/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Wider die Vielfalt

Deanimiertes und damit nicht blinkendes Banner von Kai geklaut.

Die deutsche Radiolandschaft ist in großen Teilen ein nicht enden wollendes Trauerspiel, vor allem und gerade dann, wenn es um Populärmusik jenseits des dauerrotierenden MTV- und VIVA-Einerleis geht. Hier und da existieren kleine, lokal begrenzt empfangbare Radiostationen, die noch kein Sendeverbot für DJs und Moderatoren mit eigenem Geschmack und Liebe zur Musik eingeführt haben. Die weitaus meisten Frequenzen jedoch werden den verlängerten Werbeapparaten der Musikindustrie zugeteilt, Radiosendern also, deren Airplay aus dem markttechnisch optimierten Abspielen computergenerierter Musikzusammenstellungen besteht. Zwischen Usher und Aguilera blödeln flachpfeifigste Alleinunterhalter auf niedrigstem Niveau und versuchen, den gesichtslosen Sendern durch sinnentleerte Kampagnen und Mitmachaktionen ein eigenes Profil zu verpassen.

Bestes Beispiel: “Big FM”, der Sender mit den lausigsten Moderatoren, den gehirnamputiertesten Gewinnspielen und dem üblichen Fastfood zwischen Rap’n’Bullshit, R’n’B. “Die Musikgeschmacksrevolution” will ausgerufen sein, revolutionäres oder gewagtes indes gibt’s natürlich nicht zu hören, aber egal, “die GEZ muss weg!”. Wer braucht noch Arte, 3sat oder Phoenix, wenn uns “Big FM” jeden Tag “Knallwach” wieder einmal zwei Schlafmützen vorführt, die telefonisch weltbewegende Fragestellungen beantworten - ist der Gesprächspartner nun “hetero oder gay”? Die öffentlich-rechtlichen stimmen fröhlich mit ein in die Kakophonie der privaten Konkurrenz und nehmen sich damit die eigene, gebührenfinanzierte Legitimation. “Das Ding” ist ein eben solcher, Öffentlich-Rechtlicher und inhaltlich vollkommen deckungsgleich maskiert, nur ohne Werbung, womit geworben wird. So habe ich mir das grundfinanzierte Modell eigentlich nicht vorgestellt.

Dankbar dagegen nehmen Musikliebhaber das Angebot vieler kleiner, meist nicht-kommerzieller Radiostationen im Netz an, oft von Hörern für Hörer gemacht. Hier wird Musik gespielt, geliebt, darüber diskutiert, neues entdeckt und nicht selten danach sogar käuflich erworben. Im Gegensatz zur einer heuchelnden Industrie, die den Künstler und das Mark der Kulturschaffenden vor sich herträgt, um Raubkopierern neue sexuelle Erfahrungen in den Justizvollzugsanstalten unserers Landes angedeihen zu lassen, liegt das Hauptaugenmerk der unabhängigen Netzstationen nicht unbedingt darauf, Hits zu “machen” und Umsätze zu steigern. Die Gehirnwäsche der sich scheinbar endlos wiederholenden Geschmacksbeleidigungen läßt das Interesse des kulturell im Äther Verhungernden an Hörbarem jenseits der gleichgeschalteten Konzerndiktate stetig wachsen und treibt den Privatmann dazu, einen nicht unbedeutenden Teil seiner Freizeit dem selbstgeschaffenen Radioprogramm zu opfern.

Damit könnte bald Schluß sein. Die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), ein Arm der Internationalen Vereinigung der Phonographischen Industrie (IFPI), ändert zum April diesen Jahres die Tarife und Nutzungsbedingungen für die kleinen Bastionen des guten Geschmacks, die übrigens entgegen eines offensichtlich weit verbreiteten Irrglaubens schon heute Gebühren an die GVL und die Interessensvereinigung nutzniessender Erben, der GEMA, abführen. Kurz und knapp: Es wird teurer, sehr viel teurer. Der Privatmann wird sich zweimal überlegen müssen, ob sein Sendungsbewußtsein den gestiegenen Kosten standhält, und oft genug wird diese Rechnung nicht mehr aufgehen. Hinzu kommen Vorschriften, die direkt in die Musikauswahl der Sender eingreifen und vorgeben, wie oft und in welcher Reihenfolge Stücke eines Albums gespielt werden dürfen. Der Sitz der Daumenschrauben wird durch den nun quartalsmässig geforderten Programmbericht kontrolliert, der detailliert das tönende Geschehen wiederzugeben hat. So macht Kultur Spass.

Das Radiosterben wird also auch in Deutschland weitergehen, und mit jedem Radio wird ein Stück gelebter und geliebter Kultur untergehen - oder ins Ausland abwandern. Welchen Weg Björn und Dennis von lauschmusik.de einschlagen werden ist indes noch offen, vielleicht geht’s nach Kanada, “denn in Kanada, da ist die Welt noch in Ordnung”.

Relevante Links:

Neue Gebührenordnung für Internetradios
Neue Gebührenordnung - Aus für Webradios?
Schluss mit Lustig: Den Webradios geht es an den Kragen
Tod und Knebel für freie Internetradios

Protest:

gvl-protest.de

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Quoten-Musik II

Zum leidigen Thema Quotenmusik fand ich bei Lars einen Verweis zu einem Artikel der Zeitschrift konkret: “Noie Werte” beleuchtet Fakten und Fiktionen und zeichnet so ein Bild der deutschen Musiklandschaft, zu dem das gewohnte Wehklagen so garnicht passen will:
Anlaß zum Alarm bestehe, sagen die Quotisten, weil “die deutsche Musikszene in den Medien kaum noch vorkommt”. [...] “In einer Mediengesellschaft” werde “nur wahrgenommen, was gesendet wird.” Dazu ein paar Fakten: In der Woche, in der die Bundestagsanhörung der “Musiker in eigner Sache” stattfand, kamen acht der zehn bestplazierten Alben in den deutschen Longplay-Charts von deutschen Interpreten. Im Jahrbuch 2004 der phonographischen Wirtschaft heißt es für das Geschäftsjahr 2003: “Noch nie waren deutsche Künstler so erfolgreich, der Anteil deutscher Produktionen an den Charts so hoch wie in diesem Jahr.” [...] Auf einem Markt, der seit Jahren immer tiefer in die Krise rutscht - die deutsche Musikwirtschaft hat seit 1997 40 Prozent ihres Umsatzes eingebüßt und noch 2003 einen Rekordverlust von 19,8 Prozent eingefahren - überstieg der Anteil “nationaler Künstler” an den Single-Charts erstmals in der Geschichte der Charts die 50-Prozent-Marke. Bei den Longplay-Charts gab es für deutsche Künstler mit 29,5 Prozent ebenfalls ein Allzeithoch. [...] In der vor der Bundestagsanhörung abgehaltenen Pressekonferenz der “Musiker in eigener Sache” nannte der zu diesem Zeitpunkt Platz eins der deutschen Longplay-Charts belegende Künstler, der Stuttgarter Rapper Max Herre, “Perspektivlosigkeit” als Grund für sein Quotenengagement - die Lage für deutsche Musik werde immer schwieriger.

Ein absolut lesenswerter Artikel von Hartwig Vens, der es mit der Wirtschaft zwar nicht immer so genau zu nehmen scheint (“Rekordverlust von 19,8 Prozent” - gemeint ist hier der Umsatzrückgang), jedoch den doch so eindringlich vorgelebten Kulturkampf in herrlich spitzen Worten zu kommentieren versteht.

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Vielfältige Aktivitäten

Was vor vier Monaten noch von US-amerikanischer Seite berichtet wurde, hält nun also auch Einzug in die kundenverachtende Restriktionspolitik der deutschen Musikindustrie, die hierzulande bekanntlich nicht weniger merkbefreit agiert: Der altbekannte Radiomitschnitt steht am virtuellen Pranger. Golem schreibt:
[...] Dies setze aber weitere Anstrengungen in der Pirateriebekämpfung und Verbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen voraus, [und] gelte vor allem für die vielfältigen Kopiermöglichkeiten für Rundfunk- und Internetradioprogramme, so Gebhardt weiter: “Hier muss der Gesetzgeber konsequent tätig werden, wenn er der technischen Entwicklung nicht dauernd hinterherhinken will.”

Offensichtlich ist es nicht genug damit, dass rechtmässig erworbene Musikstücke selbst nach dem Kauf nicht mehr zur freien Verfügung der Konsumenten stehen, sondern nur als verkrüppelte Knebelware aus den unheimlich innovativen (zur Erinnerung: Napster startete 1999) Onlineshops einer anachronistisch anmutenden Musikindustrie zu beziehen sind. Dem Kunden wird neben dem Einsatz proprietärer Software so auch ein Nutzungsverhalten aufoktruiert, das gewohnte Gebrauchsmuster rigoros unterbindet.

Die Erfüllungspolitik eines auf vielen Ebenen überforderten Justizministeriums schliesslich redet einer Industrie das Wort, die gerade dabei ist, nach und nach alle Freiheiten im Umgang mit kommerziell vermarkteter Klangkultur abzuschaffen. Eine staatlich finanzierte Gehirnwäsche versucht ungelenk über den Tatbestand hinwegzutrösten, dass der Gültigkeitsbereich der Privatkopie rechtspolitisch nun von den Konzernen selbst zu definieren ist - eine “Privatisierung des Urheberrechts”, so der Medienforscher Volker Grassmuck von der Humboldt-Universität Berlin.

Wie blanker Hohn liest sich da die Aussage eines offensichtlich von sich selbst besoffenen Vorsitzenden der deutschen Phonoverbände, der doch allen ernstes öffentlich formuliert: “Mit vielfältigen Aktivitäten gestalten die Musikfirmen den Musikmarkt von morgen”.

Ob mit den “vielfältigen Aktivitäten” die Entrechtung der zahlenden Kundschaft und deren damit einhergehende Kriminalisierung gemeint ist (ja, auch und gerade Privatkopierer kaufen Tonträger), oder das standhafte Ignorieren der Wünsche und Bedürfnisse der eigenen Kunden bei gleichzeitigem Abbau des wahrgenommenen Mehrwerts der angebotenen Produkte, oder gar das heldenhafte Festhalten an längst überkommenen Verwertungs- und Vermarktungsprinzipien? Man weiss es nicht.

“Gestaltet” wurde bisher nicht. Keine wirklich neue Idee wuchs bisher auf dem Mist einer Industrie, die lieber Profite durch Klagen und Knebeln erzielt, als Gewinne durch attraktive Angebote oder innovative Lösungen zu machen. Ein auf Kreativität basierender Geschäftszweig setzt keine Trends mehr, er verpasst sie. Schuld sind dabei immer die anderen.

Der Kontrollwahn der Plattenbosse nimmt einem fruchtbaren Interessensausgleich zwischen Mittlern und Endverbrauchern mittlerweile jede Luft zum Atmen. Wer sich den Musikliebhaber so offensichtlich zum Feind macht, braucht sich über sinkende Umsätze nicht zu wundern.

Es geht auch anders.

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Quoten-Musik

Nicole Simon kommentiert in beissholz.de die aktuelle Diskussion um eine verodnete Zwangsquote deutschsprachigen Liedgutes im Programm hiesiger Radiostationen.

Natürlich ist Quoten-Musik Unsinn, der Widerstand der Radiomacher dementsprechend berechtigt und sinnvoll - ein wie auch immer geartetes Geschmacks- oder Kulturdiktat von politischer Seite verursacht nicht nur mir erhebliche Schmerzen.

Mit Qualitätsaspekten allerdings haben die Einwürfe der Branche in meinen Augen wenig bis garnichts zu tun. Es gibt und gab schon immer wirklich gute, deutschsprachige Musik in Hülle und Fülle, oft zwar etwas abseits des Mainstreams, deswegen aber nicht immer exotisch, verkopft oder unhörbar.

Ein Blick auf die deutsche Radiolandschaft offenbart zumindest im popkulturellen Bereich fast ausschliesslich Werbeveranstaltungen mit überdrehten, dauerlustigen und bis zum Erbrechen gut gelaunten Dampfplauderern, die wenig Inhaltliches und viel Überflüssiges zu sagen haben. Die Auswahl der gespielten Stücke treffen in der Regel keine erfahrenen oder irgendwie mit musikalischem Geschmack behafteten Moderatoren, sondern Computerprogramme nach vorgegebenen Kriterien, die wenig mit der Liebe zur Musik, aber viel mit Vermarktung und risikofreier Massentauglichkeit zu tun haben. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber meist sehr kleiner, regionaler Natur.

Eine Quotenregelung brächte kaum eine Abkehr von diesen Mechanismen und würde uns demzufolge noch mehr schon bekanntes hören lassen - zur Erfüllung der Vorgaben wird dann eben noch ein Grönemeyer, Naidoo oder Maffay zusätzlich eingeschoben. Eventuell würde zumindest auf lange Sicht eine positive Wirkung auf den deutschen Musikmarkt ausgehen, dann am wahrscheinlichsten jedoch mit der Betonung auf den Markt, weniger auf die Musik. Ob die von den schon erwähnten Plaudertaschen angekündigten, akkustischen Umweltverschmutzungen nun aber deutscher oder fremdsprachiger Natur sind, ist zumindest mir herzlich egal. Körperverletzung bleibt Körperverletzung.

Die Diskussion um eine Quotenregelung im Rundfunk ist alt, sehr alt. Ich erinnere mich mit Freuden an ein Interview des Musiksenders ONYX: Vor etlichen Jahren wurde dort Sven Regner, Sänger und Texter der absolut fantastischen, deutschsprachigen Gruppe Element of Crime sowie Buchautor des verfilmten “Herrn Lehmann”, zu Aussagen Heinz Rudolf Kunzes befragt. Kunze befürwortete eine solche Quotenregelung. In gewohnt staubtrockener Art und Weise antwortete Regner, sinngemäß: “Es ist mir unbekannt, warum Heinz Rudolf Kunze in manchen Kreisen einen Ruf als Intellektueller der deutschen Musikszene geniesst - dazu nur soviel: Scheisse am Stock ist auch eine Blume. Ich brauche keinen Ariernachweis für meine Musik”.

Das Gesicht der Moderatorin war sehenswert.

Nachtrag: (1.10.2004)

In diesem Zusammenhang sei noch auf zwei lesenswerte Artikel auf Spreeblick verwiesen:

Köstlich: Heute im Bundestag
Abgenickt: Quoten Antje

np: Die Sterne - Was hat Dich bloß so ruiniert?

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Mitschneiden verboten - nun auch im Radio?

Copy kills Music?

Es war zu erwarten: Mit dem Aufkommen des digitalen Rundfunks ist die Musikindustrie einmal mehr bestrebt, ihren Zuhörern jede sinnvolle Verfügbarkeit über das klingende Kulturgut zu nehmen. Nachdem die Revolution im Internet verschlafen wurde, wird bekanntlich versucht, alte Pfründe durch die Kriminalisierung der eigenen Kundschaft zu retten. Alternativen oder neue Geschäftsideen sucht man vergeblich - abgesehen von überteuerten und schlecht gemachten Angeboten im Netz, die dem Musikliebhaber in der Regel für unverschämte Preise verkrüppelte Ware andrehen wollen. Nicht mehr als ein durchsichtiges Alibi. Klagewellen und digitales Restriktionsmanagement statt Qualität und dem viel beschworenen Service am Kunden.

Nun folgt also der neueste Clou. Heise berichtet: “US-Musikindustrie fordert Kopierschutzmechanismen für Digitalradio”. Demnächst darf ich also nur noch ganze Sendungen ungeschnitten am Stück aufnehmen - wehe mir, wenn ich aus einzelnen, ausgestrahlten Songs oder Beiträgen eigene CDs zusammenstellen wollte! Von der Weitergabe an befreundete Musikliebhaber ganz zu schweigen - dafür möchten die heuchelnden Bosse der großen Labels den unbescholtenen Hörer am liebsten gleich am Pranger sehen.

Ich rekapituliere: Ein Großteil meines musikalischen Werdegangs wurde durch getauschte Mixkasetten oder Kopien von Alben mir bis dato unbekannter Künstler beeinflußt. In meinem Wohnzimmer stehen weit über 700 Vinylscheiben und CDs, oft auch jenseits des Mainstreams, aber bezahlt. Auch Konzerte besuche ich - das nach wie vor - gerne und regelmäßig.

Ich habe seit gut einem halben Jahr keine Musik mehr käuflich erworben - und werde es weiterhin so halten. Warum?

Einer Industrie, die dermaßen ignorant über die Wünsche und Erwartungen ihrer Kunden hinweg sieht, werfe ich kein Geld in den gierigen Schlund. Das aber hat nun so garnichts mit irgendeiner Kostenlosmentalität zu tun - mir kann man schwerlich vorwerfen, nicht bereit zu sein, Künstler fair entlohnen zu wollen. “Copy kills music” - eine lachhafte Luftnummer, für die sich maximal Knallchargen wie Smudo erwärmen können. Der Musikindustrie - das Wort in sich ist eine Perversion - kommt es nicht auf Inhalte, sondern Profit an. Das ist der Markt, und das sind zumindest die Gesetze der Großen.

Schade, wenn darunter auch die Kleinen leiden müssen. Gefährlich, wenn eine durch niemanden legitimierte Industrie durch Lobbyisten Gesetze durchboxen läßt, die in ihrer letzten Konsequenz das Grab für eine allgemein verfügbare Kultur schaufeln, wie wir sie heute noch kennen.

Industry kills music. Lesenswert.

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