/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Der Frosch im Wasser

Eine nun schon häufiger wahrgenommene Reaktion auf den Bundestrojaner ist das Verneinen der aktuellen Machbarkeit eines solchen “Projektes” - gerne wird daraus dann ein gewisses Unverständnis für die derzeit angeblich herrschende Hysterie abgeleitet. Etwas kurz gedacht, wie ich finde, denn wo nichts ist, können Fakten geschaffen werden.

Ein weniger spektakulärer Vergleich aus dem Alltag: Der technisch wirkungsvolle Kopierschutz für CDs und DVDs lässt auch heute noch auf sich warten, die entsprechende Rahmengesetzgebung jedoch macht schon das Umgehen von einfachsten Vorkehrungen, die bestenfalls zum Alibi taugen, strafbar. Natürlich interessiert das professionelle Raubritter wenig, die Gängelung selbst spürt meist nur der ehrliche Kunde.

Erinnern wir uns an die Diskussionen zur Hinterlegungspflicht von Kryptoschlüsseln und daran, wie rasant sich der Wert unserer Gesetze und der unserer Verfassung dem ihres papiernen Mediums annähern. Eine Legislative, die den Bürger unter Zwang zum offenen oder zumindest zum öffnenden Buch macht, ist mit Blick auf das bereits diskutierte denkbar. Und natürlich werden wieder weniger die öffentlich anvisierten als viel mehr der zu kontrollierende Untertan im tatsächlichen Fokus dieser Maßnahmen stehen.

Nein, eine Hysterie wäre allenfalls einer offenbar immer breiter vorherrschenden Gesinnung nachvollziehbar geschuldet, die solche Gedankenspiele ein ums andere Mal als Testballon steigen läßt. Probleme, die aktuell auf technischer oder juristischer Seite eine vollkommene Realisierung mancher Überwachungsphantasien verhindern, beruhigen mich da wenig. Das kann man ändern, langsam, schleichend, Schritt für Schritt, und von vielen fast unbemerkt.

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Die schöne neue Welt der Überwachung

Paul hat nichts zu verbergen und auch kein Verbrechen begangen, deswegen stört es ihn nicht, wenn er beobachtet wird oder Informationen über ihn gesammelt werden. Trotzdem sollte er sich Gedanken um seine Anonymität machen, denn diese hat nichts damit zu tun, ob man etwas zu verheimlichen hat, sondern sollte ein Normalzustand sein. Welche Folgen der Verlust der Anonymität für unsere Gesellschaft haben kann, zeigt der Klick auf’s Bild.
Wir befinden uns bei Paul im Schlafzimmer. Er muss gleich aufstehen und zur Arbeit gehen. Wir werden ihn einen Tag lang begleiten, was uns nicht schwer fallen wird, denn Paul ist leicht zu verfolgen. Wieso? Das ist ganz einfach. Paul besitzt ein Handy, einen Computer und noch andere Errungenschaften der mordernen Welt von heute. Dadurch hinterlässt er überall Spuren, die einiges über ihn aussagen. Sie werden es gleich selbst sehen.

Mit diesen Worten beginnt eine liebevoll gemachte Flashpräsentation, die den Betrachter interaktiv miteinbezieht und offenlegt, warum das Thema Datenschutz, die Verteidigung der Privatssphäre sowie die Sorge vor einem Überwachungsstaat auch diejenigen betreffen, die meinen nichts zu verbegen zu haben.

Via Rabenhorst.

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BILDblog fotografiert zurück

In einem als “Experiment” bezeichneten Aufruf sucht das BILDblog die besten Fotos von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, “in Badehose am Strand oder in einer Bäckerei oder auf dem Parkplatz oder am Flughafen oder im Flugzeug oder eingenickt im Flugzeug oder beim Shopping oder beim Nase-Bohren nachdenklich oder frischverliebt auf Sylt oder mit seiner Familie aus einem Nobel-Restaurant kommend oder in einer Tankstelle oder beim Italiener oder bei der Arbeit oder ganz ungeschminkt oder ganz entspannt mit einem Bierchen in einer Bar oder beim Pinkeln oder oder...”

Die Kampagne vergilt damit - auf etwas alttestamentarische Art und Weise - des Schmierenblatts unsägliche “Leser-Reporter”-Aktion, im Rahmen derer die ethisch verlotterte Zielgruppe die Privatsphäre Prominenter zu mißachten lernt, gelockt von ansehnlichen Prämien. Diekmann suche “bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer”, urteilte dem entsprechend schon 2003 das Landgericht Berlin - er dürfte deshalb wohl “weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet” sein.

Interessant könnte es werden, sollte Diekmann zur Wahrung der eigenen Persönlichkeitsrechte vor Gericht ziehen: er würde argumentativ den übelriechenden Sumpf seines “journalistischen” Treibens selbst trockenlegen müssen. Eventuell ist aber auch gerade dieser Umstand Kalkül.

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