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Wolfgang Thierse hat die Debatte um den deutschen Nationalfeiertag wieder neu entfacht. Statt des 3. Oktobers wäre in den Augen des Bundestagspräsidenten der 9. Oktober ein geeigneteres Datum. An eben jenem Tag demonstrierten 1989 über 70.000 Menschen in Leipzig friedlich gegen das noch herrschende DDR-Regime. Zumindest in einem Punkt stimme ich mit Herrn Thierse überein: Der 3. Oktober ist als Nationalfeiertag reichlich ungeeignet - es ist eine Liebeserklärung der Politiker an sich selbst, der staatsmännische Akt des Füllerschwingens der Mächtigen wird so über das friedliche Aufbegehren des Volkes gestellt, der Menschen also, die im Gegensatz zu manch beweihräuchtertem (warum nur muss ich bei diesem Wort seit Jahren fast ausschliesslich an die CDU Spendenaffäre denken?) Politiker in erster Linie für die Veränderungen der Umstände verantwortlich waren.

Dennoch: Es gibt einen weiteren, symbolträchtigen Tag, in mehrerlei Hinsicht: Den 9. November. Kein Tag könnte die deutsche Geschichte wohl umfassender umreissen, mit symbolträchtigen Höhen und grausamsten Tiefen: Die Ausrufung der Weimarer Republik (1918), der Hitler-Ludendorff-Putsch (1923), die Reichsprogromnacht (1938) und - in diesem Kontext wohl am wichtigsten - der Fall der Berliner Mauer (1989). Ein Tag, der nicht nur dem Feiern, sondern auch dem “Gedenken und Erinnern” dienen könnte, folgt man den Worten des in England lebenden Geistlichen Paul Oestreich.

Selbstlos möchte ich als weiteres Argument für den 9. November mein eigenes Wiegenfeste anführen. Nicht, dass das meine Präferenzen oder meine Motivation, diesen Artikel überhaupt zu verfassen, in irgendeiner Weise signifikant beeinflusst hätte. ;-)

Relevante Links:

Thierse fordert neuen Nationalfeiertag

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(Wahl)Arithmetik

Der Wille der Mehrheit ist, auch und gerade in den uns bekannten, westlichen Demokratien, nicht immer der Wille, der letzlich dann in die Praxis umgesetzt wird. Oft mag das fast wie ein Segen erscheinen - so manches Plebiszit wäre dank dem aktuell vorherrschenden Populismus furchtbar in die Hose gegangen. Doch wenn schon gewählt wird, dann setzen die meisten wohl eben jenen Automatismus als selbstverständlich voraus. Das aber spätestens bei der Wahl von Stellvertretern durch Stellvertreter deren demokratische Legitimation gegen Null tendieren kann, zeigt der Schockwellenreiter an einem einfachen Beispiel. Dort wird aus einer 19:8 Überlegenheit für “rot” eine Zweidrittelmehrheit für “schwarz” - Delegationsprinzip und entsprechend zugeschnittene Wahlkreise machen’s möglich.

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Sie nett, er kompetent

Zur Wahl unseres neuen Bundespräsidenten ist mittlerweile viel geschrieben und gesagt worden. Wie jedes Mal rankt sich um das dem Amt immer unangemessenere Procedere vor der Wahl die berechtigte Dikussion, ob der formal höchste Mann (eine Frau durfte es ja auch dieses Mal nicht sein) im Staat nicht vom Volk direkt bestimmt werden sollte. Aus Angst vor Daniel Küblböck als neuem Landesoberhaupt könnte das Vorschlagsrecht bei den verschiedenen Parteien bleiben - ein für mich gangbarer Weg. Ob ein Deutschland, das schon jetzt von einem großen Teil unserer Eliten hauptsächlich als betriebswirtschaftliche Kosten/Nutzen-Rechnung wahrgenommen zu werden scheint, nun auch noch an der repräsentativen Spitze einen Banker braucht, ist eine Frage, die ich so einfach mal im Raum stehen lassen will. Zu Abzählpannen und der hinterfragenswerten Vita besimmter Wahlmänner und dem Umgang damit haben sich schon andere Gedanken gemacht.

Kommen wir also zurück zur Frage, wer wen warum wählt...

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