/* basquiat's lovely winter riot */: a unique and beautiful snowflake in your heart's lovely winter riot

Diversifikation

Eigentlich wollte ich nur einen Kommentar zum Kommentar im Köhntoppschen Blog schreiben und meine Sicht der Dinge zu Kais Trackback wiedergeben. Der Tenor: Kann (oder will) die Blogosphäre Ersatz für ein (sterbendes oder nicht sterbendes) Usenet sein? Sind ewige Redundanz und damit einhergehende Ermüdungserscheinungen der Dorfältesten nicht einfach der Lauf der Dinge, mit denen sich jedes offene Diskussionmedium früher oder später konfrontiert sieht?

Es wird wohl eher zu einem Nebeneinander denn zu einem Gegeneinander kommen, zu Menschen, die sich verschiedener Diskussions- oder Publikationskanäle bedienen und zu Menschen, die aus Prinzip und selbstgewonnener Erfahrung nur das eine oder andere Medium zu nutzen und zu schätzen wissen. Das Usenet, Mailinglisten, Blogs: Alle haben ihre Vor- und Nachteile, die Probleme allerdings sind nicht immer deckungsgleich.

Blogs sind, bei aller Theorie, nicht äquivalent zum Usenet - sie können und wollen auch nicht das Gleiche leisten. Der dezentrale Ansatz birgt den Vorteil, den eigenen Vorgarten sauber halten zu können, und bringt so durchaus manchesmal Artikelsammlungen von erstaunlicher Qualität zum Vorschein. Durch die willentliche Vernetzung untereinander entstehen Pfade, die Einladen und damit auch Ausgrenzen, ein Qualitätsmanagement ganz eigener Art. Das Problem der einzeln verlinkten Inseln wird mit immer brauchbareren Akregatoren und RSS-Feeds kleiner, den ursprünglichen Komfort einer (wenn auch nicht physisch) zentralen und (gemeint) strikt themenorientierten Lösung wie der des Usenets aber können auch diese Programme nicht bieten.

Der Beißreflex manches Urgesteins zum Thema Blogs allerdings zeigt nur, mit welchen Problemen man es im Usenet wirklich zu tun hat. Spammer und vereinzelte Trolle sind handhabbar, Starrsinn ist es nicht. Da wird jeder Medienbruch zur Katastrophe, das Trafficproblem überlanger Signaturen in zweihundert ausschweifenden Beiträgen jedesmal auf’s neue erörtert. Die quälend unerträgliche Realnamediskussion hat mich so von einem Befürworter in der Sache zu einem (stillen) Gegner der Apologeten werden lassen.

Natürlich liest sich das deutschsprachige Usenet formal vergleichsweise angenehm, das Einhalten gewisser Mindeststandards sollte jedem Kommunikationsteilnehmer nicht nur dort Anliegen aus eigenem Interesse sein. Gleichzeitig ist das Klima vielerorts vergiftet - neben den immernoch zahlreichen, wertvollen Beiträgen scheint es ein ganzes Heer an selbsternannten Nutznetzpädagogen der ältesten, urpreussischen Schule zu geben, die oft nur auf das nächste Opfer warten. Usenet kann Spass machen, der Aufwand zur Filterung allerdings wird immer größer (und damit sicherlich immer seltener frei von Kollateralschäden). Usenet ist ein offenes Medium, und das ist eigentlich auch gut so. Besitzstandsdenken führt im gemeinschaftlichen Raum jedoch unweigerlich in die Irre, das Herausekeln unerwünschter Personen verdirbt am Ende allen die Atmosphäre. Es ist die Entdeckung des eigenen Lieblingsclubs durch die doppeldeutig breite Masse, das Avancieren vom Geheimtip zum überlaufenen Szenetreff. Eine Türsteherpolitik aber kann es im Usenet nicht geben - auf Mailinglisten dagegen durchaus, dort - wie könnte es anders sein - nicht selten wiederum Anlass zu neuen Problemen und neuem Diskussionsstoff.

Menschlich verständlich: Immer und immer wieder auf Gleiches hinzuweisen, das kostet Geduld, und je lernresistenter die hereinströmenden Neuankömmlinge, desto wahrscheinlicher der Umschwung vom Oberlehrerhaften ins Persönliche. Das Usenet ist nicht tot, es liegt auch nicht in hinsiechender Agonie. Die Gegend hat sich verändert, es streifen mehr Fremde durch’s Dorf. Auch wenn das eigentlich dem Genpool zum Vorteil gereichen sollte: Man traut sich nur noch im Asbestanzug mit Scheuklappen auf die Strasse. Klar, dass sich manch einer darin zu albern vorkommt.

Sonstiges:

Der Stein des Anstosses

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Der Stein des Anstosses

Für mich reichlich unerwartet schlug heute eine Mail von news.individual.net in meinem Postfach auf, in der die Einstellung des allgemein kostenfreien Zugangs zum Newsserver der Freien Universität Berlin verkündet wurde. Ab dem 01.04.2005 wird der Zugang zum Usenet über die Berliner Bildungsstätte 10 Euro pro Jahr, also mithin 0,84 Euro pro Monat, kosten. Ein eigentlich mehr als fairer Preis.

Dennoch gibt dieser für die Berliner Betreiber offenbar notwendig gewordene Schritt Anlass und Zeit zum Nachdenken. Es steht ausser Frage, dass die Arbeit der Administatoren an der FU ihr Geld wert ist und auch schon in der Vergangenheit wert gewesen wäre. Das Problem ist anders gelagert: Das Medium selbst stellt sich in Frage. Ganz so weit wie Kristian Köhntopp, der in seinem Blog seinen Abschied aus dem Usenet bekannt gibt, möchte ich nicht gehen. Meine Beiträge dort beschränkten sich schon von jeher mehr auf das selektive Lurken denn auf eine nennenswerte Teilnahme an irgendeiner, wie auch immer gearteten, Community. Vielleicht kann ich gerade dieser Distanziertheit wegen weniger nostalgisch auf die Entwicklung des Usenets der letzten Jahre zurück blicken. Jahre, in denen es nicht gelang, die nachwachsenden Nestbeschmutzer Netzbenutzer in gewachsene Strukturen zu integrieren. Der sinnbildliche September lässt grüßen. Fronten verhärteten, Traditionen wurden zum Selbstzweck. Wenn Altersstarrsinn auf spätpubertäres Revoluzzertum trifft, kommt meist wenig mehr als der tausendste Endlosthread zum immer gleichen Thema zig Mal wiedergekäut hinten raus. Ohne das Scoring mit der Axt ist die Signal-To-Noise-Ratio kaum noch in ertäglichen Maßen zu halten, viele Gruppen erinnern mehr an einen Kampf hoffnungslos übersteigerter Egos denn an eine Kommunikation unter Gleichgesinnten.

Manche Gruppen werde ich ungeachtet all dieser Einschränkungen hin und wieder weiter verfolgen, gut gefiltert und mit einem wachen Auge auf die vielen Schreiberlinge dort, von denen ich lesend lernen durfte. Ob mir das einen kostenpflichtigen Zugang wert ist? Eine Frage, die sich so kaum stellt, ist die Bezahlung des moderaten Nutzungsentgeldes doch offensichtlich nur über Firstgate möglich. Wider jede Heuchelei: Auch bei Verfügbarkeit von mir bevorzugter Zahlungsmethoden denke ich nicht, für die aus eigenem Antrieb heraus sehr eingeschränkte Nutzung dieses Dienstes Geld investieren zu wollen - hier tut es für seltenere Besuche auch der Server des eigenen Providers. Trotzdem gilt mein Dank und mein Respekt der Arbeit der Berliner Newsgarde, die nicht Grund, aber Stein des Anstosses waren, an dieser Stelle über bisher Unreflektiertes nachzudenken.

Ein weiterer, wie üblich interessanter Ansatz kommt von Kai: Es geht ihm ebenfalls kaum um die jährlichen 10 Euro, vielmehr stellt er die Frage in den Raum, warum unter Zwang eingetriebene GEZ Gebühren für nie nachgefragte Webauftritte der Öffentlich-Rechtlichen und Millionen für “mieserable Portale” wie das unserer Arbeitsagentur zur Verfügung stehen, ein providerunabhängiger Usenetzugang zur demokratischen Meinungs- und Willensbildung aber offenbar keiner Subvention würdig ist.

Weitere Diskussionen darüber finden ausser in der Blogosphäre - wenig verwunderlich - auch im Usenet statt. Man beschäftigt sich eben allerorten am liebsten mit sich selbst. ;-)

Nachtrag:

Ja, auch ich finde Forensysteme als Kommunikationsplattform grausam und denkbar ungeeignet. Am heimeligsten fühle ich mich derzeit in diversen Mailinglisten, die nicht immer frei von einer ähnlichen Symptomatik sind, im Krankheitsverlauf aber oft sehr viel schneller regenerieren. Konzeptuell könnte das Usenet überzeugen - nur eben ohne Menschen. Ein fehlgeschlagenes Experiment?

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Alternativlos?

Google hat sich die Hervorhebung von Suchresultaten in Dokumenten, die über ein Netzwerk verteilt werden, erfolgreich patentieren lassen. Das Abstract zur Patentschrift 6,839,702 liest sich wie folgt:
“A system highlights search terms in documents distributed over a network. The system generates a search query that includes a search term and, in response to the search query, receives a list of one or more references to documents in the network. The system receives selection of one of the references and retrieves a document that corresponds to the selected reference. The system then highlights the search term in the retrieved document.”

Damit wurde ein weiteres Trivialpatent der nicht enden wollenden Liste bestehender “Innovationssicherungen” hinzugefügt - der von Google patentierte Mechanismus wird so schon seit geraumer Zeit von den verschiedensten Projekten und Websites verwendet. Es bleibt zu hoffen, dass im Fall der Fälle Prior Art nachzuweisen ist - das Patent wurde von Google im Dezember 2000 beantragt.

Auch das allerbeste Weblog, Serendipity, bietet Plugins zur Hervorhebung passender Suchbegriffe an. Kaum verwunderlich, dass die erfolgte Vergabe des Patents auch hier von einigen Entwicklern besorgt beobachtet wurde: “Certain S9Y plugins may be a violation of US patents”. Garvin fasste treffend zusammen: “Certain judges and/or patents may be a violation of common thinking and human brain interaction”.

Mittlerweile also sollte selbst der unkritischste Geek dem Unternehmen Google mit seinen Ablegern GMail und Orkut skeptisch gegenüberstehen. Florian Weimer lässt so auf der FITUG-Mailingliste anklingen:

“Es gibt ziemlich viele gute Gründe, Google zu boykottieren: das kaputte Usenet-Archiv, die Vorzensur, mangelnde Sorgfalt bei den Adwords, die niedrigen Softwarequalitätsstandards bei Gmail, Toleranz gegenüber Cloaking, Dialer-Spammern und Wikipedia-Räubern, Nichtbeachtung von Urheberrechten, mangelnde Transparenz beim Datenschutz -- die Liste kann man sicherlich noch fortführen. Nur kann es sich im Moment niemand leisten.”

You can’t live with them and you can’t shoot them?

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