Weg von WEP
Technisch weniger bewanderte, aber sich der Problematik prinzipiell bewußte Nutzer versuchen immer wieder, ihre Netze mit untauglichen Mitteln sicherer zu machen, doch das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint. Wie sinnlos Maßnahmen wie MAC Filterung, SSID Cloaking, LEAP Authentifizierung oder Deaktivierung des eigenen DHCP Servers für sich genommen sind, verdeutlicht George Ou in seinem Artikel The six dumbest ways to secure a wireless LAN auf ZDNet ausführlich und leicht verständlich.
Vielen gilt daher die Verschlüsselung des eigenen Drahtlosnetzwerkes per WEP als gangbare Möglichkeit, sich unerwünschte Gäste virtuell vom Leibe zu halten. Was einst noch als hinreichend sicher galt, wird seit längerer Zeit als praktisch gebrochen angesehen. Dennoch spielte die erforderliche Menge an Datenpaketen, die für einen erfolgreichen Angriff auf den genutzten WEP Schlüssel notwendig ist, bisher eine gewisse Rolle. Sprach man Anfangs von hunderten an Megabytes bis hin zu einigen Gigabytes an Netzwerkverkehr, den es zu belauschen galt, pendelte sich dieser Wert durch die Überlegungen von Fluhrer, Mantin und Shamir schnell bei 5 bis 10 Millionen Datenpaketen ein. Unter Verwendung statistischer Kryptoanalyse lässt sich jedes Datenpaket mit eindeutigem Initialisierungsvektor zum Brechen des verwendeten WEP Schlüssels nutzen, die Anzahl dazu notwendiger Datenpakete sinkt rapide ab. Erste Implementierungen veröffentlichte ein findiger Hacker namens “Korek” im Netstumbler-Forum, darauf basierende Tools erreichen laut eines Artikels des Computermagazins c’t bereits bei 500.000 aufgefangenen Datenpaketen eine Erfolgswahrscheinlichkeit von über 80% - bei einer Rechenzeit von 5 bis 25 Sekunden auf einem mit 1.6 GHz getakteten Pentium-Rechner. Ab fünf Millionen Paketen nähere sich die Erfolgswahrscheinlichkeit eines solchen Angriffs bereits den 100% an. Zum Auffangen der benötigten Menge an Daten braucht ein Angreifer laut den Ausführungen der c’t in einem “halbwegs” ausgelasteten 11-MBit-WLAN etwa zwei Stunden. Damit fällt auch die letzte praktische Hürde zum Knacken eines per WEP gesicherten Netzwerks: Zwei Wochen geduldiges Ausharren sind dazu in keinem Fall mehr nötig.
Neuere Attacken gehen noch weiter und wenden verschiedene Mechanismen an, um auch in weniger aktiven Funknetzwerken für den notwendigen Datenverkehr zu einem erfolgreichen Angriff zu sorgen - sie erzeugen diesen schlicht selbst, schnell und ohne jede Kenntnis des eingesetzten WEP-Keys.
Zusammenfassend: WEP ist gebrochen und bietet weder eine theoretische noch eine praktische Sicherheit. Was einst für “Heimnetzwerke” sicher genug war, bietet selbst hier keinen ausreichenden Schutz mehr. Die Wahl sollte also auf WPA oder WPA2 fallen - wer dennoch nur WEP einsetzen kann, sollte sich die Verwendung eines VPNs dringendst überlegen oder auf andere Verschlüsselungsmechanismen setzen. Achtung: Die Sicherheit eines WPA Netzwerkes mit Pre-Shared Key Verfahren (PSK), wie es bei den meisten privaten Setups verwendet werden dürfte, steht und fällt mit der Komplexität des gewählten Passwortes. Bei einer zu schwachen Phrase kann dieses durch eine simple Wörterbuch- oder Bruteforce-Attacke erraten werden.
Wie man’s besser macht, zeigt dieser Artikel von George Ou, auf den mich Kris in seinem Blog aufmerksam machte. Mein noch junges Drahtlosnetzwerk ist glücklicherweise seit etwa zwei Wochen umgestellt.
Relevante Links:
Hack most wireless LANs in minutes!
WEP: Dead Again, Part 1
WEP: Dead Again, Part 2
Using the Fluhrer, Mantin, and Shamir Attack to Break WEP (PDF)

