wollte bei einer solchen Praxis noch nachvollziehen können, wer wann was und warum gesperrt hat? Wer für eventuelle Schadensersatzansprüche haften? Auch wenn sich Recht mitunter nur mühsam erstreiten lässt, so kann dieser Aufwand nicht den Wegfall individueller Klärungen der einzelnen Sachlagen rechtfertigen, die von niemand anderem als einer staatlich legitimierten und unabhängigen Instanz, nämlich den Gerichten selbst, vorgenommen werden dürfen.

Das Begehren der GEMA mag bei einem Blick auf die Angebotspalette der diversen Downloadportale verständlich sein, die ständige Anpassung geltenden Rechts zum Vorteil und Komfort einflussreicher Lobbygruppen muss aber ihre Grenzen finden - sie ist jetzt schon in vielen Fällen kaum noch verhältnismässig.

Nachtrag 20050702:

Lesenswert dazu: GEMA erlässt “Sperrverfügungen” (medienrauschen)

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Wider die Vielfalt

Deanimiertes und damit nicht blinkendes Banner von Kai geklaut.

Die deutsche Radiolandschaft ist in großen Teilen ein nicht enden wollendes Trauerspiel, vor allem und gerade dann, wenn es um Populärmusik jenseits des dauerrotierenden MTV- und VIVA-Einerleis geht. Hier und da existieren kleine, lokal begrenzt empfangbare Radiostationen, die noch kein Sendeverbot für DJs und Moderatoren mit eigenem Geschmack und Liebe zur Musik eingeführt haben. Die weitaus meisten Frequenzen jedoch werden den verlängerten Werbeapparaten der Musikindustrie zugeteilt, Radiosendern also, deren Airplay aus dem markttechnisch optimierten Abspielen computergenerierter Musikzusammenstellungen besteht. Zwischen Usher und Aguilera blödeln flachpfeifigste Alleinunterhalter auf niedrigstem Niveau und versuchen, den gesichtslosen Sendern durch sinnentleerte Kampagnen und Mitmachaktionen ein eigenes Profil zu verpassen.

Bestes Beispiel: “Big FM”, der Sender mit den lausigsten Moderatoren, den gehirnamputiertesten Gewinnspielen und dem üblichen Fastfood zwischen Rap’n’Bullshit, R’n’B. “Die Musikgeschmacksrevolution” will ausgerufen sein, revolutionäres oder gewagtes indes gibt’s natürlich nicht zu hören, aber egal, “die GEZ muss weg!”. Wer braucht noch Arte, 3sat oder Phoenix, wenn uns “Big FM” jeden Tag “Knallwach” wieder einmal zwei Schlafmützen vorführt, die telefonisch weltbewegende Fragestellungen beantworten - ist der Gesprächspartner nun “hetero oder gay”? Die öffentlich-rechtlichen stimmen fröhlich mit ein in die Kakophonie der privaten Konkurrenz und nehmen sich damit die eigene, gebührenfinanzierte Legitimation. “Das Ding” ist ein eben solcher, Öffentlich-Rechtlicher und inhaltlich vollkommen deckungsgleich maskiert, nur ohne Werbung, womit geworben wird. So habe ich mir das grundfinanzierte Modell eigentlich nicht vorgestellt.

Dankbar dagegen nehmen Musikliebhaber das Angebot vieler kleiner, meist nicht-kommerzieller Radiostationen im Netz an, oft von Hörern für Hörer gemacht. Hier wird Musik gespielt, geliebt, darüber diskutiert, neues entdeckt und nicht selten danach sogar käuflich erworben. Im Gegensatz zur einer heuchelnden Industrie, die den Künstler und das Mark der Kulturschaffenden vor sich herträgt, um Raubkopierern neue sexuelle Erfahrungen in den Justizvollzugsanstalten unserers Landes angedeihen zu lassen, liegt das Hauptaugenmerk der unabhängigen Netzstationen nicht unbedingt darauf, Hits zu “machen” und Umsätze zu steigern. Die Gehirnwäsche der sich scheinbar endlos wiederholenden Geschmacksbeleidigungen läßt das Interesse des kulturell im Äther Verhungernden an Hörbarem jenseits der gleichgeschalteten Konzerndiktate stetig wachsen und treibt den Privatmann dazu, einen nicht unbedeutenden Teil seiner Freizeit dem selbstgeschaffenen Radioprogramm zu opfern.

Damit könnte bald Schluß sein. Die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), ein Arm der Internationalen Vereinigung der Phonographischen Industrie (IFPI), ändert zum April diesen Jahres die Tarife und Nutzungsbedingungen für die kleinen Bastionen des guten Geschmacks, die übrigens entgegen eines offensichtlich weit verbreiteten Irrglaubens schon heute Gebühren an die GVL und die Interessensvereinigung nutzniessender Erben, der GEMA, abführen. Kurz und knapp: Es wird teurer, sehr viel teurer. Der Privatmann wird sich zweimal überlegen müssen, ob sein Sendungsbewußtsein den gestiegenen Kosten standhält, und oft genug wird diese Rechnung nicht mehr aufgehen. Hinzu kommen Vorschriften, die direkt in die Musikauswahl der Sender eingreifen und vorgeben, wie oft und in welcher Reihenfolge Stücke eines Albums gespielt werden dürfen. Der Sitz der Daumenschrauben wird durch den nun quartalsmässig geforderten Programmbericht kontrolliert, der detailliert das tönende Geschehen wiederzugeben hat. So macht Kultur Spass.

Das Radiosterben wird also auch in Deutschland weitergehen, und mit jedem Radio wird ein Stück gelebter und geliebter Kultur untergehen - oder ins Ausland abwandern. Welchen Weg Björn und Dennis von lauschmusik.de einschlagen werden ist indes noch offen, vielleicht geht’s nach Kanada, “denn in Kanada, da ist die Welt noch in Ordnung”.

Relevante Links:

Neue Gebührenordnung für Internetradios
Neue Gebührenordnung - Aus für Webradios?
Schluss mit Lustig: Den Webradios geht es an den Kragen
Tod und Knebel für freie Internetradios

Protest:

gvl-protest.de

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Bye Bye Mixtape

Nachdem bekannt wurde, dass der Musikindustrie mittlerweile selbst das Aufnehmen aus Rundfunk und Internetradios ein Dorn im Auge ist, kommt nun der nächste Hammer: Privatkopien sollen nach dem Willen des Vorsitzenden der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, nicht mehr für Dritte erstellt werden dürfen. Somit wäre auch das mit viel Herzblut erstellte Mixtape, über das schon Nick Hornby in “High Fidelity” so trefflich referierte und das heute zeitgemässer in Form einer selbst erstellten CD Compilation daherkommt, in den Bereich der legalen Grauzone gedrängt.

Der Verbraucher soll offensichtlich nur noch fressen, was ihm Gebhardt und Konsorten vor die Füsse kotzen. Eine eigenständige Geschmacksentwicklung durch die Mixtapepropaganda echter Liebhaber scheint unerwünscht, weil wenig kontrollierbar.

Bei allem Verständnis, das ich bisher aufzubringen bereit war: Mir reicht’s. Ab sofort werde ich keine Tonträger mehr käuflich erwerben. Solange in den Chefetagen der Konzerne und Verbände nur noch überbezahlte Vollidioten bar eigener Ideen und Visionen den Kunden zum devoten Scheissefresser erziehen wollen, wird meine Platten- und CD-Sammlung von über 1000 gekauften Exemplaren um kein einziges Stück mehr anwachsen - Ausnahmen werden nur die selektierten Label darstellen, von denen ich noch guten Gewissens Musik erwerben kann. Der verachtenswerte Rest hat einen guten Kunden, Privatkopierer und bekennenden MP3-Hörer verloren.

Man verzeihe mir die deutliche Sprache, aber irgendwann ist Schluss. Einer Musikindustrie diesen Formates wünsche ich nur eins: Den schnellen Tod.

Siehe auch:

Vielfältige Aktivitäten
Mitschneiden verboten - nun auch im Radio?

Relevante Links:

Phonowirtschaft fordert strengere Regeln für Privatkopien
Phonoverbände fordern Einschränkung legaler Privatkopien

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Vielfältige Aktivitäten

Was vor vier Monaten noch von US-amerikanischer Seite berichtet wurde, hält nun also auch Einzug in die kundenverachtende Restriktionspolitik der deutschen Musikindustrie, die hierzulande bekanntlich nicht weniger merkbefreit agiert: Der altbekannte Radiomitschnitt steht am virtuellen Pranger. Golem schreibt:
[...] Dies setze aber weitere Anstrengungen in der Pirateriebekämpfung und Verbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen voraus, [und] gelte vor allem für die vielfältigen Kopiermöglichkeiten für Rundfunk- und Internetradioprogramme, so Gebhardt weiter: “Hier muss der Gesetzgeber konsequent tätig werden, wenn er der technischen Entwicklung nicht dauernd hinterherhinken will.”

Offensichtlich ist es nicht genug damit, dass rechtmässig erworbene Musikstücke selbst nach dem Kauf nicht mehr zur freien Verfügung der Konsumenten stehen, sondern nur als verkrüppelte Knebelware aus den unheimlich innovativen (zur Erinnerung: Napster startete 1999) Onlineshops einer anachronistisch anmutenden Musikindustrie zu beziehen sind. Dem Kunden wird neben dem Einsatz proprietärer Software so auch ein Nutzungsverhalten aufoktruiert, das gewohnte Gebrauchsmuster rigoros unterbindet.

Die Erfüllungspolitik eines auf vielen Ebenen überforderten Justizministeriums schliesslich redet einer Industrie das Wort, die gerade dabei ist, nach und nach alle Freiheiten im Umgang mit kommerziell vermarkteter Klangkultur abzuschaffen. Eine staatlich finanzierte Gehirnwäsche versucht ungelenk über den Tatbestand hinwegzutrösten, dass der Gültigkeitsbereich der Privatkopie rechtspolitisch nun von den Konzernen selbst zu definieren ist - eine “Privatisierung des Urheberrechts”, so der Medienforscher Volker Grassmuck von der Humboldt-Universität Berlin.

Wie blanker Hohn liest sich da die Aussage eines offensichtlich von sich selbst besoffenen Vorsitzenden der deutschen Phonoverbände, der doch allen ernstes öffentlich formuliert: “Mit vielfältigen Aktivitäten gestalten die Musikfirmen den Musikmarkt von morgen”.

Ob mit den “vielfältigen Aktivitäten” die Entrechtung der zahlenden Kundschaft und deren damit einhergehende Kriminalisierung gemeint ist (ja, auch und gerade Privatkopierer kaufen Tonträger), oder das standhafte Ignorieren der Wünsche und Bedürfnisse der eigenen Kunden bei gleichzeitigem Abbau des wahrgenommenen Mehrwerts der angebotenen Produkte, oder gar das heldenhafte Festhalten an längst überkommenen Verwertungs- und Vermarktungsprinzipien? Man weiss es nicht.

“Gestaltet” wurde bisher nicht. Keine wirklich neue Idee wuchs bisher auf dem Mist einer Industrie, die lieber Profite durch Klagen und Knebeln erzielt, als Gewinne durch attraktive Angebote oder innovative Lösungen zu machen. Ein auf Kreativität basierender Geschäftszweig setzt keine Trends mehr, er verpasst sie. Schuld sind dabei immer die anderen.

Der Kontrollwahn der Plattenbosse nimmt einem fruchtbaren Interessensausgleich zwischen Mittlern und Endverbrauchern mittlerweile jede Luft zum Atmen. Wer sich den Musikliebhaber so offensichtlich zum Feind macht, braucht sich über sinkende Umsätze nicht zu wundern.

Es geht auch anders.

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Stufenmodelle

Vor etwa zwei Monaten erwähnte ich in lobenden Worten die Pläne der Musikindustrie, ein gestaffeltes Preissystem für Audio CDs einzuführen. Mit einem Verkaufspreis von 10 Euro pro digitalem Tonträger kamen die Ankündigungen des BMG Chefs Maarten Steinkamp an meine Vorstellungen von gerechtfertigten Endverbraucherpreisen nahe heran - ganz deckten sich Anspruch und Wirklichkeit jedoch nicht, sollte es zu diesem Tarif doch nur eine “Selbstgebrannte” geben, rudimentär bedruckt und ohne jedes Booklet. Immerhin, es waren zumindest eigene Ideen eines zu Recht gebeutelten Industriezweiges zu erkennen, der sonst nur mit dem Vergraulen der eigenen Kundschaft beschäftigt zu sein schien. Sebastian entdeckte auf Amazon nun eines der ersten Exemplare, das bereits nach diesem Preissystem ausgezeichnet ist. In seinem Blog “quod erat demonstrandum” findet sich dazu sein Kommentar “Neues Preissystem für CDs: 2raumwohnung fängt an”.

Nach wie vor sehe ich mit 10 Euro einen für mich akzeptablen Preis erreicht, auch wenn ich diesen eher für eine CD mit anständigem Booklet auszugeben bereit wäre. Die jedoch firmiert unter dem Label der “STANDARD” Variante und soll entsprechend mit 12,99 Euro entlohnt werden. Zu neuen Kaufräuschen wird mich diese Preispolitik also noch nicht hinreißen, ein Schritt in die richtige Richtung scheint dennoch gemacht - aber auch nur dann, wenn die Ware nicht durch unsinnige Kopierschutzmechanismen verkrüppelt den Käufer entmündigen will.

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Ein Umdenken seitens der Musikindustrie?

Wer hätte das gedacht? Meine Selbstherrlichkeit findet doch noch lobende Worte für die nicht ganz zu unrecht darbende Musikindustrie. Zumindest hat es den Anschein, als würde nun endlich ein Umdenken in den Chefetagen der großen Konzerne stattfinden. BMG spielt den Part des Vorreiters und möchte in Zukunft Neuerscheinungen in drei verschiedenen Preisstufen anbieten. Heise berichtet:
Die billigste Variante soll laut BMG-Chef Maarten Steinkamp für 9,99 Euro wie eine “Selbstgebrannte” ohne gedrucktes Cover daherkommen und lediglich auf der Scheibe selbst die Liste der enthaltenen Titel mitbringen. Die regulär ausgestattete CD wird 12,99 Euro kosten, für 17,99 Euro gibt es eine Luxusversion.

Damit rücken die von mir so oft geforderten 9.99eypo als Richtpreis für im Laden erhältliche Audio-CDs in greifbare Nähe, wenn auch ohne Booklet und ansprechende Optik. Seit dem Aufkommen der kleinen CDs geraten kunstvoll gestaltete Cover jedoch an sich immer mehr in den Hintergrund, was bei einer so begrenzten Präsentationsfläche irgendwo auch verständlich erscheint. Mit Wehmut kann man da nur die vergleichsweise großflächigen Kunstwerke auf den Kartonagen gekauften Vinyls bewundern.

Bleibt zu hoffen, das BMG und Nachahmer auch auf gängelndene Kopierschutzmechanismen verzichten, die bekanntlich absolut keinen besonderen Schutz vor illegalen Vervielfältigungen bieten und damit nur den ehrlichen Käufer bestrafen.

Sollten die hier genannten Punkte wirklich so in die Realität umgesetzt werden, wäre das in meinen Augen ein innovativer Schritt in die richtige Richtung seitens BMG - ein Schritt, den man eventuell hätte unternehmen sollen, bevor man zwei Drittel der eigenen Künstlerschaft vor die Tür setzt.

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Mitschneiden verboten - nun auch im Radio?

Copy kills Music?

Es war zu erwarten: Mit dem Aufkommen des digitalen Rundfunks ist die Musikindustrie einmal mehr bestrebt, ihren Zuhörern jede sinnvolle Verfügbarkeit über das klingende Kulturgut zu nehmen. Nachdem die Revolution im Internet verschlafen wurde, wird bekanntlich versucht, alte Pfründe durch die Kriminalisierung der eigenen Kundschaft zu retten. Alternativen oder neue Geschäftsideen sucht man vergeblich - abgesehen von überteuerten und schlecht gemachten Angeboten im Netz, die dem Musikliebhaber in der Regel für unverschämte Preise verkrüppelte Ware andrehen wollen. Nicht mehr als ein durchsichtiges Alibi. Klagewellen und digitales Restriktionsmanagement statt Qualität und dem viel beschworenen Service am Kunden.

Nun folgt also der neueste Clou. Heise berichtet: “US-Musikindustrie fordert Kopierschutzmechanismen für Digitalradio”. Demnächst darf ich also nur noch ganze Sendungen ungeschnitten am Stück aufnehmen - wehe mir, wenn ich aus einzelnen, ausgestrahlten Songs oder Beiträgen eigene CDs zusammenstellen wollte! Von der Weitergabe an befreundete Musikliebhaber ganz zu schweigen - dafür möchten die heuchelnden Bosse der großen Labels den unbescholtenen Hörer am liebsten gleich am Pranger sehen.

Ich rekapituliere: Ein Großteil meines musikalischen Werdegangs wurde durch getauschte Mixkasetten oder Kopien von Alben mir bis dato unbekannter Künstler beeinflußt. In meinem Wohnzimmer stehen weit über 700 Vinylscheiben und CDs, oft auch jenseits des Mainstreams, aber bezahlt. Auch Konzerte besuche ich - das nach wie vor - gerne und regelmäßig.

Ich habe seit gut einem halben Jahr keine Musik mehr käuflich erworben - und werde es weiterhin so halten. Warum?

Einer Industrie, die dermaßen ignorant über die Wünsche und Erwartungen ihrer Kunden hinweg sieht, werfe ich kein Geld in den gierigen Schlund. Das aber hat nun so garnichts mit irgendeiner Kostenlosmentalität zu tun - mir kann man schwerlich vorwerfen, nicht bereit zu sein, Künstler fair entlohnen zu wollen. “Copy kills music” - eine lachhafte Luftnummer, für die sich maximal Knallchargen wie Smudo erwärmen können. Der Musikindustrie - das Wort in sich ist eine Perversion - kommt es nicht auf Inhalte, sondern Profit an. Das ist der Markt, und das sind zumindest die Gesetze der Großen.

Schade, wenn darunter auch die Kleinen leiden müssen. Gefährlich, wenn eine durch niemanden legitimierte Industrie durch Lobbyisten Gesetze durchboxen läßt, die in ihrer letzten Konsequenz das Grab für eine allgemein verfügbare Kultur schaufeln, wie wir sie heute noch kennen.

Industry kills music. Lesenswert.

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