Die Onlineausgabe der Sueddeutschen in Person des Christian Kortmann schreibt über das bekannte Phänomen des auf Käuferschichten induzierten
Reality Distortion Fields, beziehungsweise - umganssprachlicher und massenkompatibler - den kaum mehr nachvollziehbaren Hype um die schillernde Produktpalette eines grossen Konzerns aus Cupertino, Kalifornien. Ein unwirkliches und manchmal tatsächlich beängstigendes Mysterium, das so auch in meiner näheren Umgebung nach wie vor geschätzte Sozialkontakte zeitweise ihres kritischen Verstandes zu berauben in der Lage war - und immernoch ist.
Der gekonnt polarisierend betitelte Zweiseiter “Die Apple-Lüge” - wobei eine jede Kritik an eben jener Firma dieser Tage zu Polarisieren scheint, trifft sie stets doch offenbar weniger die Produkte selbst als ein vielerorts verinnerlichtes Lebensgefühl - ist in meinen Augen eher mäßig, beinhaltet aber Absätze, die bereits Gedachtes und Gesagtes schön paraphrasieren. Vielerorts, pun intended.
Der Markenfetischismus, der in den 1980er-Jahren in der Subkultur der Popper erblühte, ist heute ein Massenphänomen: Wir sind im Zeitalter des iKapitalismus angekommen. Dieser ist eine gegenaufklärerische Bewegung, denn die Wahnvorstellung, Apple-Produkte seien etwas Besonderes, hat sich in den Köpfen fest gesetzt.
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Dieser Mechanismus zeigt, wie virtuos Apple die Klaviatur der Konsumentenmanipulation bedient. Die Zeitspanne zwischen der Ankündigung des iPhone und seiner Verfügbarkeit erzeugt eine Periode der Erwartung und Vorfreude, die bekanntlich die größte Sehnsucht auslöst. Ein adventlich-nervöser Glanz kehrt in die Augen der Apple-Jünger zurück, den man noch aus der Kindheit kennt: An den Weihnachtsmann glauben sie zwar nicht mehr, dafür haben sie jetzt Steve Jobs!
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Die Apple-Verklärung ist das schlagendste Beispiel für die Momente, in denen auch bei kritischen Zeitgenossen das Reflexionsvermögen aussetzt und sie blind den Wahrnehmungskanälen folgen, die das Marketing für sie bereit stellt.
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Der Wunsch nach neuen Dingen erzeugt beim Konsumenten einen persönlichen Mangel und damit eine sinnlose Unzufriedenheit.
Stichwort: Kognitive Dissonanz. Allgemeinplätze, nicht nur - aber eben auch - bei Apple.
Via Netzpolitik.org.