Was vor vier Monaten noch von US-amerikanischer Seite berichtet wurde, hält nun also auch Einzug in die kundenverachtende Restriktionspolitik der deutschen Musikindustrie, die hierzulande bekanntlich nicht weniger merkbefreit agiert: Der altbekannte Radiomitschnitt steht am virtuellen Pranger.
Golem schreibt:
[...] Dies setze aber weitere Anstrengungen in der Pirateriebekämpfung und Verbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen voraus, [und] gelte vor allem für die vielfältigen Kopiermöglichkeiten für Rundfunk- und Internetradioprogramme, so Gebhardt weiter: “Hier muss der Gesetzgeber konsequent tätig werden, wenn er der technischen Entwicklung nicht dauernd hinterherhinken will.”
Offensichtlich ist es nicht genug damit, dass rechtmässig erworbene Musikstücke selbst nach dem Kauf nicht mehr zur freien Verfügung der Konsumenten stehen, sondern nur als verkrüppelte Knebelware aus den unheimlich innovativen (zur Erinnerung: Napster startete 1999) Onlineshops einer anachronistisch anmutenden Musikindustrie zu beziehen sind. Dem Kunden wird neben dem Einsatz proprietärer Software so auch ein Nutzungsverhalten aufoktruiert, das gewohnte Gebrauchsmuster rigoros unterbindet.
Die Erfüllungspolitik eines auf vielen Ebenen überforderten Justizministeriums schliesslich redet einer Industrie das Wort, die gerade dabei ist, nach und nach alle Freiheiten im Umgang mit kommerziell vermarkteter Klangkultur abzuschaffen. Eine staatlich finanzierte Gehirnwäsche versucht ungelenk über den Tatbestand hinwegzutrösten, dass der Gültigkeitsbereich der Privatkopie rechtspolitisch nun von den Konzernen selbst zu definieren ist - eine “Privatisierung des Urheberrechts”, so der Medienforscher Volker Grassmuck von der Humboldt-Universität Berlin.
Wie blanker Hohn liest sich da die Aussage eines offensichtlich von sich selbst besoffenen Vorsitzenden der deutschen Phonoverbände, der doch allen ernstes öffentlich formuliert: “Mit vielfältigen Aktivitäten gestalten die Musikfirmen den Musikmarkt von morgen”.
Ob mit den “vielfältigen Aktivitäten” die Entrechtung der zahlenden Kundschaft und deren damit einhergehende Kriminalisierung gemeint ist (ja, auch und gerade Privatkopierer kaufen Tonträger), oder das standhafte Ignorieren der Wünsche und Bedürfnisse der eigenen Kunden bei gleichzeitigem Abbau des wahrgenommenen Mehrwerts der angebotenen Produkte, oder gar das heldenhafte Festhalten an längst überkommenen Verwertungs- und Vermarktungsprinzipien? Man weiss es nicht.
“Gestaltet” wurde bisher nicht. Keine wirklich neue Idee wuchs bisher auf dem Mist einer Industrie, die lieber Profite durch Klagen und Knebeln erzielt, als Gewinne durch attraktive Angebote oder innovative Lösungen zu machen. Ein auf Kreativität basierender Geschäftszweig setzt keine Trends mehr, er verpasst sie. Schuld sind dabei immer die anderen.
Der Kontrollwahn der Plattenbosse nimmt einem fruchtbaren Interessensausgleich zwischen Mittlern und Endverbrauchern mittlerweile jede Luft zum Atmen. Wer sich den Musikliebhaber so offensichtlich zum Feind macht, braucht sich über sinkende Umsätze nicht zu wundern.
Es geht auch anders.