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Quoten-Musik II

Zum leidigen Thema Quotenmusik fand ich bei Lars einen Verweis zu einem Artikel der Zeitschrift konkret: “Noie Werte” beleuchtet Fakten und Fiktionen und zeichnet so ein Bild der deutschen Musiklandschaft, zu dem das gewohnte Wehklagen so garnicht passen will:
Anlaß zum Alarm bestehe, sagen die Quotisten, weil “die deutsche Musikszene in den Medien kaum noch vorkommt”. [...] “In einer Mediengesellschaft” werde “nur wahrgenommen, was gesendet wird.” Dazu ein paar Fakten: In der Woche, in der die Bundestagsanhörung der “Musiker in eigner Sache” stattfand, kamen acht der zehn bestplazierten Alben in den deutschen Longplay-Charts von deutschen Interpreten. Im Jahrbuch 2004 der phonographischen Wirtschaft heißt es für das Geschäftsjahr 2003: “Noch nie waren deutsche Künstler so erfolgreich, der Anteil deutscher Produktionen an den Charts so hoch wie in diesem Jahr.” [...] Auf einem Markt, der seit Jahren immer tiefer in die Krise rutscht - die deutsche Musikwirtschaft hat seit 1997 40 Prozent ihres Umsatzes eingebüßt und noch 2003 einen Rekordverlust von 19,8 Prozent eingefahren - überstieg der Anteil “nationaler Künstler” an den Single-Charts erstmals in der Geschichte der Charts die 50-Prozent-Marke. Bei den Longplay-Charts gab es für deutsche Künstler mit 29,5 Prozent ebenfalls ein Allzeithoch. [...] In der vor der Bundestagsanhörung abgehaltenen Pressekonferenz der “Musiker in eigener Sache” nannte der zu diesem Zeitpunkt Platz eins der deutschen Longplay-Charts belegende Künstler, der Stuttgarter Rapper Max Herre, “Perspektivlosigkeit” als Grund für sein Quotenengagement - die Lage für deutsche Musik werde immer schwieriger.

Ein absolut lesenswerter Artikel von Hartwig Vens, der es mit der Wirtschaft zwar nicht immer so genau zu nehmen scheint (“Rekordverlust von 19,8 Prozent” - gemeint ist hier der Umsatzrückgang), jedoch den doch so eindringlich vorgelebten Kulturkampf in herrlich spitzen Worten zu kommentieren versteht.

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Quoten-Musik

Nicole Simon kommentiert in beissholz.de die aktuelle Diskussion um eine verodnete Zwangsquote deutschsprachigen Liedgutes im Programm hiesiger Radiostationen.

Natürlich ist Quoten-Musik Unsinn, der Widerstand der Radiomacher dementsprechend berechtigt und sinnvoll - ein wie auch immer geartetes Geschmacks- oder Kulturdiktat von politischer Seite verursacht nicht nur mir erhebliche Schmerzen.

Mit Qualitätsaspekten allerdings haben die Einwürfe der Branche in meinen Augen wenig bis garnichts zu tun. Es gibt und gab schon immer wirklich gute, deutschsprachige Musik in Hülle und Fülle, oft zwar etwas abseits des Mainstreams, deswegen aber nicht immer exotisch, verkopft oder unhörbar.

Ein Blick auf die deutsche Radiolandschaft offenbart zumindest im popkulturellen Bereich fast ausschliesslich Werbeveranstaltungen mit überdrehten, dauerlustigen und bis zum Erbrechen gut gelaunten Dampfplauderern, die wenig Inhaltliches und viel Überflüssiges zu sagen haben. Die Auswahl der gespielten Stücke treffen in der Regel keine erfahrenen oder irgendwie mit musikalischem Geschmack behafteten Moderatoren, sondern Computerprogramme nach vorgegebenen Kriterien, die wenig mit der Liebe zur Musik, aber viel mit Vermarktung und risikofreier Massentauglichkeit zu tun haben. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber meist sehr kleiner, regionaler Natur.

Eine Quotenregelung brächte kaum eine Abkehr von diesen Mechanismen und würde uns demzufolge noch mehr schon bekanntes hören lassen - zur Erfüllung der Vorgaben wird dann eben noch ein Grönemeyer, Naidoo oder Maffay zusätzlich eingeschoben. Eventuell würde zumindest auf lange Sicht eine positive Wirkung auf den deutschen Musikmarkt ausgehen, dann am wahrscheinlichsten jedoch mit der Betonung auf den Markt, weniger auf die Musik. Ob die von den schon erwähnten Plaudertaschen angekündigten, akkustischen Umweltverschmutzungen nun aber deutscher oder fremdsprachiger Natur sind, ist zumindest mir herzlich egal. Körperverletzung bleibt Körperverletzung.

Die Diskussion um eine Quotenregelung im Rundfunk ist alt, sehr alt. Ich erinnere mich mit Freuden an ein Interview des Musiksenders ONYX: Vor etlichen Jahren wurde dort Sven Regner, Sänger und Texter der absolut fantastischen, deutschsprachigen Gruppe Element of Crime sowie Buchautor des verfilmten “Herrn Lehmann”, zu Aussagen Heinz Rudolf Kunzes befragt. Kunze befürwortete eine solche Quotenregelung. In gewohnt staubtrockener Art und Weise antwortete Regner, sinngemäß: “Es ist mir unbekannt, warum Heinz Rudolf Kunze in manchen Kreisen einen Ruf als Intellektueller der deutschen Musikszene geniesst - dazu nur soviel: Scheisse am Stock ist auch eine Blume. Ich brauche keinen Ariernachweis für meine Musik”.

Das Gesicht der Moderatorin war sehenswert.

Nachtrag: (1.10.2004)

In diesem Zusammenhang sei noch auf zwei lesenswerte Artikel auf Spreeblick verwiesen:

Köstlich: Heute im Bundestag
Abgenickt: Quoten Antje

np: Die Sterne - Was hat Dich bloß so ruiniert?

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