Nicole Simon kommentiert in
beissholz.de die aktuelle Diskussion um eine verodnete Zwangsquote deutschsprachigen Liedgutes im Programm hiesiger Radiostationen.
Natürlich ist Quoten-Musik Unsinn, der Widerstand der Radiomacher dementsprechend berechtigt und sinnvoll - ein wie auch immer geartetes Geschmacks- oder Kulturdiktat von politischer Seite verursacht nicht nur mir erhebliche Schmerzen.
Mit Qualitätsaspekten allerdings haben die Einwürfe der Branche in meinen Augen wenig bis garnichts zu tun. Es gibt und gab schon immer wirklich gute, deutschsprachige Musik in Hülle und Fülle, oft zwar etwas abseits des Mainstreams, deswegen aber nicht immer exotisch, verkopft oder unhörbar.
Ein Blick auf die deutsche Radiolandschaft offenbart zumindest im popkulturellen Bereich fast ausschliesslich Werbeveranstaltungen mit überdrehten, dauerlustigen und bis zum Erbrechen gut gelaunten Dampfplauderern, die wenig Inhaltliches und viel Überflüssiges zu sagen haben. Die Auswahl der gespielten Stücke treffen in der Regel keine erfahrenen oder irgendwie mit musikalischem Geschmack behafteten Moderatoren, sondern Computerprogramme nach vorgegebenen Kriterien, die wenig mit der Liebe zur Musik, aber viel mit Vermarktung und risikofreier Massentauglichkeit zu tun haben. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber meist sehr kleiner, regionaler Natur.
Eine Quotenregelung brächte kaum eine Abkehr von diesen Mechanismen und würde uns demzufolge noch mehr schon bekanntes hören lassen - zur Erfüllung der Vorgaben wird dann eben noch ein Grönemeyer, Naidoo oder Maffay zusätzlich eingeschoben. Eventuell würde zumindest auf lange Sicht eine positive Wirkung auf den deutschen Musikmarkt ausgehen, dann am wahrscheinlichsten jedoch mit der Betonung auf den Markt, weniger auf die Musik. Ob die von den schon erwähnten Plaudertaschen angekündigten, akkustischen Umweltverschmutzungen nun aber deutscher oder fremdsprachiger Natur sind, ist zumindest mir herzlich egal. Körperverletzung bleibt Körperverletzung.
Die Diskussion um eine Quotenregelung im Rundfunk ist alt, sehr alt. Ich erinnere mich mit Freuden an ein Interview des Musiksenders ONYX: Vor etlichen Jahren wurde dort Sven Regner, Sänger und Texter der absolut fantastischen, deutschsprachigen Gruppe Element of Crime sowie Buchautor des verfilmten “Herrn Lehmann”, zu Aussagen Heinz Rudolf Kunzes befragt. Kunze befürwortete eine solche Quotenregelung. In gewohnt staubtrockener Art und Weise antwortete Regner, sinngemäß: “Es ist mir unbekannt, warum Heinz Rudolf Kunze in manchen Kreisen einen Ruf als Intellektueller der deutschen Musikszene geniesst - dazu nur soviel: Scheisse am Stock ist auch eine Blume. Ich brauche keinen Ariernachweis für meine Musik”.
Das Gesicht der Moderatorin war sehenswert.
Nachtrag: (1.10.2004)
In diesem Zusammenhang sei noch auf zwei lesenswerte Artikel auf Spreeblick verwiesen:
Köstlich: Heute im Bundestag
Abgenickt: Quoten Antje
np: Die Sterne - Was hat Dich bloß so ruiniert?