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Von Hartz und Hiwis

Nicht nur von Seiten der Politik bekamen aufbegehrende Studierende den Rat, bei der Einführung von Studiengebühren “einfach ein bißchen mehr zu arbeiten”. Beliebt, weil vor Ort und häufig im fachlichen Interessensbereich der angehenden Akademiker, sind die sogenannten “Hiwi-Jobs”, das Arbeiten als wissenschaftliche Hilfskraft, im Rahmen derer fotokopiert, recherchiert, organisiert oder administriert wird - eine Spannbreite also, die von einfachsten Handgriffen bis hin zu qualifizierteren Tätigkeiten reicht.

Studierende und Universitäten profitieren beiderseitig von diesem hochschulinternen Arbeitsmarkt: Die Nachwuchswissenschaftler werden früh in den Hochschulbetrieb integriert, knüpfen Kontakte, erhalten Einblicke, die für’s Studium und die Zeit danach von Belang sein können. Fakultäten schliesslich erhalten ein Gesicht, ein soziales Netz, mit dem sich Mitarbeiter und Studierende identifizieren und in dem sie sich so auch wiederfinden können - durchaus ein bedeutender Punkt, nicht nur in Zeiten, in denen beim Ruf nach teutonischen Eliteuniversitäten deren fehlender Campus-Charakter in den Planspielen für ein deutsches Harvard, Cambridge oder Stanford schmerzlich vermisst wird.

Der finanzielle Aspekt: Wissenschaftliche Hilfskräfte sind billig, sehr billig sogar. Waren die Löhne der Studierenden über zehn Jahre lang von der Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst abgekoppelt, um trotz Preissteigerungen und Inflation ausnahmslos Nullrunden fahren zu können, wurden im letzten Jahr im Zuge der Arbeitszeitverlängerung für den öffentlichen Dienst auf Seiten der Entscheider plötzlich wieder Parallelen erkannt: Wissenschaftliche Hilfskräfte müssen sich im Musterländle Baden-Württemberg bei ständig steigenden Lebenshaltungskosten nun mit einem Stundensatz von 7,53 Euro zufrieden geben - auch bei höher qualifizierten Arbeiten, die wissenschaftliche Recherchen für Professoren und Lehrstühle genauso wie die Administration der Rechner- und Serverlandschaften in Rechenzentren und Computerpools miteinbeziehen.

Doch billig ist offenbar nicht billig genug. Spiegel Online berichtet:

Mit Hilfsdiensten wollen die Universitäten arbeitslose Akademiker wieder in den Hochschulbetrieb integrieren. Vorreiter ist die Marburger Uni, wo 25 Hochschulabsolventen für einen Euro in der Stunde arbeiten - zum Beispiel im Archiv oder in der Bibliothek.

Den langzeitarbeitlosen Akademikern, die nun für einen Euro die Jobs der beschrieben spärlich entlohnten Hilfswissenschaftler übernehmen können, wird die Chance vorgegaukelt, über Einzelprojekte wieder Fuß an den Hochschulen fassen zu können. Wer den inneren Lehrbetrieb an Universitäten kennt, dem dürfte schnell klar sein, dass dem in der Regel mitnichten so sein wird.

Natürlich brauche man die promovierten Wissenschaftler auch, um billigstes Personal zu rekrutieren, “das einfache Aufgaben verrichte, etwa die Ausgabe von Büchern oder deren Nummerierung in der Bibliothek”. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

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